Høyanger, flie­gen­de Stei­ne und jugend­li­cher Unfug

Norwegen, Høyanger, Skigebiet, Parkplatz

In Høyanger dach­ten wir den perfek­ten Platz zum frei stehen gefun­den zu haben. Doch das soll­te sich bald als großer Irrtum raus­stel­len.

Die Fahrt nach Høyanger

Nach­dem wir in Bergen alles erle­digt hatten mach­ten wir uns auf Rich­tung Norden. In Oppdal setz­ten wir mit der Fähre über nach Lavik, um auf die ande­re Seite des Sogne­fjords zu gelan­gen. Nach einer guten Stun­de entlang des Fjords kamen wir nach Høyanger. Doch kurz nach dieser Stadt gab es Bauar­bei­ten an einem Tunnel, weshalb es nur im Konvoi, zu bestimm­ten Zeiten, weiter geht. Wir haben den letz­ten knapp verpasst und muss­ten in Høyanger ca. 1,5 Stun­den auf den nächs­ten warten.

Hinweis­schild “Slope”

Wir erin­ner­ten uns, dass es bei der Orts­ein­fahrt ein Schild mit Hinweis auf ein Skige­biet gege­ben hat. Da Skige­bie­te im Sommer nicht gebraucht werden, kann man die Park­plät­ze meist für eine Über­nach­tung nutzen. Das dach­ten wir uns auch und fuhren in Høyanger 4,2 km Serpen­ti­nen nach oben.

Dort ange­kom­men hatte man eine traum­haf­te Sicht auf das umlie­gen­de Berg­pan­ora­ma. Der Platz war, wie vermu­tet, verlas­sen und außer ein paar Arbei­tern konn­ten wir nieman­den sehen. Um uns ein wenig abzu­si­chern, habe ich mich bei den Herren erkun­digt, ob man hier für eine Nacht stehen blei­ben kann. Dieser mein­te, dass das auf jeden Fall geht und gar kein Problem ist.

Stell­platz gefun­den

Somit war der Stell­platz für die Nacht gefun­den und wir setz­ten uns ein wenig vor Fanti, um den Blick in die Weite zu genie­ßen. Was für eine Aussicht, einfach atem­be­rau­bend. Und nach­dem die Arbei­ter kurz nach unse­rer Ankunft weg waren, war auch nichts und niemand mehr zu hören. Dies blieb den rest­li­chen Abend so, nur ab und an kam mal ein Auto des Weges, da die Stra­ße noch weiter nach oben führ­te.

Unru­hi­ge Nacht in Høyanger’s Skige­biet

Wir entschie­den uns so gegen 22.30 Uhr so lang­sam ins Bett zu gehen, da wir doch schon rela­tiv müde waren. Ich kann mich noch genau erin­nern … kurz bevor ich ins Reich der Träu­me abge­taucht  wäre hörte ich plötz­lich laute Motor­ge­räu­sche. Im ersten Moment dach­te ich mir nichts dabei, doch als die Geräu­sche immer näher kamen, wurde ich wach und stut­zig. Plötz­lich hörte man quiet­schen­de Reifen und Stei­ne, die gegen unser Auto knall­ten.

Was war das?

Unser Hund bell­te sofort laut­stark los und wir beide sahen uns ungläu­big und verschla­fen an. Kurz darauf hörte man das Auto noch­mal den sandi­gen Boden entlang schlit­tern und wieder das laute Geräusch von Stei­nen, die gegen die Auto­sei­te prall­ten. Wir scho­ben unse­ren Vorhang ein klei­nes Stück auf die Seite und konn­ten einen dunkel­grü­nen Pick­up erken­nen, der direkt vor Fanti Krei­se dreh­te und damit den stei­ni­gen Sand­bo­den gegen unser Fahr­zeug schleu­der­te, immer und immer wieder. Dann blieb er kurz stehen und es stieg jemand aus und setz­te sich auf der ande­ren Seite der Stra­ße auf einen Anhän­ger. Und wieder legte der Pick­up los.

Norwegen Parkplatz Burnout Spuren

So lang­sam bekam die Situa­ti­on etwas bedroh­li­ches und ein wenig Panik kam auf, vor allen Dingen bei mir. Wer macht sowas und warum? Und was erwar­tet uns noch, denn es hörte ja nicht auf.

Was tun?

Stefan entschied sich raus zu gehen und sprang aus dem Bett, um sich anzu­zie­hen. Schnell noch das Pfef­fer­spray in die Hosen­ta­sche und eine lange Eisen­stan­ge unter dem Bett hervor­ge­holt, die wir für das Lösen der Radmut­tern dabei haben. Bis zu diesem Zeit­punkt wuss­ten wir weder wer in diesem Auto sitzt, noch was das eigent­lich soll.
So stieg Stefan aus dem Auto, lehn­te die Eisen­stan­ge ans Fahr­zeug und trat hinter unse­rem Hauber hervor. In diesem Moment sah er, dass in dem Pick­up kein Kerl saß, wie eigent­lich erwar­tet, sondern ein junges Mädel. Diese hat ihn auch bemerkt und fuhr zu dem Anhän­ger, an dem sie wohl eine Freun­din abge­setzt hatte, die das Gesche­hen munter film­te. Schnell war auch sie ins Auto gesprun­gen und der Pick­up raste davon.

Was für ein Schre­cken

Stefan blieb noch kurze Zeit drau­ßen stehen, um sicher­zu­stel­len, dass sie nicht kehrt mach­ten und wieder kamen. Doch dem war nicht so. Wir konn­ten uns eini­ger­ma­ßen schnell wieder beru­hi­gen und entschie­den uns weiter­zu­schla­fen. Doch gera­de als wir wieder am Einschla­fen waren, hörte man wieder ein lautes Moto­ren­ge­räusch und der Pick­up fuhr noch­mal an unse­rem Fahr­zeug vorbei, wenn auch mit ein wenig mehr Abstand als zuvor. Wieder schlu­gen ein paar Stei­ne ein und dann raste er talwärts davon.

Wir hatten beide ein total mulmi­ges Gefühl und über­leg­ten, ob wir blei­ben oder fahren soll­ten. Wir haben uns dann jedoch entschie­den zu blei­ben, da wir davon ausgin­gen, dass der Pick­up nicht wieder kommen würde.

Was ist das hier?

Kurze Zeit später kam nicht der Pick­up, sondern ein weißer Volvo ange­fah­ren und park­te auf der ande­ren Seite der Stra­ße. Den Motor ließ er laufen und wir schau­ten vom Auto aus zu, was er da macht. Er blieb dort einfach für ein paar Minu­ten stehen und fuhr dann wieder weg. Was ist das hier für ein Ort bzw. was sind das für Leute? Ich hatte alle Mühe nicht in Panik zu verfal­len und konn­te mich auch nur noch schwer beru­hi­gen.
Doch das brauch­te ich auch nicht, denn weni­ge Minu­ten später hörten wir wieder heulen­de Moto­ren­ge­räu­sche, Musik und laute Stim­men. Dies­mal war es ein dunk­ler Golf der knapp neben uns stehen blieb, um dann kurz darauf wieder zu verschwin­den.

Jetzt reichts!

Das war uns dann genug, wir entschie­den uns, dass wir fahren. Anschei­nend ist das hier oben ein Treff für Jugend­li­che, die Need for Speed auf der Stra­ße spie­len o.ä. So fuhren wir also mitten in der Nacht, um 00.15 Uhr, die Serpen­ti­nen nach unten und auf die Haupt­stra­ße. Dort fiel uns dann erst­mal auf, dass die Stra­ße, über eine Entfer­nung von 30 km, über­sät ist mit Brems­spu­ren und Spuren von Burn-Outs. Warum ist uns das nicht auf unse­rem Weg hier hin aufge­fal­len? Wahr­schein­lich waren wir so abge­lenkt von der schö­nen Kulis­se, dass wir darauf gar keinen Augen­merk gelegt haben.

Fazit

Zum Glück ging das Ganze ja gut aus und man soll­te nicht drüber nach­den­ken, was gewe­sen wäre, wenn es denje­ni­gen um mehr gegan­gen wäre, als nur uns einfach einen Schreck einzu­ja­gen bzw. uns zu ärgern. Aber in Zukunft gibt es eini­ge Dinge auf die wir sicher achten werden, wenn wir uns einen Platz für die Nacht suchen.

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Autor
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16 Kommentare

  • Ja, sowas erlebt man als “Frei­ste­her” schon­mal, aber in aller Regel sieht es bedroh­li­cher aus als es letzt­lich ist, jeden­falls solan­ge die Kids eini­ger­ma­ßen nüch­tern sind. Und Ihr habt ja im Moment den Vorteil, dass es prak­tisch nie dunkel wird 😉
    Grüße
    Heinz

    • Im Nach­hin­ein sieht man das auch mit ande­ren Augen bzw. empfin­det es nicht mehr als so ganz bedroh­lich. Aber in dem Moment war es anders … 🙂 Ja, obwohl das auch nicht vor sowas schützt 😀

  • Hi, leider muss­ten wir ähnli­che Erfah­run­gen in Austra­li­en und Tasma­ni­en erle­ben. Die Back­pa­cker Camper wurden mit Stei­nen, Eiern und sons­ti­gem Zeug bewor­fen. Wir wurden oft Nachts durch lautes Moto­ren­ge­räusch geweckt und meis­tens stand einfach ein Auto vor dem Camper, gab mehr­mals laut Gas, dreh­te dann paar Runden und leuch­te­te mit Fern­licht auf und ab. Es ist nie was passiert, aber in solchen Situa­tio­nen hat man ja keine Ahnung, ob es nicht irgend­wel­che Verrück­te sind und was die Vorha­ben. Wir hatten immer eine Metall­stan­ge zur Hand, die zur Abschre­ckung dien­te ;-). .… Am besten einfach weiter reisen und genie­ßen. 😉

    • Ja, man weiß leider nie wer in dem Fahr­zeug sitzt und was die Inten­ti­on solcher Aktio­nen ist. 🙂 Ja irgend­was Abschre­cken­des soll­te man zur Not viel­leicht dabei haben 🙂

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