Rallye der Wahnsin­nigen von Mhamid nach Foum Zguid

Erg Chegaga mit und ohne Allrad

Wir kennen die Route durch Erg Chegaga bereits von unserer Tour 2017. Doch diesmal soll alles anders werden. Zwei Fahrzeuge mit und zwei ohne Allrad – ob das gut geht? Ihr werdet es erfahren.

Die Start­auf­stellung der Wahnsin­nigen

Leider konnten vorherige Fahrleis­tungen nur bedingt in die Start­auf­stellung mit einfließen. Die Rennleitung konnte aufgrund der unter­schied­lichen Fahrzeuge nur am Gesamtbild von Mensch und Maschine die ideale Reihen­folge für diese Fahrt ins Ungewisse ermitteln.

Startaufstellung Rallye

Etwaige Höchst­ge­schwin­dig­keiten abseits unbefes­tiger Straßen haben hier nur einen kosme­ti­schen Effekt. Auch die reine Gewichts­klasse ist nicht aussa­ge­kräftig genug, um über die einzelnen Start­plätze zu entscheiden. In folgender Reihen­folge gehen die Teilnehmer ins Rennen.

Vario Crew auf der Pole Position

Auf der Pole Position befindet sich die Crew Vario. Dank seiner langjäh­rigen Erfahrung auf diversen Feldwegen, Pisten und Stausee­an­fahrten in Europa und der damit einher­ge­henden Kenntnis des eigenen Fahrzeugs, war der erste Platz schnell vergeben. Auch die Erfahrung auf der „14 Kilometer-Portugal-Wellblech-Todes­strecke“ tragen zu dieser Platzierung bei.

Der lange Überhang und das Kampf­ge­wicht von 7,5 Tonnen dürften an so mancher Fluss­durch­fahrt und Senke als guter Indikator für die folgenden Fahrzeuge gelten. Aufgrund der stein­fres­senden Doppel­be­reifung, welche unter ständiger Beobachtung der Rennleitung stehen musste, konnte Tanja und Andre diese Platzierung fast niemand mehr streitig machen. Ihr bekanntes Händchen für schöne Freisteh­plätze rundet das Ganze ab, und bringt sie mit großer Führung auf den Start­platz Eins.

Und wenn sie sich verharzen, können wir sie einfach rückwärts wieder rausziehen.

Team Vario

Crew Bremer auf dem zweiten Start­platz

Dicht gefolgt, auf Start­platz Nummer Zwei, landet die Crew Bremer. Dank guter Ausstattung wie stabilen Abschlepp­haken, geringem Gewicht, einer Sperre und größerer Boden­freiheit reicht es nur für Start­platz Zwei. Leider konnte auch der „leistungs­starke Benzin­motor“, welcher durch ein Automa­tik­ge­triebe für den nötigen Vortrieb sorgt, nicht davon überzeugen auf dem vordersten Platz zu starten. Der fehlende Überhang und die in Marokko bekannte Tauglichkeit als Wüstentaxi lassen ein gutes Voran­kommen erahnen.

Und wenn sie sich verharzt, können wir sie einfach rückwärts rausziehen.

Team Bremer

Safety Car #2 auf Start­platz Nummer Drei

Auf Start­platz Nummer Drei wird im weiteren Verlauf der Strecke die Crew rumgurken.jetzt zur Rallye stoßen. Annette und Benedikt sind ebenfalls mit ihrem Kurzhauber auf Tour und haben gehört, dass wir zwischen Mhamid und Foum Zguid unterwegs sind. Auch wenn ursprünglich nicht geplant, werden wir im weiteren Verlauf also mit einem zweiten Safety Car unterwegs sein. Als ausge­wach­sener Allrad Lkw kann er natürlich nicht auf den vorderen buddel­in­ten­si­veren Plätzen einsteigen, auch wenn sie nach eigenen Angaben noch wenig Sander­fahrung haben.

Und wenn sie sich verharzen, muss nur noch etwas mehr Luft aus den Reifen.

Team Rumgurken

Safety Car und Rennleitung hat alles im Blick

Die Rennleitung nimmt auf Platz Vier alles in Augen­schein. Wir werden aus sicherer Entfernung den Fahrbe­trieb überwachen. Außerdem sind wir für die grobe Strecken­planung zuständig und alle Teilnehmer wurden von uns mit dem passenden GPX-Track ausge­stattet. Die eigent­liche Wegführung liegt aber bei den Rallye­teil­nehmern selbst. Auch wenn wir bis dato nur die Haupt­piste nahe der Dünen selbst befahren haben, sind wir guter Dinge, die Piste ein Stück weit im Team meistern zu können.

Und wenn wir uns verharzen… naja.. hoffen wir mal nicht. 😀

Safety Car

Renntag #1: Warm werden

  • Start­punkt: 29.874100, -5.694717
  • Zielpunkt: 29.868537, -5.832690
  • Strecken­länge: 18,2 km
  • Schwie­rig­keitsgrad: einfach (Milch bleibt Milch)

Nach einem kurzen Briefing setzt sich das Team Vario in Bewegung. Die Anweisung der Rennleitung lautet: „Such mal nen guten Weg zur Haupt­piste“. Dank der vielen Camps, gibt es fast in jede Richtung gute Tracks, welche das Voran­kommen begüns­tigen. Die ersten Pisten­ki­lo­meter und die erste Fluss­durch­fahrt mit feinem Sand wird von allen Teilnehmern ohne Zwischen­fälle bewältigt.

Marokko, Erg Chegaga Tour 2019: Mit und ohne Allrad von M'hamid nach Foum Zguid

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Was passiert da? Das Team Vario verlässt die Piste wegen eines vermeintlich vielver­spre­chenden Stell­platzes. Die dort hinfüh­rende Neben­piste wird gegen immer weicher werdenden Unter­grund getauscht. Gerade noch können sie sich aus eigener Kraft befreien und kehren zurück, wo das Team Bremer und das Safety Car warten. Leider befindet sich auch direkt vor uns ein Weich­s­andfeld. Jetzt geht alles blitz­schnell. Das Team Vario steuert auf das Weich­s­andfeld zu und gibt alles. Auf den letzten Metern reicht die Kraft nicht aus und der Vario steckt.

Auch Debbi vom Team Bremer versucht diese heikle Passage zu überwinden und bleibt schon nach wenigen Metern im weichen Sand stecken. Grund war die Strecken­blo­ckierung durch den voraus­fah­renden Teilnehmer. Somit wird zum ersten Mal die gelbe Flagge geschwenkt und das Safety-Car packt das Bergeseil aus. Der Bremer ist schnell befreit und hat wieder festen Boden unter den Reifen.

Team Bremer steckt

Inzwi­schen konnte sich das Vario-Team mithilfe von Sandblechen und ordentlich Buddeln wieder auf festen Unter­grund bringen. Die Zuhil­fe­nahme eines Einhei­mi­schen muss von der Wertung leider abgezogen werden.

Team Vario steckt

Für heute reicht es den Teilnehmern und wir steuern eine kleine Dünen­land­schaft in kurzer Entfernung an. Die erste Etappe ist geschafft. Belohnt werden wir mit einem wunder­vollen Ausblick inmitten von Sanddünen.

Sanddünen wildcampen

Dünensand

Renntag 2: Wir brauchen mehr Safety Cars

  • Start­punkt: 29.868537, -5.832690
  • Zielpunkt: 29.868921, -6.009775
  • Strecken­länge: 18,4 Km
  • Schwie­rig­keitsgrad: einfach (Milch könnte sich in Sahne verwandeln)

Frisch gestärkt beginnt der zweite Renntag mit einem kleinen Ausflug über weichen Boden. Das Team Vario kündigt bereits mehrere weiche Sandpas­sagen an. Irgendwie hat sich die Start­auf­stellung geändert. Das Team Bremer hat sich hinter dem Safety-Car einge­funden. Als ob wir alle den Braten gerochen hätten, hängt der Bremer bereits nach den ersten Metern in den Spuren des dicklichen, gelben Lasters. Erneut wird nach Schwenken der gelben Fahne der Bremer vom Kurzhauber durch den Sand gezogen.

Bremer ziehen

Zeit für den ersten Boxen­stopp.

Schild Wüste

Debbi füllt ihre Wasser­vorräte auf und die Rennleitung packt noch welches für den Hund ein.

Wasser auffüllen

Am Ende finden wir wieder etwas Wilde Rauke für’s Abend­essen. Jackson weiß die Mitnahme der grünen saftigen Blätter aber zu verhindern und hebt sein Bein schneller, als wir reagieren können.

Wilde Rauke

Im Übrigen ist der Brunnen mit Solar­anlage und unter­ir­di­scher Pumpe ausge­stattet.

Solaranlage Wüste

Wir ziehen es aber vor das Wasser auf die herkömm­liche Art aus dem Brunnen zu ziehen. Wir? Ok, die weiblichen Besat­zungs­mit­gliedern. Die Männer machen lieber Fotos.

Wasser auffüllen, Brunnen

Erstes schwer­wie­gendes Materi­al­ver­sagen

Die Rennleitung macht einen Fahrerwechsel. Robby übernimmt das Steuer und fährt uns sicher über die immer welliger und steiniger werdende Piste. Mit dem Lenkrad in der Hand fühlt sich das Ganze schon etwas angenehmer an.

Steinpiste

Meine Güte wird man auf den „billigen Plätzen“ durch­ge­schüttelt.

Aber dann passiert es. Das Safety-Car bleibt mit einem „schwer­wie­genden Defekt“ im Wadi liegen. Robby ruft mir zu: „Der Hebel für die Allrad­zu­schaltung ist weg!“

Safety Car bleibt liegen

Ich wusste sofort, was passiert war. Der eher an ein Rührwerk anmutende Hebel hat sich dank eines verlo­renen Siche­rungs­rings von der Umlenkung gelöst und liegt jetzt ohne Funktion am Boden des Fahrer­hauses. Ich lege also unter dem Auto liegend den Allrad ein und Robby bringt uns aus dem Wadi.

Kurzhauber reparieren

Kleines Zwischen­training

Während ich unter extremem Sandein­fluss den Hebel mit einem neuen Siche­rungsring befestige, gibt es beim Team Bremer noch ein kleines Zwischen­training.

Sandeinfluss

Bei der Anfahrt zum endgül­tigen Schlaf­platz gibt es noch eine Runde Weichsand und „Debbis Bus“ steckt fest. Andre sorgt aber für schnelle Hilfe.

Vario zieht Bremer

Ankunft des zweiten Safety-Cars

Just in diesem Augen­blick hören wir aus der Ferne ein für uns durchaus bekannt klingendes Motoren­ge­räusch.

Annette und Benedikt

Annette und Benedikt stoßen mit ihrem Kurzhauber zu uns und vervoll­stän­digen unsere kleine Karawane.

Die zwei Hauber sehen neben­ein­ander schon echt hübsch aus oder?

Kurzhauber

Am Abend gibt es wieder ein wärmendes Lagefeuer, denn die Wüsten­nächte sind wirklich sehr kalt.

Renntag 3: Weichsand – die Königs­dis­ziplin

  • Start­punkt: 29.868921, -6.009775
  • Zielpunkt: 29.848650, -6.208750
  • Strecken­länge: 24,8 Km
  • Schwie­rig­keitsgrad: je nach Fahrzeug einfach – unmöglich (Gefahr, dass Milch zu Sahne wird)

Der Renntag Drei beginnt für das zweite Safety-Car mit einer Reduzierung des Luftdrucks. Mit sieben Bar ist es auf der welligen Stein­piste allmählich etwas zu ungemütlich. Nicht angenehm schien auch der Schwanz­verband bei Jackson, dem Hund aus dem Team Bremer, zu sein. Über Nacht hatte er sich seines Verbandes entledigt und musste neu verarztet werden. Die Bereit­wil­ligkeit des Patienten war aller­dings eher als desaströs zu bezeichnen, was das Anlegen eines Maulkorbs der Firma „Basker­ville“ vonnöten machte. Toller Name für einen Maulkorb.

Schräglagen

Somit starten wir etwas verspätet und beachten heute wieder die Start­auf­stellung. Unser erstes Ziel ist nach einigen steinigen Pisten­ki­lo­metern und diversen Schräg­lagen ohne weitere Zwischen­fälle erreicht.

Oueddurchfahrt

Boxenstop an der Oase Sacree

Um den hier abgebil­deten Landrover ranken sich einige Geschichten.

Landrover Wrack Oase Sacree

Nach unseren Infor­ma­tionen handelt es sich um ein von algeri­schen Terro­risten gefah­renes Fahrzeug, welches vor Jahrzehnten mit Waffen­gewalt vom marok­ka­ni­schen Militär gestoppt wurde. Ob die Geschichte wahr ist, können wir nicht prüfen. Im Kühler sind aber ein paar Löcher zu sehen, die durchaus von Schuss­waffen stammen könnten.

Marokko Wüste Wrack Landrover

Nicht weniger sehenswert ist die Oase an für sich mit ihrer heiligen Quelle.

Oase Sacree

Jetzt gehts in den Sandkasten

Wir verlassen die Oase und fahren über steinige Hügel in Richtung Erg Chegaga. Auffla­ckerndes Internet lässt uns einen weiteren, kurzen Boxen­stopp einlegen. In der Ferne sieht man bereits die Weitläu­figkeit der größten zusam­men­hän­genden Sandwüste Marokkos.

Erg Chegaga

Alles wird insgesamt sandiger und die Rüttelei hat erst mal ein Ende gefunden. Inmitten eines riesigen Feldes wilder Rauke wird das Rennen erneut für einen Fotostopp unter­brochen.

Boxenstopp

Neben dem grünen Teppich sind die Dromedare ein weiteres Highlight. Auch wenn sie uns nicht mehr viel vom grünen Salat übrig gelassen haben.

Dromedar Erg Chegaga

Im weiteren Strecken­verlauf setzt sich das Team Vario etwas ab und folgt der Haupt­piste in Richtung große Düne. Dicht gefolgt vom Team Bremer, bei welchem schon leichte Ausbrüche der Hinter­achse durch die immer tiefer werdenden Sandfelder zu verzeichnen sind.

Auch der Vario fängt merklich zu kämpfen an und verweigert schlu­ßendlich jegliches Weiter­kommen an diesem Pisten­ab­schnitt. Das Team Bremer bleibt kurz hinter dem Vario im weichen Sand von Erg Chegaga stecken. Wir schwenken zum ersten Mal am heutigen Tag die gelbe Flagge.

Vario und Bremer stecken

Alter­na­tiv­route oder ein bisschen was geht noch

Wir verringern an unserem Bergungs­fahrzeug zunächst die Luft auf Weich­s­and­niveau. Auch Benedikt lässt noch einmal eine ordent­liche Portion Luft aus seinen Reifen. So sind wir gewappnet den gestran­deten Vario und festste­ckenden Bremer rückwärts auf festeren Boden zu ziehen.

Safety Car Kurzhauber

Unser Plan, eine Neben­piste, die aber laut der herum­ste­henden Einhei­mi­schen innerhalb kürzester Zeit kein Weiter­kommen mehr bietet.

Das grüne Safety-Car zieht Debbi erst zurück und dann über eine Abzweigung auf die neue Piste.

Team Bremer steckt, Chegaga

Anschließend ziehen wir Tanja und Andre zurück, die beim selbstän­digen Versuch die Abzweigung zu überwinden erneut stecken bleiben.

Auch hier eilen Annette und Benedikt zur Hilfe, um das Team Vario auf die Neben­piste zu karren.

Die Start­auf­stellung hat sich wieder geändert. Annette und Benedikt fahren vor und erkunden die Strecke, gefolgt vom Team Vario. Wir starten auf Platz Drei, gefolgt vom Team Bremer. Die Spannung steigt. Vor uns ein großer Sandhügel, welcher vom grünen Gurken-Safety-Car ohne Allrad überwunden wird. Der Vario folgt und schnaubt sich mit letzter Kraft über den Sandhügel. Wir folgen ebenfalls ohne große Mühe der Karawane.

Aber jetzt ist endgültig Schluss. Das Team Vario bleibt im tiefen Sand der Piste stecken. Debbi hängt noch hinter dem Hügel im weichen Sand. Wir beschließen alle einzu­sammeln, und uns links zwischen die Dünen in der Nähe eines Wüsten­camps zu stellen. Die weiblichen Besat­zungs­mit­glieder handeln noch den Preis fürs Abend­essen aus und wir beenden diesen Tag genau da wo alle hin wollten. Inmitten von Erg Chegaga vor den großen Dünen.

Abends gibt es Tajine, und Berber­musik am Lager­feuer.

Respekt an alle. Wir sind verdammt weit gekommen.

Renntag 4: „Hat die denn keiner gewarnt?“

  • Start­punkt: 29.848650, -6.208750
  • Zielpunkt: 29.908333, -6.207983
  • Strecken­länge: 24,9 Km
  • Schwie­rig­keitsgrad: anspruchsvoll (Milch wird sofort zu Sahne und anschließend zu Butter)

Nach zwei Tagen Erholung starten wir die vierte Etappe unserer kleinen Rallye. Wir müssen zurück zur Oase Sacree und der nördlichen Piste nach Foum Zguid folgen. Im Sand gibt es für uns kein Weiter­kommen, auch wenn wir um die Schönheit der Haupt­piste entlang der Dünen wissen.

fester Boden

Team Vario und Bremer werden an die Kurzhauber gehängt und zurück auf festen Boden gezogen. Anschließend folgen wir, der uns bekannten Piste, zurück zur Oase Sacree. Es gibt keinerlei Rennun­ter­bre­chungen und wir kommen zügig und ohne einen weiteren Stop auf der oberen Piste an.

Ein steiniger Weg

Wir folgen der Piste in Richtung Foum Zguid. Hier gibt es wirklich nur noch eines, Steine. Wir werden geschüttelt und gerührt bis wir an einer Fluss­durch­fahrt ankommen. Megas­teinig, megaschräg, mega Absätze, megasch…, jetzt ist guter Rat teuer. Weiter­fahren oder zurück?

Flussdurchfahrt

Für die Safety-Cars ist diese Durch­fahrt nichts, für die 4×2 Teilnehmer ohne Boden­freiheit hingegen ein echtes Hindernis. Wir halten erstmal an und beraten uns in aller Ruhe.

Im Rückspiegel sehen wir zwei Gelän­de­wagen anbrausen. Der Satz des Tages stammt vom Fahrer des Fahrzeugs mit ebenfalls Schweizer Nummern­schild:

„Hat DIE denn keiner gewarnt?“ 😀

keiner gewarnt

Die Rennleitung entscheidet hier nichts. Alleine das Team Bremer und Vario müssen sagen, ob es weiter­gehen soll oder nicht. Wir können natürlich Brücken bauen, mit Sandblechen aushelfen und dirigieren, aber was kommt danach? Was wenn noch schlimmere Durch­fahrten kommen?

Der Punkt ist erreicht, an dem die Entscheidung fällt: Wir drehen um.

Unver­hofft kommt oft

Die Fahrzeuge sind gewendet, da kommen drei Motor­rad­fahrer des Weges. Ein Bayer und zwei Litauer. In gutem Englisch erklären uns die Litauer, dass dies die wirklich einzig heikle Passage ist. Nach diesem Stein­bruch wird alles besser. Das lässt ja doch noch hoffen. Die steinige Piste hinter uns möchte schließlich auch niemand mehr fahren. Wir laufen erneut durch das Flussbett und inspi­zieren die Höhe der Steine. Es wird Geröll aus dem Weg geräumt und an anderen Stellen zur Überfahrt hingelegt.

Oued Durchfahrt

Es geht weiter

Das Team Vario entscheidet sich für die Weiter­fahrt. Benedikt und ich holen schon mal die Sandbleche von unseren Fahrzeugen und legen sie bereit. Andre begibt sich langsam auf Talfahrt und umfährt geschickt die erste heikle Stelle. Wir räumen Hinder­nisse aus dem Weg und helfen Andre bei der Umschiffung einiger Ölwan­nen­killer. Alles passiert wie automa­tisch und ehe wir uns versehen, hat das Team Vario das Hindernis überwunden.

Bevor das Team Bremer auf die Reise durch den Geröll­haufen geschickt wird, repariere ich noch kurz ein marok­ka­ni­sches Motorrad und erkläre den Fahrern, dass man Schrauben nicht mit der Gabel­seite öffnet. Nach 15 Minuten können auch diese beiden die Piste weiter fahren.

Motorrad reparieren
Bild von rumgurken.jetzt

Jetzt ist Debbi an der Reihe, das als Unter­stützung noch Tanja mit an Bord genommen hat. Sie folgen den Reifen­spuren des Vario ziemlich genau und kommt ebenso schadfrei auf der anderen Seite an.

Die Erleich­terung ist im ganzen Team zu spüren. Somit haben wir gemeinsam die nächste Hürde mit Bravour gemeistert. Zurück wollte wirklich niemand mehr.

Leider geht für die nächsten drei Kilometer das Steinfeld weiter und gibt wirklich alles, um möglichst keinen Fahrkomfort aufkommen zu lassen. Die Höchst­ge­schwin­digkeit in dieser Passage dürfte außerhalb des messbaren Bereichs liegen.

Da ist Sand am Ende des Tunnels

Tanja verkündet einen aussichts­reichen Platz am Rande der Sanddünen. In der Ferne können wir sie schon erkennen, benötigen aber noch eine Stunde, bis wir unser Ziel erreichen. Die Sonne steht schon ziemlich tief und dieser Tag wird allen in Erinnerung bleiben.

Wüstenplatz

Wieder endet der Tag beim Nomaden­fern­sehen am Lager­feuer, wie eigentlich jeden Abend.

Renntag 5: Das kann’s doch noch nicht gewesen sein

  • Start­punkt: 29.908333, -6.207983
  • Zielpunkt: 29.948467, -6.342317
  • Strecken­länge: 19,2 Km
  • Schwie­rig­keitsgrad: einfach – mittel­mäßig (Milch ist aus, aber die Eier sind heil geblieben)

Die Strecke beginnt leider wieder etwas steinig, aber im Vergleich zu gestern erwartet die Teilnehmer eine sehr entspannte Etappe. Lediglich der ein oder andere Stein muss aus der Zwillings­be­reifung des Varios gekratzt werden. Aber eine Kleinigkeit gibt es dann doch noch.

Wir haben wieder mal eine Oueddurch­fahrt, welche für den Überhang eine kleine Heraus­for­derung darstellen könnte. Fast schon routi­niert werfen alle Steine umher und bauen eine kleine Brücke.

Oueddurchfahrt Vario

Das war wirklich knapp. Jetzt weiß man, warum das Heck von Tanja und Andre abgeschrägt ist. Da hat der Böschungs­winkel wirklich nur um Haares­breite gereicht.

Der weitere Verlauf der Piste ist ziemlich unspek­ta­kulär, zumindest was den Rennbe­trieb angeht. Der nächste Stell­platz ist schon wieder in greif­barer Nähe und am Zipfel von Erg Chegaga. Es soll die letzte Nacht in den Dünen werden, bevor wir den Lac Iriki überqueren und das Zielstück bis Foum Zguid bewäl­tigen wollen.

Ein mal am Tag gibt’s dann doch die gelbe Flagge

Doch bevor wir unseren letzten Schlaf­platz erreichen gibt es noch ein bisschen Dünen­hopsen. Zuerst fährt das Team Vario über eine kleine Düne und bleibt stecken. Andre möchte es jetzt aber noch einmal wissen und lässt so viel Luft aus den Reifen wie geht. Für dieses kurze Stück ist es egal, ob die Zwillings­be­reifung anein­ander reibt. Der Vario fährt aus eigener Kraft los und überwindet noch zwei weiter kleine Sanddünen. Debbi probiert ihr Glück, bleibt aber ebenfalls stecken. Wir packen erneut unser Bergeseil aus und ziehe das Bremerteam über die Dünen.

Stockbrot, Hefeschnecken und Coca Cola

Dünenplatz

Am Abend gibt es wieder ein gemein­sames Lager­feuer. Robby kratzt unser letztes Mehl zusammen, sammelt noch welches von Tanja ein und macht Hefeteig für Stockbrot und ein paar Soßen zum Dippen. Annette und Benedikt sorgen für die Nachspeise mit Hefeschnecken aus dem Petromax.

Lagerfeuer, Stockbrot, Hefeschnecken
Bild: rumgurken.jetzt

Und der freund­liche Berber aus einer Auberge in der Nähe hat für uns ein paar Flaschen Coca Cola organi­siert.

Cola frei Haus
Bild: rumgurken.jetzt

Für knapp zwei Euro pro Flasche zwar ein echter Luxus, aber dafür wurden sie auch frei Haus in die Dünen geliefert.

Wir wissen, dass es jetzt geschafft ist. Die weitere Strecke wird zwar zum Ende steinig und rüttelig, aber auch für unsere 4×2 Fahrzeuge auf jeden Fall machbar.

Renntag 6: Wir geben nochmal alles

  • Start­punkt: 29.948467, -6.342317
  • Zielpunkt: 30.066250, -6.865967
  • Strecken­länge: 71,5 km
  • Schwie­rig­keitsgrad: einfach – äztend (Wir haben nichts mehr zu essen. Wird Zeit das wir hier raus kommen)

Heute liegt, von den Kilometern her gesehen, eine lange Strecke vor uns. Aber die Ebene nach Erg Chegaga vor dem Lac Iriki gleicht eher einer Autobahn, als einer wirklichen Piste.

Ein Mal ziehen geht noch …

Bevor es aller­dings zum letzten Abschnitt vor Foum Zguid geht, müssen wir aus dem Dünenfeld der letzten Nacht wieder raus. Ein letztes Mal benötigen sowohl Team Bremer, als auch Team Vario den Abschlepp­dienst, bevor es auf die „Autobahn“ geht.

Abschleppdienst Wüste
Bild: rumgurken.jetzt

So dürfen Annette und Benedikt zum letzten Mal als Safety-Car herhalten und ziehen „Debbis Bus“ durch die aller­letzte Weich­s­and­stelle.

abschleppen Team Vario

Ja, Debbi hat sich am meisten festge­fahren, ist aber mit ihrem Benzin­motor und dem schalt­freu­digen Automa­tik­ge­triebe ziemlich im Nachteil.

Erg Chegaga Tour 2019

Den Rest kann man vergessen. Ekelhafte Stein­piste, die man einfach nur hinter sich bringen möchte. Für uns aber eine tolle Gelegenheit noch jede Menge Fotoma­terial zu sammeln. Aufgrund eines Defekts unserer Siche­rungs­fest­platte haben wir nahezu alle Bilder von 2017 verloren. Mittler­weile sichern wir mehrfach und füllen nun unseren Bilder­ka­talog wieder ein wenig auf.

Das Gefühl, nach so langer Zeit wieder Asphalt unter den Füßen zu haben, unbezahlbar.

Teerstraße

Abschluss einer tollen Tour

Vor zwei Jahren lotste uns Philip, unser damaliger Tourbe­gleiter in’s Restaurant Chegaga. Dieses mal lotsen wir unser tolles Team dorthin. Wieder gab es Oliven und Brot als Vorspeise. Zum Hauptgang gegrillte Hühner­spieße und Köfte mit einer riesigen Portion Pommes, Reis und Salat. Bananen und Manda­rinen rundeten das leckere Mahl ab. So blieb niemand hungrig.

Die Nacht haben wir auf einem kleinen Camping­platz verbracht. Benedikt kratzte noch ein paar Holzreste aus seinem Laster zusammen und so klang die Tour an einem kleinen Lager­feuer aus.

Danke

Am Schluss bleibt uns nur noch ein Danke an das tolle Team. Erst durch euch wurde diese Tour zu einem Erlebnis, was wir so schnell nicht vergessen werden.

Hier findet ihr noch die Sicht­weise der anderen Rallye-Teilnehmer zur Tour – sofern vorhanden:

–> zum Bericht von Crosli
–> zum Bericht von Amumot

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2 Kommentare

  • … sehr schön geschrieben 👍 … als wär‘s gestern gewesen – hat uns ein wenig Erg Chegaga Sand inˋs heimische Wohnzimmer gebracht 🤗. Verrückt seid Ihr schon … aber warum sehe ich Euch auf keinem Bild mit der Schaufel in der Hand 🤔 … habt Ihr alle fotogra­fiert ? … 🤣😂 LG
    Susan & Ralf

    Wir sehen uns wieder … Inschallah

    • Meistens musste ein Fahrzeug rausge­zogen werden, während andere geschaufelt haben. 😀 Deswegen gibt es tatsächlich kein Schaufel-Bild 😀 😉 Sollten wir nachholen 😂 Viele liebe Grüße an euch. 🤗 Das will ich doch hoffen, dass wir uns wieder­sehen.

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