Schwe­den mit Wohn­mo­bil: Frei­ste­hen mit Poli­zei­be­such

Mit unserem Wohnmobil fahren wir von Hamburg aus direkt bis nach Schweden. Wir sind die gut 500 km in einem Ruck gefahren, da wir aufgrund der Bandwurmbehandlung unseres Hundes nur 120 h Zeit hatten, um in Norwegen einzureisen. Dass unser Freistehen in Schweden mit einem Polizeibesuch einhergehen würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Über die Storebæltsbroen und Øresundsbroen von Dänemark nach Schweden

Wir haben uns für die Überlandfahrt nach Schweden entschieden. Somit fuhren wir auch über die zwei wunderschönen Brücken “Storebæltsbroen” und “Øresundsbroen“. Was dort geschaffen wurde, ist schon echt der Wahnsinn.

Da fährt man eine gefühlte Ewigkeit über das offene Meer und darf gar nicht drüber nachdenken, wie hoch man ist und was wäre wenn …!

Oeresundbruecke

Aber man kommt auch nicht dazu darüber nachzudenken, denn eigentlich fährt man nur mit offenem Mund über diese irren Bauwerke.

Brücke Dänemark Schweden

Wer das noch nicht getan hat, sollte sich das auf jeden Fall mal vornehmen. Wir versprechen ein atemberaubendes Erlebnis, wenn auch nicht ganz billig. Knapp 200 Euro legt man an Maut hin, wenn man diesen Weg mit dem Wohnmobil wählt, andererseits ist der Weg von Dänemark nach Schweden so doppelt so schön.

Malmö Schweden

Freistehen in Schweden

Ziemlich fertig von der doch langen Fahrt kamen wir dann gegen 20 Uhr in Schweden an.

Wir haben uns überlegt, dass wir hinter Malmö einfach auf einem Parkplatz o.ä. parken wollen, da es ja nur für die Nacht ist und wir am nächsten Morgen schon früh weiter müssen. Somit fuhren wir ca. 20 km hinter Malmö von der Autobahn ab und die Küste entlang. Dort fanden wir auch schnell einen für uns geeigneten Platz. Es war eine Art Wanderparkplatz, umringt von Bäumen.

Freistehen Schweden

Ein paar hundert Meter weiter war nochmal ein fast identischer Platz, auf welchem allerdings ein Schild, mit dem Hinweis “Camping verboten”, aufgestellt war.

Auf dem von uns ausgesuchten Platz gab es so ein Schild nicht. Lediglich eine Hinweistafel, dass man seine Hunde nicht frei laufen lassen darf. Also haben wir unser Wohnmobil, ein bisschen versteckt hinter Bäumen, geparkt. Wir haben gerade unsere Sachen aus dem Fahrerhaus geholt als plötzlich ein Auto kam.

Polizeibesuch beim Wildcampen

Wir sahen uns beide um und mussten erschrocken feststellen, dass das nicht irgendein Auto war, sondern ein Polizeiwagen. Ich glaube, wir dachten in diesem Moment genau das Gleiche. “Das kann doch fast nicht möglich sein. Wir stehen hier gerade mal 5 Minuten und schon taucht die Polizei auf? Na das kann ja was werden.”

Doch der Wagen fuhr nicht direkt zu uns, sondern ein kleines Stückchen weiter, um dann stehen zu bleiben. Ein Polizist stieg aus und ging zum Kofferraum.

Sollen wir fragen, ob wir hier übernachten dürfen?

Stefan meinte “komm lass uns rüber gehen und sagen, das wir hier nur für eine Nacht bleiben wollen und fragen, ob das geht”. Also marschierten wir zu dem Polizisten, der uns allem Anschein nach, gar nicht bemerkt hatte. Dieser war anscheinend auch ein wenig verdutzt, dass da jemand auf ihn zukommt. Im Kofferraum hatte er zwei Diensthunde und als wir kamen, war er gerade dabei, diese aus dem Auto zu lassen.

Auf englisch versuchten wir ihn zu fragen, ob es denn möglich sei, dass wir hier für eine Nacht stehen bleiben. Er schaute verwirrt auf unser Wohnmobil und sagte dann, dass er uns gar nicht gesehen habe und so sollen wir das auch verstehen. Er hat nichts gesehen und wenn sich sonst keiner dran stört, dann sagt er auch nichts dagegen.

Oh Mann, wir waren so erleichtert über diese Aussage. Denn wir wollten uns um 21.30 Uhr nicht noch länger nach einem passenden Platz für die Nacht umsehen.

Schweden Freistehen Polizei

Wir gingen also zurück zu unserem Wohnmobil und schauten dann zu, wie der Polizist seine Hunde aus dem Auto und diese ohne Leine in dem angrenzenden Waldstück spielen und laufen ließ. So viel zum Verbotsschild, dass Hunde nur mit Leine geführt werden dürfen 😉

Der Polizist war dann auch kurze Zeit später wieder weg und wir hatten eine sehr entspannte und ruhige Nacht. Es wurde in dieser Nacht schon nicht mehr richtig dunkel. Ein kleiner Vorgeschmack auf die bevorstehende Mitternachtssonne.

Darf man in Schweden überall übernachten?

Grundsätzlich gibt es in Schweden, wie in allen anderen skandinavischen Ländern, das sogenannte Jedermannsrecht. Das gilt jedoch nur für Wanderer oder Camper mit Zelt. Reisende mit Wohnmobil werden in dieser Regelung nicht berücksichtigt. Allerdings ist Schweden ziemlich tolerant, was das frei stehen anbelangt.

Viele verstehen es als Freifahrtschein und stellen sich einfach irgendwo hin. Dann werden Tische, Stühle, der Grill und die Wäscheleine ausgepackt. Das ist auch in Skandinavien nicht gerne gesehen. Dieses Verhalten führt dazu, das es immer mehr Verbotsschilde gibt, die das Campen mit Wohnmobil klar untersagen. Allerdings wird kaum jemand etwas sagen, wenn du dich irgendwo im Nirgendwo hinstellst. Wenn du die Grundregeln des frei Stehen beachtest, dann hast du auch nichts zu befürchten. Dieser Beitrag hilft dir, schöne Plätze zu finden.

Wildcampen in Europa, frei stehen mit dem Wohnmobil + App-Empfehlung

Kennst du diese Anspannung, wenn du nicht weißt, was dich erwartet und dann die Erleichterung, wenn es gar nicht so schlimm ist wie befürchtet?

Du hast Lust auf weitere Erlebnisse aus unserem Reisetagebuch? Dann empfehle wir dir, einen Blick in unsere Wohnmobil Reiseberichte zu werfen.

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16 Kommentare

  • Hallo in die Runde,
    ja, Du hast Recht. Das Zau­ber­wort heisst FINGERSPITZENGEFÜHL. Und was die Natur angeht, da ist Skan­di­na­vi­en, und beson­ders Nor­we­gen, unschlag­bar.
    Ich war vor zwei Jahren im Sommer da, und zwar über Schwe­den, Finn­land (Inari See) bis hoch zur rus­si­schen Grenze bei Grense Jakobselv am Eis­meer und dann links rüber zum Nord­kapp. Unver­gess­lich schön!

    Ich weiss nicht, wie das heute ist, aber damals konnte man sich den hor­ren­den Ein­tritt zum Nord­kapp sparen, wenn man spät­abens oder früh­mor­gens ankam. Dann waren die Kas­sen­häus­chen näm­lich nicht besetzt und man fuhr ein­fach durch die Aus­fahrt auf den rie­si­gen Park­platz. Wenn man einmal da drauf war, fragte nie­mand mehr nach dem Ticket und beim Raus­fah­ren auch nicht. Aber viel­leicht haben sie diese Lücke inzwi­schen geschlos­sen, denn das Nord­kapp ist ein Rie­sen­ge­schäft.
    Die Tunnel zum Nord­kapp sind übri­gens inzwi­schen maut­frei !
    Grüße
    Heinz

  • Hallo Heinz,

    da schnei­dest du was ganz wich­ti­ges an. Das “Jeder­manns­recht” (alle­manns­ret­ten) wird meist falsch aus­ge­legt. Im Grunde beruht das ganze eher auf das Reisen durch die Natur mit dem Zelt. Das frei stehen mit dem Wohn­mo­bil wird aber meist gedul­det. Man sollte hier ein­fach ein biss­chen Fin­ger­spit­zen­ge­fühl haben und im Zwei­fel ein­fach mal fragen.

    Jetzt ist die Rei­se­kas­se noch voll 🙂 Ich war mit dem Wohn­wa­gen schon ein paar mal in Skan­di­na­vi­en unter­wegs, daher sind wir uns durch­aus bewusst, dass es hier nicht gerade güns­tig ist :-), aber ein­fach nur wun­der­schön. Den hohen Norden habe ich aller­dings selbst noch nicht bereist, darauf bin ich schon sehr neu­gie­rig.

    Liebe Grüße Stefan

  • Halle Alex­an­dra,

    eine sehr schöne Geschich­te. 🙂 Ist gut zu wissen, das nicht nur wir uns so komi­sche Gedan­ken machen. 🙂 Im Nach­hin­ein könnte man ehr ver­mu­ten, der Angler wollte sich ein­fach nur euer WOMO anse­hen und war neu­gie­rig auf euch. 🙂 Wir denken alle meist viel zu schlecht von­ein­an­der. Klar gibt es auch Welche die böses im Schil­de führen, aber im Großen und Ganzen, glaube ich, sind die meis­ten Men­schen gar nicht so. 🙂

    Liebe grüße

    Stefan

  • Haha, nein, in Skan­di­na­vi­en gibt es keinen Poli­zei­staat. Die eigent­li­che Gefahr geht von schar­fen Geschwin­dig­keits­kon­trol­len aus, aber dafür ist Euer Kurz­ha­ber wohl sowie­so nicht anfäl­lig 😉
    Dabei sollte man das sog. “Jeder­manns­recht” aber nicht so ver­ste­hen, dass man ein­fach über­all seinen Camper parken und darin über­nach­ten darf. So ist das bei­lei­be nicht gedacht. Aber Ihr werdet Euch schnell zurecht finden und wohl fühlen.

    Nun habt Ihr Euch für den Beginn Eurer Reise aber auch aus­ge­rech­net die teu­ers­ten Rei­se­län­der in Europa, wenn nicht sogar in der ganzen Welt, aus­ge­sucht 😉
    Wei­ter­hin viel Spaß
    Heinz

  • Hi, ja das ist uns auch schon in vielen Län­dern pas­siert. Wir kamen oft mit einer Ver­war­nung davon. Wir stehen immer frei und gehen nie auf Cam­ping­plät­ze :-). Die meiste Zeit hat man keine Pro­ble­me und die Leute lassen einen in Ruhe. Das ein­zi­ge was nervig sein kann, ist die Suche nach einem guten Platz. Viel Spaß in Schwe­den 😉

  • Unter den Augen der Poli­zei steht man natür­lich viel siche­rer ?. Wir hatten im Øvre Pasvik Natio­nal­park eine selt­sa­me Begeg­nung. In Kirkenes erzähl­te uns ein Ein­hei­mi­scher von einem tollen Park­platz an einem See im Natio­nal­park. Dort könne man super stehen und es wäre einsam. Wir fuhren zu diesem Platz…..ein Traum. Auf einmal kam ein Angler zu uns ans WOMO, hat sich mit uns unter­hal­ten und sein getrock­ne­tes Ren­tier­fleisch mit uns geteilt. Er fuhr dann mit den Worten, er könne heute nichts fangen. In der Nacht hatten wir beide, unab­hän­gig von­ein­an­der ein komi­sches Gefühl. Viel­leicht war das Fleisch mit ko-Trop­fen ver­setzt. Der Platz ist ja direkt an der rus­si­schen Grenze….am Morgen, nach­dem nichts pas­siert war, hatten wir uns von unse­ren Gedan­ken der Nacht erzählt.
    Als wir abends dann in Kirkenes am Hafen Wasser auf­füll­ten, kam zufäl­lig der Ein­hei­mi­sche, der uns den Platz emp­foh­len hatte vorbei und fragte, wie der Platz war. Wir erzähl­ten begeis­tert, auch vom Angler. Seine Ant­wort darauf war: An diesem See kann man nicht angeln. Es gibt keine Fische, da der Sauer­stoff­ge­halt zu nied­rig ist. Das wüsste jeder……

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