Von Dem­na­te durchs “Tal der Glück­li­chen” nach Bin El Ouidane

Tour Atlas Marokko

Für uns geht es in die fas­zi­nie­ren­de Berg­welt Marok­kos. Öst­lich von Mar­ra­kesch fahren wir von Dem­na­te nach Tabant, denn unser Ziel ist das Ait Bou­gue­mez Tal. Dort besu­chen wir eine ganz außer­ge­wöhn­li­che, marok­ka­ni­sche Schule, bevor wir uns vorbei an der stei­ner­nen Cathe­dra­le nach Bin El Oui­da­ne auf­ma­chen. Hier erwar­ten dich nun atem­be­rau­ben­de Berg­pan­ora­men, Höhen über 3000 Meter und gleich­zei­tig auch ein Abschied.

Wit­zi­ge Zufälle

Als wir Essaoui­ra ver­las­sen ist es bereits 18 Uhr. Nicht mehr lange und es wird dunkel. Da wir auf Anhieb nichts finden, bedie­nen wir uns der bekann­ten Schlaf­platz-Frei­par­ker-App und finden doch tat­säch­lich ein Plätz­chen in der Nähe.

Dass dieser von unse­ren Mit­rei­sen­den Annet­te und Bene­dikt (Ihr erin­nert euch an die Wüs­ten­ral­lye durch Erg Che­ga­ga?) ein­ge­tra­gen wurde, fanden wir zudem einen wit­zi­gen Zufall.

Als wir ankom­men, ist auf der Straße zwar eine Bau­stel­le ein­ge­rich­tet, doch die stört uns nicht weiter. Nach einer ruhi­gen Nacht star­ten wir am nächs­ten Morgen Rich­tung Mar­ra­kesch. Dort ist drin­gend Wäsche Waschen ange­sagt, bevor es uns dann am Tag darauf in die Berge verschlägt.

Off­road durch Marok­kos Bergwelt

Vor uns liegen 190 km bis wir unser Ziel, den Campus Vivant’e in Tabant, errei­chen. Doch das wird nicht das ein­zi­ge High­light auf unse­rer Tour sein, wie wir sehr bald fest­stel­len werden. Von Mar­ra­kesch aus folgen wir der R210 Rich­tung Dem­na­te. Das ist der letzte Ort, an dem wir uns noch ver­nünf­tig mit allem Nöti­gen ein­de­cken können, was wir auch tun. Hier hat es sogar frisch frit­tier­te Chips am Stra­ßen­rand – wir können nicht anders und kaufen eine Tüte. Zu dritt haben wir die auch schnel­ler geges­sen, als wir schau­en können.

Hin­weis! 
Falls jemand auf die Idee kommt, diese Tour nach­zu­fah­ren, dann fol­gen­des beachten:

– Auf keinen Fall mit einem Fahr­zeug, wel­ches größer ist als unse­res, fahren. Da gibt es kein Durchkommen.

– Unbe­dingt auf das Wetter achten. Bei schlech­tem Wetter können schnell mal ganze Stra­ßen weg­ge­spült werden.

– Vorher tanken, es gibt keine Tank­stel­le unterwegs.

– Min­des­tens benö­tig­te Boden­frei­heit ist die eines Bre­mers, mehr ist besser. Allrad wird nicht gebraucht.

Kurz nach unse­rer Ein­kaufs­tour erwar­tet uns auch schon nach eini­gen Fahr­ki­lo­me­tern das erste Highlight.

Imi-n-Ifri – die Natur­brü­cke bei Demnate

So parken wir die Fahr­zeu­ge nach der kurzen Anfahrt neben der Straße im Schat­ten, packen die Hunde ein und gehen auf die andere Seite. Von hier oben hat man schon einen tollen Blick auf die klei­nen Wasserstellen.

Naturbrücke Imi-n-Ifri

Über uns krei­sen unzäh­lig viele Vögel und wir schei­nen Glück zu haben, außer uns, ein paar Poli­zis­ten und Män­nern, die auf den Bus zu warten schei­nen, ist nie­mand hier.

Imi-n-Ifri Naturbrücke Vögel

Mit den Hunden laufen wir die großen Stein­stu­fen nach unten, wäh­rend uns die Sonne von oben brut­zelt. Das Wetter ist ein­fach klasse und der Blick von unten noch viel beein­dru­cken­der, als wir es hätten ver­mu­ten können.

Naturbrücke Imi-n-Ifri Marokko
Imi-n-Ifri Wasserfall

Wir lassen die Hunde spie­len und sehen uns ein wenig um, bevor wir die vielen Stufen wieder nach oben steigen.

Treppe Imi-n-Ifri

Nach der Hälfte gibt es neben dem Weg eine kleine Oran­gen­saft-Bar. Wir gönnen uns einen frisch gepress­ten O-Saft, bevor wir die letz­ten Meter zurück zum Auto laufen.

Orangensaft Imi-n-Ifri

Die Straße endet ent­lang der R302

Hier führt die R302 in Rich­tung Berge. Das ist genau die Straße, die wir nehmen müssen. Sie ist anfangs ziem­lich schmal und wird dann immer mehr zur Piste.

Wieder und wieder müssen wir Bilder von der atem­be­rau­ben­den Land­schaft machen, die sich immer mehr ver­än­dert. Auch der ein oder ande­ren Schild­krö­te kann Debbi über die Straße helfen. Aller­dings muss sie sich von den klei­nen gepan­zer­ten Tier­chen anmot­zen lassen. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass es der Dame oder dem Herrn nicht so recht war, über die Straße gebracht zu werden. “Wie man’s macht … aber egal.”

Teerstraße Bergtour

Je weiter wir in die Berg­welt Marok­kos vor­drin­gen, umso weiter schei­nen wir auch in der Zeit zurück­zu­rei­sen. Nicht nur, dass die Dörfer und Stra­ßen klei­ner und schma­ler werden, auch die Ver­hält­nis­se, in denen die Men­schen hier leben, werden wesent­lich einfacher.

Wir fühlen uns fast wie in eine andere Zeit ver­setzt und die manch­mal ziem­lich tief hän­gen­den Strom­lei­tun­gen und schma­len Wege zwi­schen den Häu­sern brin­gen uns ab und an ins Schwitzen.

Bergdorf Marokko eng

Wenn plötz­lich der Rück­weg ver­sperrt ist

Zufäl­lig ent­de­cken wir etwa 25 km vor unse­rem eigent­li­chen Ziel eine Piste, die hinter die umlie­gen­den Hügel führt. Da wir alle ziem­lich müde und geschafft sind, ent­schei­den wir uns für ein Mit­tags­schläf­chen. Der Unter­grund ist zwar etwas weich, aber über das Raus­fah­ren machen wir uns dann Gedan­ken, wenn es so weit ist. Haupt­sa­che wir stehen gerade – und das ist der Fall.

Schlafplatz Baustelle

Nach einer Gas­sirun­de schla­fen wir uns alle ordent­lich aus und blei­ben auch noch die Nacht und den dar­auf­fol­gen­den Tag. Doch als wir zurück auf unsere Straße fahren wollen kommt die Über­ra­schung. Wir kommen zwar ohne Pro­ble­me aus unse­rer Park­po­si­ti­on, aber auf dem Rück­weg fahren wir am Bagger der Bau­stel­le vorbei und plötz­lich steht Debbi mit ihrem Bremer vor einem hohen Absatz.

Straße Absatz Baustelle

Da haben sie doch tat­säch­lich die Straße weg­ge­gra­ben, auf der wir hinter die Hügel gefah­ren sind.

Viel­leicht hat der Bau­ar­bei­ter, der jeden Tag mehr­mals an uns vor­bei­ge­fah­ren ist, des­we­gen immer so gegrinst – man weiß es nicht.

Doch inner­halb kür­zes­ter Zeit ist ein Bau­ar­bei­ter zur Stelle. Debbi holt ihre Schau­fel aus dem Auto, um den hohen Absatz etwas abzu­fla­chen, aber das geht natür­lich nicht. So was ist Män­ner­ar­beit und so dürfen die Damen nur zusehen.

Bauarbeiter Schaufel

Beim ersten Ver­such, diesen Absatz zu über­win­den, setzt der Bremer auf dem Dif­fe­ren­ti­al auf und steckt fest.

Absatz Straße stecken

Ein kurzer Ruck nach hinten von Fanti und er ist wieder frei. Die Rampe wird noch mal etwas opti­miert und dann kommt Debbi auch schon ohne Pro­ble­me zurück auf die Straße.

Sowas pas­siert einem wohl auch nur in Marok­ko oder?

Wir errei­chen das Tal der Glücklichen

Am Nach­mit­tag errei­chen wir dann auch schon unser Ziel – die Ecole Vivant’e in Tabant.

Ait Bouguemez Tabant

Debbi war bereits vor eini­ger Zeit schon mal hier und wir sind unheim­lich neu­gie­rig, was uns erwar­tet. Schon bei unse­rer Ankunft wuseln einige der Schul­kin­der um uns herum und wir werden herz­lich begrüßt.

Ecole Vivante Tabant

Da uns dieses Schul­pro­jekt nach­hal­tig beein­druckt hat, wollen wir euch berich­ten, worum es dem Campus Vivant’e geht, was ihn so beson­ders macht und vor allen Dingen von klas­si­schen, marok­ka­ni­schen Schu­len unter­schei­det. Da es für einen Rei­se­be­richt zu viel wäre, gibt es die Infor­ma­tio­nen hier in unse­rem Bei­trag zur Ecole Vivant’e.

Tal der Glücklichen

Als Dank für die Gast­freund­schaft, wir blei­ben näm­lich ein paar Tage, bieten wir unsere Koch­küns­te zum Aus­gleich an, wor­über das Team alles andere als trau­rig ist. Es gibt schar­fes Curry mit Reis und auch wenn der große Topf so gar nicht heiß werden wollte, konn­ten wir später am Abend gemein­sam mit dem Team der Schule zu Abend essen.

Auf­stieg zum Agadir Sidi Moussa

Der Sidi Moussa von Tabant ist ein Berg, auf dem sich ein Agadir befin­det. Wer bei Agadir jetzt an die Stadt denkt, der liegt knapp dane­ben. Es bezeich­net näm­lich auch Spei­cher- bzw. Lager­ge­bäu­de, die von außen aus­se­hen wie kleine Burgen. Nähere Infor­ma­tio­nen hat Wiki­pe­dia parat.

Sidi Moussa Agadir

Der Auf­stieg ist rela­tiv steil und so müssen wir ein paar kleine Pausen ein­le­gen, bevor wir den gigan­ti­schen Aus­blick genie­ßen können.

Von hier oben sieht man auch, warum das Ait Bou­gue­mez auch das “Tal der Glück­li­chen” genannt wird. Ein klei­ner Fluss, der hier fließt, hat das Land frucht­bar gemacht.

ait bouguemez tal

Runter geht es immer schnel­ler als rauf und so kommen wir ziem­lich geschafft unten an. Am Nach­mit­tag bekom­men wir noch eine geführ­te Tour durch den Campus und das Per­ma­kul­tur­pro­jekt von Lukas und Joana, bevor wir den Abend gemein­sam mit ihnen und Debbi in unse­rem Dicken verbringen.

Am nächs­ten Morgen ist es für uns auch schon Zeit “Auf Wie­der­se­hen” zu sagen. Der Wet­ter­be­richt kün­digt jede Menge Regen an, was bei den Stra­ßen­ver­hält­nis­sen dafür sorgen könnte, dass wir so schnell nicht wieder weg­kom­men. Des­we­gen ent­schei­den wir uns für einen ver­früh­ten Abschied.

Von Tabant nach Bin El Ouidane

Bevor wir uns gänz­lich von Tabant ver­ab­schie­den und das Ait Bou­gue­mez Tal hinter uns lassen, ver­sor­gen wir uns im Dorf noch schnell mit dem Nötigsten.

Rauf auf 3000 m

Weiter geht es durch die mit­tel­al­ter­lich wir­ken­den Dörf­chen, über schma­le Wege und durch die unglaub­lich beein­dru­cken­de Landschaft.

Bergtour Internet
Es sei erwähnt, dass es sogar auf dieser Höhe Inter­net hat.

Auf den Gip­feln der umlie­gen­den Berge liegt Schnee und auch die Tem­pe­ra­tu­ren sinken noch mal merklich.

Ausblick Berge Schnee

An einem klei­nen Rest von weißen Flo­cken auf dem Boden dürfen die Hunde aus­stei­gen und sich total über­rascht und von ihrer Freude über­wäl­tigt hineinstürzen.

Für Farah übri­gens ihr erstes Mal. Immer ganz beson­ders lustig anzu­se­hen, wie ich finde.

Hunde Schnee

Nach­dem unsere lieben Vier­bei­ner die Party haben stei­gen lassen, dürfen sie zurück ins Auto und sich aus­ru­hen, wäh­rend sich die Fahrer der Fahr­zeu­ge kon­zen­triert die schma­len Stra­ßen ent­lang der stei­len Abhän­ge ent­lang schlängeln.

rauf auf 3000 m

Kurzer Bade­stopp

Nahe des Ortes Tifoui­na halten wir ein nächs­tes Mal an. Das Oued ist gut gefüllt, was für uns die ideale Gele­gen­heit ist, um unsere lieben Was­ser­rat­ten dort aus­gie­big plan­schen zu lassen.

Hunde baden

Da sind Emily, Jack­son und Farah gleich mit dabei.

Farah taucht
Farah wird mal eine ganz große Perlentaucherin.

Nach dem kurzen Bade­aus­flug packen wir unsere nun ziem­lich stin­ken­den Fell­tier­chen wieder ins Auto.

Aben­teu­er­li­che Strecke

Und kurz nach­dem wir los­fah­ren wird es auch schon wieder ein wenig spannend.

Felswand Fluß Weg

Rechts von uns eine steile Fels­wand, links von uns der Fluss und in der Mitte wir, auf einem doch gerade noch pas­sen­den Weg.

Schmale Stelle Fluss Marokko

Es ist 16.15 Uhr, als wir diese Stelle pas­sie­ren. Der Rest der Stre­cke führt wieder weiter berg­auf und durch Wald und Bäume, eine Kurve links, eine rechts, dann geht es neben uns wieder steil den Abhang runter und da steht der Spie­gel wieder fast an der Fels­wand an – wir haben Spaß, werden aber auch lang­sam müde.

Schlafplatz Aussicht Berge

So ist es 18 Uhr als wir unsere Fahr­zeu­ge etwas abseits des Weges unter­halb von Bäumen abstel­len, die Hunde Gassi führen und uns dann gemüt­lich ans Lager­feu­er setzen.

Holz Lagerfeuer

Ich koche Nudeln für alle und wir gönnen uns ein kaltes Bier­chen, bevor wir tod­mü­de ins Bett fallen.

Berge Ausblick Marokko Atlas

Die stei­ner­ne “Cathe­dra­le” von Imsfrane

Am nächs­ten Morgen geht es los. Wir sind ziem­lich auf­ge­regt, denn heute steht ein wei­te­res High­light auf dem Plan. Eine Gebirgs­for­ma­ti­on, die aus den ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven fast wie eine rie­si­ge Fels­ka­the­dra­le wirkt.

Lus­ti­ger­wei­se erin­nert diese For­ma­ti­on live tat­säch­lich an eine Kathe­dra­le, aber auf Fotos wirkt es gar nicht so.

steinerne Cathedral Imsfrane

Ein fran­zö­si­scher Kolo­ni­sa­tor soll dem Berg wohl den Namen Cathe­dra­le gege­ben haben. Ob dem wirk­lich so ist, wissen wir nicht. Es gibt im All­ge­mei­nen leider nicht wirk­lich viele Infor­ma­tio­nen zu diesem Ort, was ziem­lich schade ist. Denn die stei­ner­ne Kathe­dra­le von Ims­fra­ne ist wirk­lich ein unglaub­li­ches High­light, wel­ches man im Übri­gen auch bestei­gen kann.

Sehen können wir sie von hier aus schon, aller­dings liegt noch ein ganzes Stück­chen Weg vor uns. Na dann mal los.

Nun ist sie schon fast zum Grei­fen nah.

Cathedrale Imsfrane

Wir woll­ten auch, aber das Wetter spiel­te leider nicht mit. Des­we­gen wagten wir es nicht und muss­ten uns mit einem Spa­zier­gang im Fluss­bett, am Fuße der impo­san­ten Erschei­nung, zufriedengeben.

Cathedrale Imsfrane Highlight

Unfrei­wil­li­ger Abschied

Nach der kurzen Pause heißt es: Weiter geht’s, denn das kleine Aben­teu­er ist noch nicht zu Ende. Das wuss­ten wir zu diesem Zeit­punkt aller­dings noch nicht. Unsere High­lights hatten wir besucht und freu­ten uns so lang­sam auch wieder auf etwas geteer­te Straße, die schon bald kommen sollte, aber so genau wissen wir das nicht.

Über­le­gun­gen noch eine Nacht in den Bergen zu ver­brin­gen lassen wir hinter uns, als der Himmel sich immer weiter ver­dun­kelt und die aus Staub bestehen­de Piste uns in Kom­bi­na­ti­on mit Wasser Schlim­mes erah­nen lässt. So treibt uns das schlech­te Wetter aus den Bergen. Doch Halt, warum sind hier eigent­lich so viele Men­schen auf der Piste?

Durch den Souk fahren? Kann man mal machen

Tat­säch­lich kommen uns plötz­lich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den immer wieder Men­schen zu Fuß, auf Eseln, Mofas oder mit Pfer­den ent­ge­gen? Einen wei­te­ren Moment drüber nach­zu­den­ken wäre sicher hilf­reich gewe­sen, wir haben blö­der­wei­se drauf verzichtet.

piste tilouguite

So errei­chen wir über eine stau­bi­ge Piste Tilou­gui­te, die dann auch end­lich zur Teer­stra­ße wird. Wir freuen uns schon, dass wir ab jetzt schnel­ler vor­an­kom­men, als plötz­lich immer mehr Fahr­zeu­ge und Men­schen vor uns auftauchen.

Ein Esel hier, ein Moped da, unzäh­lig viele Men­schen zu Fuß – hier ruft einer, da treibt einer Ziegen, da sind Pick Ups mit vielen Men­schen darauf, die ihre Füße oben raus­bau­meln lassen und wir plötz­lich mit­ten­drin im Souk. Von hinten werden wir durch nach­fol­gen­de Fahr­zeu­ge zum Vor­wärts­fah­ren ange­hal­ten und vorne geht es immer irgend­wie weiter.

Füße rein und alles auf die Seite …

Die Männer, die ihre Füße vor weni­gen Sekun­den noch grin­send und win­kend aus dem Pick up hängen ließen, zogen diese ganz schnell ein, als wir kamen, denn es wurde eng. Und mit eng meine ich nicht das Eng, wo links und rechts noch min­des­tens zwei Hände rein­ge­passt hätten.

Lang­sam bug­sier­te Stefan unse­ren Lkw durch die Masse aus Men­schen und vorbei an klei­nen Floh­markt­stän­den, wo der ein oder andere seine Sachen auf die Seite räumen musste, da wir sonst die ein­zi­ge Straße des Dorfes ver­stopft hätten. Fahr­zeu­ge kommen ent­ge­gen, hier laufen Kinder vor uns über die Straße, da ist eine Katze, hier vorne ein Esels­kar­ren und neben­bei wirst du noch gefragt, ob du im Restau­rant nicht was essen willst.

Ich glaube, man muss das erlebt haben, um diese Reiz­über­flu­tung nach­füh­len zu können. Es dauert bestimmt 20 Minu­ten, doch dann haben wir es geschafft und sind aus dem Souk drau­ßen. Debbi kam mit ihrem klei­ne­ren Bremer etwas besser durch und war­te­te bereits besorgt am Ende des Dorfes auf uns. Tilou­gui­te werden wir so schnell wohl nicht vergessen.

Bin El Oui­da­ne Stausee

Unser Ziel für heute ist der Bin El Oui­da­ne Stau­see, der ein wei­te­res, aber auch letz­tes High­light dieser unglaub­li­chen Tour werden wird. Vor uns liegen 50 km auf geteer­ter, aber dafür ein­spu­ri­ger Straße, die uns bei Gegen­ver­kehr immer wieder ins mal stei­ni­ge oder erdige Ban­kett zwingt. Dem­entspre­chend lang brau­chen wir für die vor uns lie­gen­de Strecke.

schlechtes Wetter Berge

Als wir den See dann plötz­lich sehen können, sind wir sprach­los. Er ist ein­ge­rahmt von Bergen und Hügeln, die alle­samt aus roter Erde und teil­wei­se saf­ti­gem Grün bestehen. Die Farben leuch­ten rich­tig, wenn die Sonne drauf scheint und geben auch bei schlech­tem Wetter ein tolles Bild ab. Der türkis schim­mern­de See und drum­her­um der röt­li­che Erdton – schö­ner hätte man es wohl auch nicht malen können.

Stausee Bin El Ouidane

Erho­lung am See

Wir halten noch eben in Ouaoui­zeght, das liegt eh auf dem Weg. Dort kaufen wir ein und besor­gen alles, was wir für ein paar Tage am See brau­chen. Diese Stadt werden wir noch ein wei­te­res Mal sehen, was anhand der her­vor­ra­gen­den Patis­se­rie auch nicht schlimm ist. Denn am Bin El Oui­da­ne Stau­see blei­ben wir noch ein wenig länger als nur ein paar Tage, obwohl das nicht geplant war.

Stausee rote Erde

Wir sind alle ziem­lich geschafft von der vielen Fah­re­rei der letz­ten Zeit und ent­schei­den uns dafür mehr Zeit an einem Ort, also dem Stau­see, zu ver­brin­gen. Außer einem Grill­abend, den wir auf­grund von Regen abbre­chen muss­ten und einem tro­cke­nen Bach­lauf, der sich durch den Regen plötz­lich mit Wasser füllte, gibt es aus diesen ruhi­gen Tagen nicht viel zu berichten.

Sturzbach Bin El Ouidane

So blieb auch die Kamera die meiste Zeit aus. Obwohl die Schuhe mit ihren roten Lehmab­sät­zen sicher sehr foto­gen gewe­sen wären.

Das rote Zeug ver­wan­del­te sich bei Kon­takt mit Wasser in eine schmie­ri­ge und kleb­ri­ge Masse, der man kaum Herr wurde. Ihr könnt euch also vor­stel­len, wir hatten an so man­chen Tagen rich­tig Spaß.

Camping Stausee Bin El Ouidane

Rück­rei­se nach Europa

Und das sollte es dann auch schon fast gewe­sen sein mit unse­rer Tour durch Marok­ko 2018/2019. So fuhren wir über Beni Mellal Rich­tung Auto­bahn und mit Zwi­schen­stopp in Keni­tra, wo wir die Nacht auf dem Cam­ping­platz ver­brach­ten, schnur­stracks zum Hafen nach Tanger Med. Hier trenn­ten sich vor­erst die Wege von uns und Debbi, da sie eine andere Fähre nehmen muss.

Mit der Fähre von Tanger Med nach Algeciras

Unsere Fähr­fahrt ist aber durch­aus noch ein paar Worte der Erwäh­nung wert, denn das schlech­te Wetter hatte uns ja schon seit Tagen fest im Griff. So sollte es auch am Tag unse­rer Über­fahrt natür­lich schön windig sein. Durch Zufall erfah­ren wir 10 Minu­ten, bevor wir den Hafen errei­chen, dass die letz­ten drei Tage keine Schif­fe gefah­ren sind, weil der Wind zu heftig war. Dem­entspre­chend hoch soll das aktu­el­le Auf­kom­men an Fahr­zeu­gen sein.

Na da sind wir ja mal gespannt.

Die Abfer­ti­gung bei Poli­zei und Zoll, sowie die Rönt­gen­kon­trol­le gingen ohne War­te­zeit schnell und unkom­pli­ziert von­stat­ten. Auch die Spur für unser Schiff war nicht­mal halb voll. Wir über­leg­ten uns, noch ein klei­nes Nicker­chen vor der Über­fahrt zu machen, schließ­lich hatten wir noch gut zwei Stun­den bis zur Abfahrt.

Gerade ins Bett gelegt, hörten wir plötz­lich einen Lkw nach dem ande­ren an uns vor­bei­fah­ren – ahhhhhh, unser Schiff ist da, kam es uns. Also so lang­sam wieder raus aus dem Bett, alles ver­räu­men und zurück ins Fahrerhaus.

Eine Meer­fahrt die ist lustig …

Nach­dem wir unse­ren Fanti aus­nahms­wei­se mal vor­wärts aufs Schiff manö­vrie­ren durf­ten, gingen wir nach oben an Deck. Dort merk­ten wir, dass das Schwan­ken im Hafen schon ganz ordent­lich ist. Eigent­lich woll­ten wir gerne drau­ßen sein, doch da war alles nass. Drin­nen war uns zu warm und so pen­del­ten wir stän­dig hin und her.

Einige Zeit war ver­gan­gen, seit wir aufs Schiff durf­ten und es tat sich nichts. Unsere Abrei­se war sicher­lich schon 45 Minu­ten fällig, aber selbst die Luke war noch geöff­net. Das Schwan­ken im Hafen sorgte bei mir trotz ent­spre­chen­der Hilfs­mit­tel gegen See­krank­heit für leich­tes Unbehagen.

Medi­zin kostet … auch wenns nur Scho­ko­la­de ist

Eine Stunde nach ange­kün­dig­tem Abfahrt­ter­min war es dann end­lich so weit, Leinen los und

Tschüss Marok­ko.

Die ersten 40 Minu­ten der Über­fahrt waren schon ganz ordent­lich. Es ging rauf und runter, das Schiff schwank­te, dass wir uns beim Gehen fest­hal­ten muss­ten, um nicht einen ande­ren Pas­sa­gier abzu­räu­men. Besser man setzte sich hin. Das taten wir auch, nach­dem wir uns gegen die leich­te Übel­keit eine Packung Merci Scho­ko­la­de im Duty Free Shop für, ich glaube gut 5 Euro, gegönnt haben. Wäh­rend wir ganz vorne direkt hinter der Schei­be saßen, genos­sen wir den ein oder ande­ren Scho­ko­rie­gel. Und wir erfreu­ten uns daran, dass der See­gang mit jedem Kilo­me­ter dem wir Spa­ni­en näher kamen, weni­ger wurde.

Wohl­be­hal­ten und ohne wei­te­re Vor­komm­nis­se der unan­ge­neh­men Art kamen wir im spa­ni­schen Hafen von Alge­ci­ras an. Ohne Kon­trol­le wurden wir durch den Zoll gewun­ken und steu­er­ten, wie wohl fast alle die aus Marok­ko kommen, einen großen Super­markt an. Debbi stieß später am Abend noch zu uns und wir ver­brach­ten die letz­ten gemein­sa­men Stun­den mit­ein­an­der, denn von morgen ab soll­ten sich unsere Wege tren­nen. Für uns geht’s nach Por­tu­gal und für Debbi zurück in die Schweiz.

Rückreise Europa Portugal

Danke Debbi für diese coole Tour und eine unver­gess­li­che Zeit. 😍

Verfasst von
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4 Kommentare

  • Hallo Hans,
    ich denke alte Lkws von Mer­ce­des sind nahezu immer eine gute Wahl. Alles Infor­ma­tio­nen zu unse­rem, fin­dest du im pas­sen­den Bei­trag. Schau mal hier https://campofant.com/mercedes-911
    Ist ein Diesel und dank H-Kenn­zei­chen darf man damit auch in die Städte fahren.

  • ich suche einen alten zuver­la­es­si­gen Mer­ce­des zum Reisen und Dau­er­woh­nen. Any Tips was taugt und was nicht? Was fuer ein Modell ist der Eurige? Der gefa­ellt mir. Ver­brauch ? Kann man damit in Sta­ed­te? Diesel?

  • Na dann nichts wie los 🙂 Danke, diese Ecke von Marok­ko war auch unglaub­lich beein­dru­ckend, das können die Bilder gar nicht rüber­brin­gen. 😀 Denk an uns, wenn du da unter­wegs bist. 🙂

  • Ich MUSS auch in das Tal der Glücklichen!!
    Euer Bericht hört sich wieder super an und die Fotos sind ein­fach fantastisch.

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