Unser Old­ti­mer LKW die beste Ent­schei­dung

Oldtimer Lkw, Kurzhauber, Mercedes 911, Wohnmobil

Einen Old­ti­mer LKW hatten wir bei der Suche nach unse­rem Wohn­mo­bil über­haupt nicht auf dem Schirm. Wir dach­ten anfangs eher an ein kon­ven­tio­nel­les Fahr­zeug. Was dann zu der Ent­schei­dung für einen Kurz­hau­ber geführt hat, erfährst du hier.

Kri­te­ri­en für unser Wohn­mo­bil

Bei der Suche nach unse­rem Wohn­mo­bil haben wir uns erst­mal hin­ge­setzt und über­legt, was unser neues Zuhau­se für uns unbe­dingt haben muss und worauf wir nicht ver­zich­ten wollen.

  • eine sepe­ra­te Dusche

Dies war für uns wich­tig, um nicht bei jedem duschen das ganze Bad unter Wasser zu setzen. Da wir gerne haupt­säch­lich frei stehen wollen und nicht auf Cam­ping­plät­zen ist eine Dusche für uns ein­fach unver­zicht­bar.

  • ein Fest­bett

Wir haben uns viele Alko­ven-Model­le ange­se­hen und für uns ziem­lich schnell ent­schie­den, dass das stän­di­ge Krab­beln und Klet­tern in den Alko­ven einem sicher irgend­wann mal auf die Nerven geht, wes­halb es für uns unbe­dingt ein Fest­bett sein sollte.

  • Türen im Fah­rer­haus

Viele Wohn­mo­bi­le haben keine sepa­ra­ten Türen im Fah­rer­haus, son­dern man kann nur über die Tür im Aufbau ein- und aus­stei­gen. Gerade wenn man tanken muss oder man ein­fach nur mal kurz irgend­wo stehen bleibt, um mit dem Hund spa­zie­ren zu gehen, war das für uns ein echter Nach­teil, wes­halb Türen im Fah­rer­haus zum “Must Have” wurden.

  • Mini­ma­lis­mus

Wir woll­ten kein Wohn­mo­bil das von außen danach aus­sieht, als hätte man Unmen­gen an Geld dabei oder zumin­dest mal jede Menge Geld dafür aus­ge­ge­ben. Wir wollen nicht allein durch die Optik unse­res neuen Heims den Ein­druck erwe­cken, als gebe es bei uns was zu holen. Außer­dem waren viele Wohn­mo­bi­le mit furcht­bar viel Dingen, wie Glas­vi­tri­nen o.ä., aus­ge­stat­tet, die wir ein­fach nicht benö­ti­gen. Wir wollen weg von unnö­ti­gem “Bling Bling” und das sollte auch bei der Ent­schei­dung, die letzt­end­lich ein Old­ti­mer LKW wurden, ein Kri­te­ri­um sein.

  • Platz

Die nor­ma­len Wohn­mo­bi­le die wir uns ange­se­hen haben, die innen spar­ta­ni­scher aus­ge­stat­tet waren hatten fast alle­samt ein Pro­blem … der Durch­gang bzw. der Platz selbst. Da auch unsere Emily einen Platz braucht hatten wir oft das Pro­blem, dass der Mit­tel­teil so schmal war, dass man zwar ohne Hund gut durch­ge­hen hätte können, doch außer direkt an der Tür für Emily kein Plätz­chen zu finden war.

  • Gelän­de­gän­gig­keit

Der für uns fast wich­tigs­te Punkt, der dann letzt­end­lich auch zu unse­rer Ent­schei­dung maß­geb­lich bei­getra­gen hat, ist die Gelän­de­gän­gig­keit des Fahr­zeugs. Wir wollen ja kaum Cam­ping- oder Stell­plät­ze anfah­ren, son­dern da stehen blei­ben wo es uns gefällt. Dies ist oft­mals abseits von befes­tig­ten Stra­ßen, wo ein hin­kom­men mit einem nor­ma­len Wohn­mo­bil wegen feh­len­der Boden­frei­heit nahezu unmög­lich ist.

  • keine Elek­tro­nik

Ein ganz wich­ti­ges Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um für uns ist, dass es keine große Elek­tro­nik geben darf. Wir wollen alles selber repa­rie­ren können und nicht erst eine Werk­statt anfah­ren müssen, die uns dann die Fehler aus­liest und wir somit kei­ner­lei Mög­lich­keit haben, uns selbst zu helfen.

Liebe auf den ersten Blick

Oldtimer Lkw, Kurzhauber, Mercedes 911, Wohnmobil

Bei unse­ren langen Recher­chen im Inter­net zu sog. Expe­di­ti­ons­mo­bi­len sind wir auf Fans von alten Mer­ce­des gesto­ßen. Leute, die alte 7,5 Tonner kaufen, diese innen aus­bau­en, um dann darin zu leben oder damit unter­wegs zu sein. Ganz am Anfang fanden wir das fast ein wenig befremd­lich. Doch je länger wir uns mit dieser Art von Fahr­zeug aus­ein­an­der gesetzt haben, desto mehr wuchs die Neu­gier. Keiner von uns hat je inen Old­ti­mer LKW  gefah­ren. Ich für meinen Teil habe sowas auch noch nie live gese­hen. Stefan kennt diese Fahr­zeu­ge noch aus seiner Kind­heit, wes­halb es für ihn nicht so befremd­lich war, wie für mich. Also wurde alles mög­li­che an Infor­ma­tio­nen gesam­melt und in uns wuchs die Ent­schei­dung, dass wir uns so einen unbe­dingt mal anse­hen woll­ten.

Zu unse­rem großen Glück stand genau so ein Old­ti­mer LKW, eine knappe Fahr­stun­de ent­fernt, zum Ver­kauf. Wir ent­schie­den uns dann also uns dieses Gefährt einmal anzu­se­hen, um fest­zu­stel­len, ob das was für uns ist.

Besich­ti­gungs­ter­min

Gesagt, getan. Wir haben einen Termin ver­ein­bart und uns an einem Sams­tag mit dem Besit­zer der Werk­statt getrof­fen, bei dem der “alte Herr”  stand. Von weitem sahen wir ihn schon stehen und je näher wir kamen, desto mehr fingen wir beide an zu grin­sen. Als wir aus unse­rem Auto aus­ge­stie­gen sind waren wir erst­mal extrem beein­druckt. Was für ein rie­si­ger LKW. Man fühlte sich sofort 50 Jahre zurück ver­setzt und es kam ein Gefühl in einem hoch, was man bei keinem der ande­ren besich­tig­ten Wohn­mo­bi­le hatte. Eine Mischung aus vor­sich­ti­ger Begeis­te­rung und extre­men beein­druckt sein.

Genau das glei­che Gefühl über­kam auch meine Schwes­ter und meinem Schwa­ger, die uns bei der Besich­ti­gung des Mer­ce­des beglei­tet haben. Als dann Alex von der Werk­statt kam waren wir sehr neu­gie­rig was er uns wohl über diesen Old­ti­mer zu erzäh­len hat. Er hat uns sehr ehr­lich über die Arbei­ten, die noch zu machen sind, auf­ge­klärt und auch welche Vor- und Nach­tei­le so ein Wohn­mo­bil mit sich bringt. Alles in allem dau­er­te allein diese Auf­klä­rung knapp 2 Stun­den, bis wir end­lich mal ein­stei­gen und los­fah­ren konn­ten. Nach­dem ich nur die Füh­rer­schein­klas­se B habe, darf ich den 7,49 Tonnen leider nicht bewe­gen. Also bleibt das Fahren bei Stefan hängen.

Die Pro­be­fahrt mit dem Kurz­hau­ber

Also stie­gen wir ins Fah­rer­haus ein und muss­ten erst­mal beide lachen. Ein Fahr­zeug aus einer ande­ren Zeit, zu der wir beide noch nicht auf dieser Welt weil­ten. Und doch fühl­ten wir uns gleich wohl. Die erste Runde war jedoch nicht so, wie wir uns das vor­ge­stellt haben. Es bedarf ein biss­chen Ein­ge­wöh­nung, um sich mit so einem Riesen mit dieser alten Tech­nik ver­traut zu machen. Nach­dem wir dann mit­ge­teilt beka­men, dass der erste Gang nicht zum Anfah­ren gedacht ist, son­dern man im zwei­ten Gang los fährt ging das Ganze schon runder. Wir fuhren auf die Auto­bahn und es fing an im Bauch zu krib­beln. Was für ein geiles Gefühl. Wir reden immer von Ent­schleu­ni­gung und genau das ist es, wie man sich in diesem Fahr­zeug fühlt … ent­schleu­nigt.

Oldtimer Lkw, Kurzhauber, Mercedes 911, Wohnmobil

Wir nehmen den Old­ti­mer

Wir haben an diesem Abend noch keine Ent­schei­dung getrof­fen, son­dern fuhren mit diesem Gefühl nach Hause. Wir haben bis tief in die Nacht über unsere Ein­drü­cke gespro­chen und ver­sucht das Erleb­te zu ver­ar­bei­ten. Eine Nacht geschla­fen war das Gefühl am nächs­ten Tag immer noch da und wir über­leg­ten schon, wie wir das Innen ver­än­dern woll­ten und was noch gemacht werden müsste. Es ist natür­lich nicht so, wie ein nor­ma­les Wohn­mo­bil, das man kauft und dann nur noch ganz mini­mal auf die eige­nen Bedürf­nis­se zuschnei­det.

Die schnel­le Ent­schei­dung

Nach ein paar Tagen war die Ent­schei­dung dann gefal­len. Wir sind beide ver­liebt und das sollte unser “Fanti” werden. Mit dem ange­ge­be­nen Preis waren wir noch nicht so ganz ein­ver­stan­den, in Anbe­tracht der Tat­sa­che, was noch gemacht werden musste. Somit waren die nächs­ten 2 Wochen dann Wochen, in denen wir fest­stel­len muss­ten, dass Geduld nicht gerade eines unse­rer Stär­ken ist. Wir haben mit dem Besit­zer ver­han­delt und uns schließ­lich auf einen Preis eini­gen können, der für beide Par­tei­en zufrie­den­stel­lend war. Alex, von der Werk­statt, bot uns dann noch an vorne eine neue Sitz­bank ein­zu­bau­en, da die aktu­ell ein­ge­bau­te nicht mehr zu gebrau­chen war. Also hieß es für uns wieder warten, bevor wir unser Wohn­mo­bil dann end­lich abho­len konn­ten.

Unser Wohn­mo­bil ist end­lich da

Und da steht er nun, unser Old­ti­mer LKW, auch Kurz­hau­ber oder Rund­hau­ber genannt, aus dem Jahr 1966. Er hat keine Ser­vo­len­kung, aber ganz ein­fa­che und bewähr­te Tech­nik.  Somit kann man alles selber repa­rie­ren, da es kaum Elek­trik gibt.
So nun heißt es ran­klot­zen … es ist noch eini­ges am Kurz­hau­ber zu machen, was wir aber gerne tun. Was gibt es schö­ne­res als sich sein Wohn­mo­bil genau so her­zu­rich­ten, wie man es sich vor­ge­stellt hat und es somit zu einem ganz per­sön­li­chen, ein­zig­ar­ti­gen Pro­jekt wird.

Tech­ni­sche Daten

Gewicht: 7,49 t
Leis­tung: 130 PS, 6 Zylin­der
Hub­raum: 5,7 l
Höhe: 3,25 m
Länge: 7,12 m
Breite: 2,40 m
zuschalt­ba­rer Allrad mit Unter­set­zung

Was­ser­tank:
150 l
Die­sel­tank: 200 l
Solar­an­la­ge: 300 WP
Bord­bat­te­rie: 240 Ah AGM-Bat­te­rie

UPDATE

Nach­dem wir unse­ren Old­ti­mer LKW bekom­men haben durfte er in eine Halle ein­zie­hen. Dort haben wir ein halbes Jahr lang fast jeden Tag an ihm geschraubt und ihn auf­ge­hübscht. Du willst wissen, wie er nun nach der Restau­ra­ti­on aus­sieht? Dann emp­feh­len wir dir den Bei­trag über unse­ren Mer­ce­des 911 nach der Restau­rie­rung.

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11 Kommentare

  • Hey Jörg,
    ja, das sehen wir genau­so. Der macht wirk­lich eine tolle Figur, sogar im Sand und auf der Piste, wirk­lich ein klasse Teil 🙂
    Danke und viele Grüße an dich

  • Hallo Ihr Zwei,

    Ihr habt eine gute Ent­schei­dung getrof­fen.
    Fahre selber seit vielen Jahren Einen.
    Schö­ner Bericht.

    Alles Gute auf der Stras­se

    Grüsse Jörg

  • Hallo Bärbel,
    noch ist der Stand der Dinge das Stefan fahren darf/muss. Mal sehen, ob wir uns noch ent­schei­den, dass ich noch den ent­spre­chen­den Schein mache 😀
    Ein neu­mo­di­sches Mobil hätte auch nicht wirk­lich zu uns gepasst. Es soll ja mini­ma­lis­tisch sein und ein­fach zu repa­rie­ren. Bei den neu­mo­di­schen Wohn­mo­bi­len brauch ich ja erst­mal jemand der den Feh­ler­spei­cher aus­liest. Und das hier ist ein­fa­che, alte Tech­nik und da Stefan mal Kfz-ler gelernt hat kann er das dann ohne Pro­ble­me selber machen 🙂
    Danke für deinen lieben Kommi und freut uns, dass dir unser Pro­jekt gefällt 🙂

  • Hallo, seid gegrüßt,
    ich komme auch von den Ü30 Blog­gern her­über und möchte mehr über das Pro­jekt lesen. Macht Robby noch den pas­sen­den Füh­rer­schein oder bleibt wirk­lich die ganze Fah­re­rei an Dir hängen? Das Gefährt mit dem roten Stern gefällt mir extrem gut. Ein neu­mo­di­sches WoMo kann sich jeder kaufen, wenn er will, diesen Oldie und Eure Umbau­ten finde ich gerade span­nend bei so einer Tour.
    LIEBE GRÜSSE, ich werde Euch folgen!
    Bärbel

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