Wild­cam­pen für Anfän­ger: Tipps fürs Freistehen

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Was früher noch pro­blem­los mög­lich war, wird aktu­ell immer schwie­ri­ger, das Frei­ste­hen mit dem Wohn­mo­bil. Das liegt daran, dass sich viele nicht zu beneh­men wissen und den eigent­li­chen Grund­ge­dan­ken des Cam­pens in der Natur mit kos­ten­lo­sem Über­nach­ten an expo­nier­ten Stel­len ver­wech­seln. Wir möch­ten euch einer­seits ein paar Tipps mit an die Hand geben, was das Wild­cam­pen für Anfän­ger leich­ter macht und wie man gute Frei­steh­plät­ze erkennt. Ande­rer­seits wollen wir auch ein Bewusst­sein dafür schaf­fen, was geht und was nicht, damit wir auch in Zukunft nicht alle nur noch auf Cam­ping- oder Stell­plät­ze ver­bannt werden.

Der Traum vom Campen in der Natur

Cam­ping- und Stell­plät­ze sind nicht jeder­manns Ding und so möchte der ein oder andere am Morgen lieber allei­ne mitten in der Natur vom Vogel­ge­zwit­scher geweckt werden, als vom Cam­ping­platz-Nach­barn. Aller­dings wird das immer schwe­rer, da einige sich nicht zu beneh­men wissen, was in vielen Län­dern zu stren­ge­ren Geset­zen und stär­ke­ren Kon­trol­len mit teil­wei­se hohen Stra­fen führt. 

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Auch gehen viele davon aus, dass Plätze, die in den ein­schlä­gi­gen Frei­steh-Apps wie Park4Night & Co. ver­öf­fent­lich werden, auto­ma­tisch eine Erlaub­nis fürs Wild­cam­pen sind. Doch das ist nicht der Fall. 

Wir möch­ten in diesem Bei­trag nicht mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger sagen, was man darf und was nicht. Aller­dings wollen wir gerade Anfän­gern in Sachen Wild­cam­pen ein paar Tipps mit an die Hand geben, sodass viel­leicht auch der Camper der nach einem kommt, noch die Ruhe in der Natur genie­ßen kann. 

Rück­sicht­nah­me beim Wildcampen

Egal, wo man frei stehen möchte, eines kann man immer gene­rell sagen. Ver­setz dich in die Men­schen hinein, die dort wohnen oder in der nähe­ren Umge­bung leben. Würde es dich stören, wenn da jemand für eine Nacht mit seinem Wohn­mo­bil steht? Wür­dest du das für deine nähere Umge­bung wollen? Wenn du irgend­ei­ne dieser Fragen mit “Nein” beant­wor­ten kannst, dann such dir einen ande­ren Platz.

Wir können die vielen “Cam­ping Ver­bo­ten” Schil­der durch­aus nach­voll­zie­hen, wenn man sieht, wie sich an so man­cher Küste ein Wohn­mo­bil ans nächs­te reiht. Jeder hat Tische und Stühle drau­ßen, manch­mal hängt noch irgend­wo eine Wäsche­lei­ne und even­tu­ell raucht der Grill noch vor sich hin. Wenn sowas an seinem Lieb­lings­see zuhau­se der Fall wäre, hätte man sicher auch bald die Schnau­ze voll. Des­we­gen raten wir auf jeden Fall zur Rücksichtnahme.

Hin­weis: Beach­te auch immer die gel­ten­den Geset­ze. Infor­ma­tio­nen dazu fin­dest du in unse­rem Bei­trag zum Wild­cam­pen in Europa.

Wir halten es so, dass wir nur da unse­ren Tisch und unsere Stühle raus­stel­len, wo defi­ni­tiv klar ist, dass keiner vor­bei­kom­men wird (z.B. in der Wüste, irgend­wo mitten im Wald, o.ä.). Ansons­ten stel­len wir unser Wohn­mo­bil ab und nutzen den Platz wirk­lich nur zum Schlafen.

Woran erken­ne ich einen schlech­ten Platz zum Freistehen?

Es gibt einige Hin­wei­se, dass ein Platz unge­eig­net ist. Gerade, wenn man in einem frem­den Land oder einer frem­den Umge­bung mit dem Wohn­mo­bil unter­wegs ist, weiß man natür­lich nicht, ob manche Plätze als Treff­punkt für Jugend­li­che genutzt werden oder inwie­weit andere äußere Ein­flüs­se eine unan­ge­neh­me Nacht nach sich ziehen könn­ten. Hier haben wir ein paar Anzei­chen auf­ge­lis­tet, die defi­ni­tiv auf einen unge­eig­ne­ten Platz für die Nacht hin­wei­sen können.

  • Sau­ber­keit des Plat­zes
    Liegen auf dem Platz, den du dir aus­ge­sucht hast, viele Piz­za­kar­tons, Scher­ben, Schnaps­fla­schen und Ziga­ret­ten­kip­pen? Dann kannst du schon fast davon aus­ge­hen, dass sich dort Jugend­li­che oder andere Zeit­ge­nos­sen zum Feiern tref­fen und dieser Platz fre­quen­tiert wird.
  • Ein Blick in Müll­ei­mer, wenn vor­han­den
    Auch ein Blick in den even­tu­ell vor­han­de­nen Müll­ei­mer kann Auf­schluss geben. Fin­dest du auch dort leere Alko­holfla­schen und viel­leicht noch jede Menge “Fast-Food-Burger-Ketten-Müll”, dann kann das auch ein wei­te­res Indiz dafür sein, dass hier oft Leute unter­wegs sind. Wenn du in einem Müll­ei­mer nur Win­deln o.ä. fin­dest, dann ist das eher ein posi­ti­ves Indiz.
  • Spuren auf dem Parkplatz/dem Weg
    Gerade in Skan­di­na­vi­en sind oft Burn-Out Spuren zu sehen. Ein Park­platz, der voll von diesen Krei­sen ist, könnte auch ein schlech­ter Platz sein, wie wir selbst schon erfah­ren haben.
  • Ein Spa­zier­gang in der nähe­ren Umge­bung lohnt sich
    Wir gehen immer ein klei­nes biss­chen spa­zie­ren. Gerade in der nähe­ren Umge­bung des aus­ge­such­ten Plat­zes findet man oft Hin­wei­se darauf, ob er geeig­net ist oder nicht. Stehen dort irgend­wo Fahr­zeu­ge mit ein­ge­schla­ge­nen Schei­ben oder sind dort Brand­spu­ren an Sitz­bän­ken o.ä. ist es viel­leicht auch besser, einen ande­ren Platz zum über­nach­ten anzufahren.

Wo dich keiner erwar­tet, sucht dich keiner

Wir suchen uns als Schlaf­platz meist abge­le­ge­ne Orte. Das kann ein Wald­stück sein oder auch ein See, irgend­wo im Nir­gend­wo. Wer rennt schon in den Wald, um zu schau­en, ob dort nicht ein Wohn­mo­bil steht das man aus­rau­ben könnte? Im Nor­mal­fall pas­siert sowas auf Auto­bahn­rast­plät­zen oder in Städ­ten. Wo viele Men­schen unter­wegs sind, können sich auch viele Men­schen zu blöd­sin­ni­gen Taten ver­lei­ten lassen.

Tipp: Fahr lieber von der Auto­bahn ab und such dir etwas abge­le­gen einen Schlafplatz.

Wann sollte man mit dem Suchen anfangen?

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Tipp, such nach deinen Frei­steh­plät­zen, wenn es noch hell ist. Wir haben eine grobe Regel die besagt, um 15 Uhr fangen wir an nach einem Schlaf­platz zu suchen und um 16 Uhr wollen wir nach Mög­lich­keit fest irgend­wo stehen. Damit ver­mei­den wir, dass man in der Dun­kel­heit nach einem Platz zum Wild­cam­pen suchen muss. Gerade wenn es hell ist, tut man sich wesent­lich leich­ter einen guten Platz zu finden und auch die Umge­bung noch ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Wenn gar nichts geht, ist es manch­mal geschick­ter sich einen kos­ten­pflich­ti­gen Cam­ping- oder Wohn­mo­bil­stell­platz zu suchen. Am nächs­ten Tag hat man viel­leicht mehr Glück.

Wie finden wir unsere Frei­steh­plät­ze, wenn wir mit dem Wohn­mo­bil unter­wegs sind?

Es gibt unter­schied­li­che Vari­an­ten. Eine gute Hilfe ist Google Maps. Dort suchen wir, in der Satel­li­ten-Ein­stel­lung, ein­fach die Umge­bung nach freien Plät­zen ab. Oft findet man dann in einem Wald­stück eine kleine, lichte Stelle oder einen Wan­der­park­platz irgend­wo im Nir­gend­wo. Aller­dings hat diese Vari­an­te den Nach­teil, dass es sehr viel Daten­vo­lu­men kostet.

Tipp: Kos­ten­lo­se Wohn­mo­bil­stell­plät­ze sind eine gute Alter­na­ti­ve, wenn man ohne finan­zi­el­len Auf­wand irgend­wo über­nach­ten möchte.

Wer sich mit einer App behel­fen möchte, der wird bei­spiels­wei­se bei Park4Night fündig. Dort kann jeder einen geeig­ne­ten Platz für die Nacht inkl. Koor­di­na­ten hin­ter­le­gen. Oft­mals sind noch Fotos dabei und es gibt die Mög­lich­keit, Kom­men­ta­re zu hin­ter­las­sen. Wir haben diese App im Not­fall auch mal ver­wen­det und hatten dadurch wirk­lich schöne Schlaf­plät­ze und auch Ent­sor­gungs­sta­tio­nen für unsere Tro­cken­toi­let­te gefunden.

Das ein­zi­ge Manko, viele der Kom­men­ta­re und auch Platz­be­schrei­bun­gen sind auf Fran­zö­sisch. Wenn man aller­dings einen Über­set­zer auf seinem Handy hat, kann man die Kom­men­ta­re ein­fach über­set­zen lassen. Im Ide­al­fall kann man ein wenig Fran­zö­sisch, dann gehts auch ohne Über­set­zer. Oft­mals reicht es aber auch die Anzahl der Sterne anzu­schau­en, um zu wissen, ob der Platz zum Wild­cam­pen geeig­net ist oder nicht.

Ansons­ten halten wir beim Fahren ein­fach die Augen offen. Gerade wie jetzt, in Marok­ko, bietet sich auf unse­ren Off­road-Pisten ein geeig­ne­ter Frei­steh­platz nach dem ande­ren. Wenn man wie hier, im Nir­gend­wo unter­wegs ist, dann fällt es auch nicht schwer einen Platz zu finden.

Wenn du dich auf dein Gefühl ver­lässt kann fast nichts schief gehen

Wir hatten schon öfter die Situa­ti­on, dass wir an einem an für sich tollen Platz stan­den, aber unser Bauch­ge­fühl uns irgend­wie ver­mit­telt hat, dass der Platz nicht in Ord­nung ist. Oft­mals hatten wir das Beide am selben Ort und auch wenn offen­sicht­lich nichts Nega­ti­ves zu erken­nen war, haben wir den Platz ver­las­sen und uns einen ande­ren gesucht. Woher dieses Gefühl auf einmal kommt und warum es da ist, … keine Ahnung. Ob es gut war einen ande­ren Platz zum frei Stehen zu suchen steht auch in den Ster­nen. Aber wie soll man ruhig schla­fen, wenn einem innen drin irgend­was sagt, dass der Platz nicht gut ist.

Abfahr­be­reit sein und absperren

Wir für unse­ren Teil ver­su­chen vor dem Schla­fen gehen immer alles so zu ver­stau­en und unser Wohn­mo­bil auch so abzu­stel­len, dass wir im Not­fall immer in der Lage wären zu fahren. Ob einem das in einer schlim­men Situa­ti­on was brin­gen würde oder nicht, sei mal dahin­ge­stellt. Aber für das eigene Gefühl ist es auf jeden Fall positiv.

Außer­dem sper­ren wir unser Wohn­mo­bil grund­sätz­lich ab. Egal, ob wir eine Runde mit dem Hund laufen oder wirk­lich schla­fen gehen, wir haben unse­ren Fanti immer abge­sperrt. Denn auch irgend­wo im Nir­gend­wo kann es pas­sie­ren, dass man nicht so allei­ne ist wie man denkt. Außer­dem lassen wir auch nichts drau­ßen stehen, wenn wir schla­fen gehen. Wir räumen alles rein, inkl. Leiter. Wenn die Ein­gangs­tür schon eine gewis­se Höhe hat, wie bei unse­rem Wohn­mo­bil, macht man es poten­ti­el­len Dieben o.ä. schon ein wenig schwe­rer, wenn man ihnen beim Wild­cam­pen nicht direkt alles auf dem Sil­ber­ta­blett serviert.

Das Glei­che gilt auch für Wert­sa­chen. Nie­mals so liegen lassen, dass sie bei einem Blick in das Fah­rer­haus o.ä. sofort erkenn­bar sind. Denn eine bes­se­re Ein­la­dung gibt es für Lang­fin­ger nicht, egal ob beim Wild­cam­pen oder auf dem Campingplatz.

Wich­tigs­ter Tipp: Behal­te deine Plätze für dich

Der wich­tigs­te Tipp, um auch im nächs­ten Jahr noch Freude am gefun­de­nen Platz zu haben – behal­te ihn für dich. Wenn du ihn groß­zü­gig in den gän­gi­gen Cam­ping-Apps ver­teilst, wirst du diesen Ort ver­mut­lich nicht mehr für dich allein genie­ßen können und früher oder später auf Ver­bots­schil­der stoßen. 

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