Wohn­mo­bil Füh­rer­schein: Was darf ich mit wel­chem Schein fahren?

Wohnmobil Führerschein Wohnwagen

Wer sich einen neuen Camper oder Wohn­wa­gen anschaf­fen oder für den Urlaub mieten möchte, fragt sich zwangs­läu­fig, ob er denn die nötige Fahr­erlaub­nis für das Gefährt besitzt. Denn alle nach 1999 Gebo­re­nen müssen in diesem Zusam­men­hang ein paar Ein­schrän­kun­gen hin­neh­men. Wir zeigen, ob es einem spe­zi­el­len Wohn­wa­gen oder Wohn­mo­bil Füh­rer­schein gibt und was du mit wel­chem Schein genau fahren darfst.

Was für einen Füh­rer­schein braucht man für ein Wohn­mo­bil?

Diese Frage muss man so mit “Nein” beant­wor­ten, denn man kann nicht in die Fahr­schu­le gehen und einen spe­zi­el­len Füh­rer­schein für Wohn­mo­bi­le erlan­gen. Aller­dings musst du auf­pas­sen, wann du deinen Füh­rer­schein gemacht hast, denn das hat großen Ein­fluss darauf, wel­ches Fahr­zeug du fahren darfst.

Genau das sehen wir uns nun mal im Detail an.

Welches Wohnmobil Führerschein

Kann ich mit meinem nor­ma­len Füh­rer­schein ein Wohn­mo­bil fahren?

Wer sich fragt, ob man mit dem nor­ma­len Füh­rer­schein ein Wohn­mo­bil fahren darf, der muss auf das Datum schau­en, wann er die Fahr­erlaub­nis erhal­ten hat.

Gerade die, die ihre Fahr­erlaub­nis vor 1999 erhal­ten haben, können nun auf­at­men. Denn hier darf fast alles gefah­ren werden. Ich habe das Glück, dass ich meinen Schein noch vor der Umstel­lung gemacht habe.

Robby hin­ge­gen gehört zu den Pech­vö­geln, die ihren Füh­rer­schein nach 1999 bekom­men hat, was mit eini­gen Ein­schrän­kun­gen ver­bun­den ist. So darf sie unse­ren Lkw mit seinen 7,49 Tonnen nicht fahren, ohne den Lkw-Schein zu machen.

Doch sehen wir uns das mal genau­er an.

Füh­rer­schein vor 1999 gemacht: Hier gibt es kaum Ein­schrän­kun­gen

Führerschein Klasse 3

Wer seinen Pkw-Füh­rer­schein vor 1999 gemacht hat, so wie ich, muss schon sehr groß ein­stei­gen, um an seine Gren­zen zu stoßen. Wenn Du deinen “Rosa Lappen” gegen die Scheck­kar­te getauscht hast, soll­ten die fol­gen­den Füh­rer­schein­klas­sen ein­ge­tra­gen sein. Damit kann man wirk­lich fast alles fahren.

  • B
  • C1
  • BE
  • C1E
  • CE

Auf die klei­ne­ren Klas­sen wie M, L, A oder AM werde ich nicht ein­ge­hen, da ich nicht den Rahmen spren­gen möchte und sie für das Thema Wohn­mo­bil Füh­rer­schein nicht rele­vant sind. Wer den­noch Inter­es­se hat, kann sich bei Wiki­pe­dia dar­über infor­mie­ren.

Füh­rer­schein nach 1999 gemacht: Hier gibt es Ein­schrän­kun­gen

Hast Du deine Fahr­erlaub­nis nach 1999 erlangt, wirst Du von Anfang an die kleine Scheck­kar­te dein Eigen nennen. Aller­dings sieht bei einem Blick auf die Karte alles etwas nüch­ter­ner aus. Ver­mut­lich ist nur bei B ein Stern­chen und wahr­schein­lich bei M oder L, aber was bedeu­ten eigent­lich die ein­zel­nen Klas­sen und was darf man damit fahren?

Führerschein Klasse B

Füh­rer­schein­klas­se B – wel­chen Wohn­wa­gen darf ich ziehen und wel­ches Wohn­mo­bil fahren?

Du darfst mehr­spu­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit einer Gesamt­mas­se bis 3500 kg bewe­gen. Außer­dem ist es dir erlaubt, gene­rell Anhän­ger bis zu einem maxi­ma­len Gewicht von 750 kg zu ziehen. 2013 gab es noch eine Geset­zes­än­de­rung.

So können jetzt auch grö­ße­re Anhän­ger, wie z.B. Wohn­wa­gen gezo­gen werden, wenn das Gesamt­ge­wicht des Zug­fahr­zeugs + Anhän­ger 3,5 t nicht über­schrei­tet. Damit kann man mit dem B schon ordent­li­che Gespann-Kom­bi­na­tio­nen fahren, ohne eine Extra-Prü­fung machen zu müssen.


Wich­tig zu wissen ist, dass nicht das tat­säch­li­che Gewicht, son­dern die im Fahr­zeug­schein ein­ge­tra­ge­nen maxi­ma­len Gesamt­ge­wich­te von Zug­fahr­zeug und Wohn­wa­gen (Anhän­ger) gelten.

Mit der neuen Rege­lung kommt man somit schon ziem­lich weit. Er ist auch der pas­sen­de Wohn­mo­bil Füh­rer­schein für die “nor­ma­len Rei­se­mo­bi­le”.

Am Bei­spiel des neuen Skoda Octa­via mit einer durch­schnitt­li­chen z.Gm von 2000 kg dürfte man noch einen Anhän­ger mit 1500 z.Gm anhän­gen. Natür­lich gilt immer die maxi­ma­le Anhän­g­er­last des Zug­fahr­zeugs.

Füh­rer­schein­klas­se B mit Zusatz 96

Dieser Zusatz kam auch 2013 hinzu. Es ist keine extra Füh­rer­schein­klas­se, son­dern eine Erwei­te­rung. Sie kann rela­tiv ein­fach erwor­ben werden und benö­tigt keine theo­re­ti­sche Prü­fung. Sie erlaubt es, eine Gesamt­mas­se von Zug­fahr­zeug + Anhän­ger bis 4250 kg zu bewe­gen. Auch hier gelten die Maxi­mal­ge­wich­te aus dem Fahr­zeug­schein und die maxi­ma­le Anhän­g­er­last.

Füh­rer­schein­klas­se BE für Gespan­ne mit mehr als 3,5 t

Wohnwagen Führerschein Gespann

Diese Klasse ist eine Erwei­te­rung von B, um auch Gespan­ne über 3500 kg Gesamt­ge­wicht bewe­gen zu dürfen. Der Anhän­ger darf aber maxi­mal 3,5 t wiegen, und das Zug­fahr­zeug logi­scher­wei­se auch. Daraus ergibt sich, dass die Kom­bi­na­ti­on höchs­tens 7000 kg wiegen darf.

Die Klasse BE könnte man als den Wohn­wa­gen Füh­rer­schein bezeich­nen, mit dem so ziem­lich alles gezo­gen werden kann. Natür­lich ist es auch erlaubt mit dieser Fahr­erlaub­nis einen Anhän­ger mit seinem Wohn­mo­bil zu ziehen, sofern man inner­halb der Gewichts­be­schrän­kun­gen bleibt.

Füh­rer­schein­klas­se C1 für Wohn­mo­bi­le über 7,5 t

Diese Klasse erlaubt die Füh­rung von mehr­spu­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen bis zu einem maxi­ma­len Gewicht von 7,5 Tonnen. Diese Lizenz ist quasi der Wohn­mo­bil Füh­rer­schein für Rei­se­mo­bi­lis­ten, die jen­seits der magi­schen 3500 kg Grenze Reisen möch­ten. Ein Anhän­ger darf bis maxi­mal 750 kg gezo­gen werden. Für grö­ße­re Anhän­ger ist der Füh­rer­schein C1E nötig.

Füh­rer­schein­klas­se C1E

Wer jetzt mit seinem schwer­ge­wich­ti­gem Wohn­mo­bil einen Anhän­ger über 750 kg ziehen möchte kommt am C1E nicht vorbei. Dieser Zusatz­füh­rer­schein erlaubt es einen schwe­re­ren Anhän­ger in Kom­bi­na­ti­on mit einem Wohn­mo­bil über 3500 kg zu ziehen. Die Grenze ist bei 12000 kg des Gespanns erreicht.

Füh­rer­schein­klas­se C für Expe­di­ti­ons­mo­bi­le

Jetzt kommen wir zum Lkw-Füh­rer­schein. Er erlaubt es, Wohn­mo­bi­le jen­seits der 7,5 Tonnen zu bewe­gen. Gerade manche Expe­di­ti­ons­mo­bi­le oder große Dick­schif­fe machen diesen Füh­rer­schein nötig.

Wohnmobil Führerschein Expeditionsmobil

Füh­rer­schein­klas­se CE

Größer geht bekannt­lich immer und wer jetzt an sein Dick­schiff noch einen Anhän­ger kop­peln möchte, braucht diesen Schein unbe­dingt. Aber ich glaube, jetzt dürfte jeder einen Über­blick über die ein­zel­nen Füh­rer­schein­klas­sen haben.

Eine Anmer­kung mei­ner­seits: Wenn man seinen alten “Dreier” umschrei­ben lässt, bekommt man auch diese CE Klasse ein­ge­tra­gen (mit einer Ein­schrän­kung). Der Sat­tel­schlep­per darf maxi­mal 7,5 Tonnen und in Kom­bi­na­ti­on mit dem Auf­lie­ger nur 3 Achsen haben. Auch das Gesamt­ge­wicht ist auf 12000 kg beschränkt. Das Ganze ist ein biss­chen diffus und hat mit dem Bestands­schutz zu tun. Fakt ist aber, ich darf nach der Umschrei­bung mehr fahren, als vorher. Irgend­wie ist das alles ver­rückt.

Geset­zes­än­de­run­gen und Befris­tun­gen

Geht es nur um die Klasse B, BE oder B96, gibt es kein Ablauf­da­tum, was die Fahr­erlaub­nis betrifft, lt. neuer Geset­ze läuft aber das Doku­ment nach 15 Jahren aus.

Anders sieht es bei den Lkw-Klas­sen aus. Beim C und CE Füh­rer­schein war der Füh­rer­schein schon immer auf 5 Jahre befris­tet und muss nach Vor­la­ge einer Eig­nungs­un­ter­su­chung ver­län­gert werden. Der Füh­rer­schein C1/C1E war bis zum 50. Lebens­jahr beschränkt und konnte nach einem Gesund­heits­check ver­län­gert werden.

Aber dank einer Neu­re­ge­lung, die am 28. Dezem­ber 2016 in Kraft getre­ten ist, wurde auch der Klein-Lkw-Schein auf 5 Jahre befris­tet. Das heißt, wer jetzt seinen C1/C1E machen möchte, bekommt ihn nur noch für 5 Jahre. Und nach­dem das noch nicht genug ist, gilt das Ganze auch rück­wir­kend bis zum 19. Januar 2013. Wer also seinen Füh­rer­schein nach dem 19. Januar gemacht hat, fällt unter die 5-Jahres-Frist.

Die Frist, welche den Erhalt der Fahr­erlaub­nis bis zum Errei­chen des 50. Lebens­jahrs gewähr­leis­tet hätte, ist nich­tig. Der Füh­rer­schein­in­ha­ber ist ange­hal­ten, die Daten bei seiner Füh­rer­schein­stel­le ändern zu lassen. Im Übri­gen wurde die Geset­zes­än­de­rung am 28. Dezem­ber 2016 beschlos­sen. “Ein Schelm, der Böses dabei denkt.”

Bestands­schutz

Wer seinen C1 oder C1E Füh­rer­schein nach dem 31. Dezem­ber 1998 und vor dem 19. Januar 2013 gemacht hat, behält seine Fahr­erlaub­nis, dank Bestands­schutz, bis er 50 wird.

Wer seinen Füh­rer­schein vor dem 31. Dezem­ber 1998 gemacht hat, bekommt gar keine Fris­ten auf­er­legt. Manch­mal ist es doch gut, schon so “alt” zu sein. 🙂

Der pas­sen­de Wohn­mo­bil-Füh­rer­schein

Wer bis 3,5 Tonnen unter­wegs ist, hat bereits den pas­sen­den Wohn­mo­bil Füh­rer­schein in der Tasche. Du willst noch einen Wohn­wa­gen ziehen? Dann benö­tigst Du den BE.

Wer mit einem Camper der über 3,5 Tonnen hat unter­wegs sein möchte, benö­tigt min­des­tens den C1, wobei man sich über­le­gen sollte, ob der C mehr Sinn macht. Der 5-Jah­res­re­ge­lung sei Dank. So viel Preis­un­ter­schied dürfte da nicht sein.

Gehörst du zu den Wohn­wa­gen-Lieb­ha­bern, bist Du mit dem B allei­ne schon sehr gut auf­ge­stellt, außer Du möch­test mit deinem Kas­ten­wa­gen einen Zwei­ach­ser ziehen, dann lohnt sich für dich der BE. Und viel­leicht reicht auch der B96, wobei diese Erwei­te­rung auch nicht umsonst ist. Für ein paar Hun­dert Euro mehr ist der BE auch zu bekom­men.

Du möch­test wei­te­re Infos zum Thema Wohn­mo­bil oder Wohn­wa­gen? Fol­gen­de Bei­trä­ge helfen dir bestimmt weiter:

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4 Kommentare

  • Das Thema ist so span­nend, da muss ich meinen Senf unbe­dingt auch dazu geben. Ich habe 1982 u.a. den alten 3er gemacht, 2013 habe den großen Bus­schein, den D gemacht. Fol­gen­de Situa­ti­on: nach eini­gen Jahren kaufe ich meinem Chef den 12 Meter Bus, Dop­pel­de­cker, Gelenk­bus oder sogar einen Dop­pel­de­cker-Gelenk­bus, ja auch so etwas gibt’s, ab, um mir den Bus als Wohn­mo­bil aus­zu­bau­en. Und just in dem Moment darf ich den Bus nicht mehr fahren, wohl­ge­merkt ein Bus den ich viele Jahre und viele tau­send Kilo­me­ter gefah­ren habe. Ich habe nur den C1E und den D, der Bus ist ein “Kraft­fahr­zeug zur gewerb­li­chen Per­so­nen­be­för­de­rung” Ich müsste also noch den C machen, um den Bus wieder fahren zu dürfen. Na, wenn das nicht ver­rückt ist.
    Meines Wis­sens darf man übri­gens auch mit dem C1E ein Vier­achs­ge­spann fahren, wenn der Anhän­ger eine Tan­de­mach­se hat, deren Achs­ab­stand nicht größer als 1 Meter beträgt, das ist dann eine s.g. Zentralachse.Da soll noch einer durch­stei­gen.

  • Kleine Kor­rek­tur zu:
    Fakt ist aber, ich darf nach der Umschrei­bung mehr fahren, als vorher. Irgend­wie ist das alles ver­rückt.
    Fakt ist das man mit dem alten 3er auch bis 3 Achsen fahren durfte und ein Zug bei durch­ge­hen­der Brems­an­la­ge 18 Tonnen haben durfte. Ein Hänger durfte näm­lich max das 1,4 fache der Zug­ma­schi­ne haben!

    Je nach­dem wann man seinen alten in eine Karte umge­wan­delt hat steht kein Ablauf­da­tum drauf. Aber sollen wohl bis 2033 auch diese aus­ge­tauscht werden müssen.
    Als ich 1979 den 2er gemacht habe war übri­gend nir­gends die Rede davon das man ab 50 eine Unter­su­chung braucht, da gibt es keinen Bestands­schutz.

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