Fels­bo­gen, Man­del­blü­ten­fest und Stefan bleibt die Luft weg

Unser Weg führt uns heute von Sidi Ifni aus ent­lang der Küs­ten­stra­ße in Rich­tung Norden. Lus­ti­ger­wei­se sind wir wieder auf der R104 unter­wegs, dies­mal aber direkt am Meer. Als Nächs­tes steht der Fels­bo­gen von Leg­zi­ra auf dem Pro­gramm. Auch ein ein­sa­mer Stell­platz am Strand mit Sand, direk­tem Zugang zum Meer und ganz viel Ein­sam­keit wäre eine schöne Abwechs­lung. Aber immer wieder wurde uns erzählt, dass es so einen Platz in Marok­ko nicht gibt. Na das wollen wir doch mal sehen. Zuvor gibt es aber noch eine Dosis Fisch in Sidi Ifni.

Auto­wä­sche, Oran­gen­saft und Nudel­was­ser im Tank

Nach unse­rem lecke­ren Fisch­mahl vom Grill geht es raus aus der Stadt, zumin­dest so halb­wegs. Da unsere Was­ser­vor­rä­te im Tank lang­sam eine kri­ti­sche Marke errei­chen, wollen wir uns auf jeden Fall noch mit Wasser ver­sor­gen. So finden wir uns nach ein paar Minu­ten Fahr­zeit an einer Tank­stel­le am Orts­aus­gang wieder. Etwas Diesel bzw. Sprit passt immer in die Tanks und so können wir, ohne zusätz­li­che Kosten, den Was­ser­hahn benut­zen. Wäh­rend Debbi schon am Füllen ist, erfah­ren wir bei­läu­fig, dass es sich nicht um Trink­was­ser han­delt. Eine Geschmacks­pro­be bestä­tigt dies durch eine leicht nach Natri­um­chlo­rid schme­cken­de Nuance. Aber zum Duschen und Abwa­schen geht es auf jeden Fall und das Nudel­was­ser muss ab sofort nicht mehr gesal­zen werden.

Über Was­ser­druck in Marok­ko muss ich nicht mehr viel schrei­ben. Bis sich unser rol­len­des Zuhau­se seine 150 Liter ein­ver­leibt hat, kann schon mal eine halbe Stunde vorbei sein. Warum also nicht wäh­rend­des­sen die dicke Sand­schicht vom Bremer waschen lassen? Wir genie­ßen in dieser Zeit noch zusätz­lich einen frisch gepress­ten Oran­gen­saft im Tank­stel­len­re­stau­rant. Unse­ren Fanti waschen wir im Lan­des­in­ne­ren. Sand sieht man auf unse­rer Lackie­rung eh nicht und Salz wird auch die nächs­ten Tage, nicht nur im Was­ser­tank, unser Beglei­ter sein.

Zum Fels­bo­gen von Leg­zi­ra

Zwi­schen der Tank­stel­le und dem Fels­bo­gen von Leg­zi­ra liegen nur etwa acht Kilo­me­ter. Es bleibt also noch genü­gend Zeit sich rund um die Sehens­wür­dig­keit einen pas­sen­den Platz zu suchen. Direkt am Bogen befin­det sich bereits eine Wohn­mo­bil­sied­lung, die wir von der Straße aus erken­nen können. Nein, da stel­len wir uns nicht dazu. Es gibt bestimmt auch auf den ande­ren Klip­pen noch einen Zugang und etwas mehr Ruhe für Mensch und Hunde. Eine Klippe weiter gibt es bereits die nächs­te Stell­platz­mög­lich­keit, welche uns auf­grund der nicht aus­gleich­ba­ren, schie­fen Boden­be­schaf­fen­heit zum Umkeh­ren bewegt. Hier würden das Bett zur Rutsch­bahn und die Dusche zum Rück­hal­te­be­cken werden. Geplagt von diesen Luxus­pro­ble­men fahren wir auf Klippe Drei.

Dort finden wir genü­gend Platz, einen traum­haf­ten Blick auf den Fels­bo­gen, aber keinen direk­ten Weg zum Strand. Aber irgend­was ist ja bekannt­lich immer. Egal, wir finden schon einen Weg nach unten. Später stoßen noch Jürgen und Yasha zu uns, womit unsere Truppe wieder kom­plett wäre. Wenig später tref­fen noch Gitti und Gün­ther ein, die uns an diesem Stell­platz ent­deckt haben. Die Beiden sind eben­falls mit einem Vario unter­wegs und unsere Wege haben sich in Marok­ko schon meh­re­re Male gekreuzt.

„Zieht euch ver­nünf­ti­ge Schuhe an.”

So waren die Worte von Robby, als wir unser Basis­camp auf der Klippe ver­las­sen. Ein Marok­ka­ner erzähl­te uns von einem Weg, der zum Strand führen soll. Zwei Klip­pen weiter soll es nach unten gehen. Robby wusste schein­bar von vorn­her­ein, dass es nicht so ein­fach werden wird, den Boden der Tat­sa­chen, oder in unse­rem Fall, den Strand am Meer zu errei­chen.

Man könnte ihre Worte auch anders inter­pre­tie­ren: „Das wird Schei­ße, geht mal ohne mich”.

So folg­ten also drei Hunde, zwei Men­schen und eine Kamera einem Pfad ins Unge­wis­se. Vier­rad- bzw. Vier­pfo­ten­an­trieb ist auf jeden Fall nicht ver­kehrt. Zumin­dest kommen unsere Hunde auch ohne “ver­nünf­ti­ge Schuhe” sehr schnell unten an. Ich komme auch unten an, aller­dings anders als ver­mu­tet. Genau am letz­ten Absatz rut­sche ich weg, lande zwi­schen zwei Fels­bro­cken und mir bleibt die Luft weg.

Sta­tus­mel­dung:

  • Ich bekom­me wieder Luft.
  • Keine offe­nen Wunden.
  • Die Kamera ist intakt.
  • Meine Rippen fühlen sich an wie nach dem Sturz vom Rad. Nur an der rech­ten Seite.

Nach einem kurzen Schreck geht es weiter auf dem Pfad des Todes. Unten sind wir aber noch lange nicht. Der Pfad endet an einem Abhang, der klet­ter­steigar­tig an der Wand ent­lang führt.

Auch hier zeigen die Hunde alle Qua­li­tä­ten ihrer 4-pfo­ti­gen Fort­be­we­gungs­mög­lich­keit und erbli­cken mit freu­di­gem Schwanz­we­deln den ersehn­ten Sand­strand. Wäh­rend wir die letz­ten Meter zurück­le­gen und am Boden ankom­men, toben unsere Hunde bereits aus­ge­las­sen.

Die Fischer und der rich­ti­ge Weg

Als wir unten ankom­men, werden wir mit einer tollen Aus­sicht belohnt, aller­dings ohne die ersehn­ten Bögen. Eine Fels­wand ver­sperrt uns die Sicht und die Flut den Durch­gang. Aber viel­leicht müssen wir ein­fach ein biss­chen am Strand ent­lang­lau­fen, um die Per­spek­ti­ve zu ändern.

Dort sitzen drei Fischer mit Hund, die gerade ein Netz repa­rie­ren. Emily legt mit deren Vier­bei­ner eine kleine Spiel­run­de ein, bevor wir ihr erklä­ren, dass sie sich so lang­sam ver­ab­schie­den soll.

Je weiter wir uns vom Abstiegs­punkt ent­fer­nen, umso besser wird der Blick. Lang­sam aber bestän­dig tau­chen die Objek­te der Begier­de hinter der Fels­wand auf. Der große Bogen und wei­te­re klei­ne­re liegen in einem Dunst aus feinem Was­ser­ne­bel und bieten sich für ein paar Fotos an. Durch­lau­fen können wir aber leider nicht.

All­mäh­lich soll­ten wir uns aber Gedan­ken über den Rück­weg machen. Den glei­chen Weg möch­ten wir nicht mehr zurück­lau­fen und so beschlie­ßen wir, dass wir uns bei den Fischern nach der besten Auf­stiegs­mög­lich­keit erkun­di­gen. Sie erklä­ren bzw. zeigen uns einen in den Fels gear­bei­te­ten Weg mit Tritt­stu­fen, der lt. ihrer Aus­sa­ge, auch für ihre Frauen mach­bar sei. Ok, das klingt schon mal gut, auch wenn die steile Fels­wand nicht wirk­lich pri­ckelnd aus­sieht. Die Ein­la­dung zum Tee müssen wir aber leider auf­grund der schon bald unter­ge­hen­den Sonne ableh­nen. Wir machen uns also auf den Weg nach oben.

Der Auf­stieg ist auf jeden Fall deut­lich ein­fa­cher zu bewäl­ti­gen als der Abstieg, zumin­dest wenn man eini­ger­ma­ßen schwin­del­frei ist. Am Ende kommen wir wohl­be­hal­ten oben an, und wissen jetzt, wie marok­ka­ni­sche Weg­be­schrei­bun­gen zu ver­ste­hen sind.

Wir stehen auf Klippe Zwei und unsere Wohn­mo­bi­le auf Klippe Eins. Also genau zwei Klip­pen weiter, wenn man auch die mit­zählt, auf der wir stehen. 😀

Mit geprell­tem Rip­pen­bo­gen weg von den Fels­bö­gen

Am nächs­ten Morgen macht sich meine Rippe deut­lich bemerk­bar. Trotz­dem wollen wir heute ein Stück­chen weiter fahren. Wir hoffen auf einen Strand­ab­schnitt, der ohne Berg­schu­he und Klet­ter­aus­rüs­tung zu errei­chen ist. So setzen wir uns gemein­sam mit Debbi in Bewe­gung. Unsere ande­ren Mit­bö­gen­cam­per reisen in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung.

Wir füllen in Mir­left unsere Vor­rä­te auf, doch das gekauf­te Ber­ber­brot fällt dann leider unse­rer Emily zum Opfer, die schein­bar nicht nur unse­ren Gemü­se­korb, son­dern auch die Brot­tü­te als Selbst­be­die­nungs­re­stau­rant für sich ent­deckt hat. Seit sie etwas älter gewor­den ist, hat sie ganz selt­sa­me Anwand­lun­gen bekom­men.

Debbi und Robby haben auf Maps zwei viel­ver­spre­chen­de Plätze gefun­den. Zunächst steu­ern wir den ersten Platz an, der aber an der Ein­fahrt mit einem recht offi­zi­ell wir­ken­den Cam­ping-Ver­bo­ten-Schild mar­kiert ist. In der Ferne erkennt man, dass dieses Schild schein­bar nie­man­den zu jucken scheint. Min­des­tens fünf Fahr­zeu­ge haben sich an dieser Stelle bereits ein­ge­nis­tet. Für uns und unse­ren Plan zu viel, des­halb fahren wir zur nächs­ten Ein­fahrt, die zum zwei­ten Platz führen soll. Hier gibt es kein Ver­bots­schild dafür einen recht schräg und immer stei­ni­ger wer­den­den Weg.

Wir beschlie­ßen, erst einmal nur mit Fanti zu fahren, und geben Debbi anschlie­ßend Bescheid, ob es auch mit dem Bremer mach­bar ist. “Da kann man(n) ja anschlie­ßen ein­fach über den Hügel laufen und sie her­lot­sen”. So tasten wir uns lang­sam über große Steine und tiefe Fahr­rin­nen, bis wir das Meer sehen können. Ab hier geht es über eine san­di­ge Piste direkt an einen Platz, wel­cher sich vor­treff­lich als Stell­platz eignet. Hier blei­ben wir, jetzt muss nur noch der Bremer den Weg meis­tern.

„Geh doch mal Debbi holen”

Auf­grund einer sehr stei­len Abfahrt und ziem­lich fiesen Stei­nen beschlie­ßen wir, also Robby, dass ich viel­leicht bei der Über­fahrt ein Auge auf den Bremer haben sollte. Ich lat­sche den Hügel nach oben und stelle fest, dass manche Wege in der Vor­stel­lung kürzer erschei­nen, als sie am Ende tat­säch­lich sind. Vor allem, wenn dir jemand anders diese Vor­stel­lung ein­pflanzt.

Bin ich froh, dass ich diesen Marsch nur ein mal machen muss.

Als ich schweiß­ge­ba­det auf dem Hügel, den man(n) ja pro­blem­los laufen kann, ankom­me, ist der Bremer nicht mehr zu sehen. Schnell war klar, dass irgend­ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg nicht plan­mä­ßig funk­tio­niert hat.

Bin ich froh, dass ich diesen Marsch zwei­mal machen darf, scha­det mir nach den vielen Patis­se­rie­be­su­chen zumin­dest nicht.

Als ich den Hügel, der sich mitt­ler­wei­le zu einem Hoch­ge­birgs­zug ent­wi­ckelt hat, über­que­re, sehe ich, dass wir wieder voll­zäh­lig sind. Aller­dings steckt “Debbi’s Bus”, wenn auch gut geparkt, im Sand fest. Darum küm­mern wir uns aber erst wenn wir dieses hüb­sche Fleck­chen Erde wieder ver­las­sen. Vorher gibt es noch etwas ande­res zu tun.

Strand­cam­ping, Medi­ka­men­ten­lie­fe­rung und ein Hauch von Ber­ge­ac­tion

Wir haben ein wun­der­schö­nes Plätz­chen zwi­schen Sand­dü­nen ent­deckt. Außer ein paar Ziegen mit zuge­hö­ri­gem Hirten, der aber auch nur einmal am Tag vor­bei­kommt, stehen wir kom­plett einsam.

Am nächs­ten Tag besu­chen uns noch Sabine und Detlef. Mit ihrem 4×4 Sprin­ter meis­tern die Beiden die Anfahrt ohne Pro­ble­me. Sie brin­gen uns Medi­ka­men­te für Emily mit.

Eigent­lich woll­ten wir nur drei Monate in Marok­ko blei­ben. Gerade ist es aber viel zu schön, um das Land wieder zu ver­las­sen. Es gab im Vor­feld aber eini­ges zu erle­di­gen. Diese Medi­ka­men­ten­lie­fe­rung ist das letzte Puz­zle­teil zur Ver­län­ge­rung unse­res Marok­ko­auf­ent­halts, zumin­dest was unsere eigene Ver­sor­gung angeht. Jetzt muss nur noch die eigent­li­che Vis­aver­län­ge­rung klap­pen.

Ein großes Dan­ke­schön geht an Tanja und Andre für die Tablet­ten, die sie freund­li­cher­wei­se Sabine und Detlef mit­ge­ge­ben haben. Die waren dann so lieb und haben sie uns gebracht. Ohne euch hätte das alles nicht geklappt.

Wir ver­brin­gen auch den nächs­ten Tag noch mit hei­te­ren Gesprä­chen in toller Gesell­schaft, bevor es für uns wieder zurück nach Tafraout geht.

Dort möch­ten wir den letz­ten Papier­kram erle­di­gen, und das Man­del­fest wartet auch noch auf uns.

Auf dem Weg machen wir einen kurzen Abste­cher nach Tiznit, wo wir die tolls­te Patis­se­rie in ganz Marok­ko ent­deckt haben. Eine kleine Aus­wahl hat es dann noch auf’s Foto geschafft.

Man­del­fest und Vis­aver­län­ge­rung in Tafraout

Heute geht es für uns noch auf das Man­del­fest. Egal wo in Tafraout, seit Wochen ist dieses Ereig­nis das Gesprächs­the­ma Nummer eins. Wir tref­fen auch Yasha und Jürgen von Dare2go wieder, da auch sie sich dieses Fest nicht ent­ge­hen lassen möch­ten. Außer­dem werden wir durch Zufall von Doreen und Sven vom kas­tenin­blau ent­deckt, die aller­dings mit Besuch unter­wegs sind und nicht unbe­dingt auf das Fest müssen.

So gehen wir ein letz­tes Mal gemein­sam in der alten Truppe durch Tafraout. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Auf der großen Bühne erschallt tra­di­tio­nel­le Musik bis spät in die Nacht. Ver­kaufs­stän­de bieten alles, was man aus Man­deln her­stel­len kann und auch ein lecke­res Stück selbst gemach­ter Zie­gen­kä­se landet in unse­rem Magen bzw. der Ein­kaufs­tü­te.

Aber jetzt heißt es Abschied nehmen aus Tafraout. Die Ver­län­ge­rung hat geklappt, wenn auch das For­mu­lar wegen Form­feh­lern drei­mal nach­ge­bes­sert werden musste. Aber das ist halt auch Marok­ko. Am Ende zählt, dass wir noch blei­ben dürfen.

Visumverlängerung Tafraout

Eines habe ich noch ver­ges­sen. Unsere Auto­ver­si­che­rung müssen wir noch ver­län­gern, aber das erle­di­gen wir in Agadir. Warum wir dort dann letzt­end­lich beim Zahn­arzt gelan­det sind, erfahrt ihr in unse­rem nächs­ten Bei­trag.

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