Antisch­lin­ger­kupp­lung: Nach­rüs­ten, War­tung, Pflege…

Antischlingerkupplung, Anhängerkupplung

Den meis­ten Unfäl­len mit einem Gespann geht ein Auf­schau­keln des Wohn­wa­gens oder Anhän­gers voraus. Aus diesem Grund werden gerade neue Wohn­wä­gen bereits ab Werk mit einer Antisch­lin­ger­kupp­lung aus­ge­lie­fert. Bei älte­ren Model­len fehlt diese Sicher­heits­ein­rich­tung meis­tens und auch viele Anhän­ger sind ohne Antisch­lin­ger­kupp­lung unter­wegs. Welche Vor­tei­le bietet eine Zug­ku­gel­kupp­lung mit Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe und wie funk­tio­niert sie? Welche Pflege ist nötig und warum sollte man über ein Nach­rüs­ten nach­den­ken, wenn keine mon­tiert ist?

Funk­ti­ons­wei­se einer Antisch­lin­ger­kupp­lung

Genau wie die nor­ma­le Zug­ku­gel­kupp­lung stellt die Antisch­lin­ger­kupp­lung eine Ver­bin­dung mit Deinem Zug­fahr­zeug her. Der Schließ­me­cha­nis­mus rastet ein, und ver­hin­dert ein Absprin­gen vom Kugel­kopf. Die Ver­bin­dung ist aber nicht starr, da wir ja sonst keine Kurven mit unse­rem Gespann fahren könn­ten. Aller­dings hat diese unge­hemm­te Bewe­gungs­frei­heit einem sich auf­schau­keln­den Wohn­wa­gen nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Um diese unge­woll­ten Bewe­gun­gen abzu­mil­dern, werden Zug­ku­gel­kupp­lun­gen mit Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe ein­ge­setzt.

Hier­für sind Reib­be­lä­ge ver­baut, welche diese Bewe­gungs­frei­heit ein­schrän­ken. Mit­hil­fe eines Hebel­me­cha­nis­mus und Druck­fe­dern werden diese Reib­be­lä­ge an den Kugel­kopf gedrückt und Brem­sen jeg­li­che Dreh- und Nick­be­we­gun­gen aus. Die Ver­bin­dung ist aber nach wie vor nicht starr, son­dern wird ledig­lich ver­zö­gert. Man kann es unge­fähr mit den Brem­sen an unse­ren Fahr­zeu­gen ver­glei­chen.

Vor­tei­le der Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe

Die Vor­tei­le liegen auf der Hand. Nie­mand braucht einen schlin­gern­den Wohn­wa­gen hinter sich. Gerade bei Sei­ten­wind, höhe­ren Geschwin­dig­kei­ten oder schlech­ten Stra­ßen­ver­hält­nis­sen wird ein Auf­schau­keln begüns­tigt. Die Antisch­lin­ger­kupp­lung hilft dabei, seinen Anhän­ger im Zaum zu halten. Ebenso wird eine schlecht ein­ge­stell­te Stütz­last kom­pen­siert. Aller­dings sollte man die Stütz­last trotz dieser Sicher­heits­ein­rich­tung auf den maxi­ma­len Wert ein­stel­len. In meinem Bei­trag Stütz­last am Wohn­wa­gen habe ich bereits aus­führ­lich dar­über geschrie­ben.

Wenn man z. B. mit einem Pfer­de­an­hän­ger unter­wegs ist, hat man nicht immer Ein­fluss auf die Bewe­gun­gen des Tieres. Auch hier kann die Schlin­ger­kupp­lung die Fahr­si­cher­heit erhö­hen.

Pflege Hin­wei­se und War­tung rund um die Antisch­lin­ger­kupp­lung

Der War­tungs­auf­wand ist sehr gering und Defek­te sind selten. Es gibt aber trotz­dem ein paar Klei­nig­kei­ten zu beach­ten, um die Funk­ti­ons­tüch­tig­keit zu gewähr­leis­ten und unlieb­sa­me Über­ra­schun­gen zu ver­hin­dern.

Ver­schleiß kon­trol­lie­ren

Wie die Brems­be­lä­ge an unse­rem Zug­fahr­zeug ver­schlei­ßen auch die Reib­be­lä­ge in der Schlin­ger­kupp­lung. Eine pau­scha­le Aus­sa­ge über die Halt­bar­keit kann aber nicht getrof­fen werden, da sehr viele Fak­to­ren eine Rolle spie­len. Man kann es wieder mit den Brem­sen unse­res Autos ver­glei­chen. Jeder Fahrer fährt anders und bean­sprucht seine Brem­sen unter­schied­lich. Fahre ich nur auf der Auto­bahn, bin ich viel im Gebir­ge unter­wegs oder auf Land­stra­ßen in Frank­reich, wo ein Kreis­ver­kehr den nächs­ten jagt? Diese und noch wei­te­re Fak­to­ren beein­flus­sen die Halt­bar­keit.

Wir haben an unse­rem Wohn­wa­gen die Reib­be­lä­ge auch nach 8-jäh­ri­ger Benut­zung und einer Fahr­leis­tung von ca. 40.000 km nicht tau­schen müssen. Andere berich­ten, dass bereits nach 25.000 km ein Wech­sel nötig war.

Bei der AL-KO AKS 2004 oder AKS 3004 gibt es eine Mar­kie­rung, an der man den Ver­schleiß erken­nen kann. An der Win­ter­hoff WS 3000 ist eben­falls eine Ver­schleiß­an­zei­ge zu finden. Am besten stu­diert man seine Bedie­nungs­an­lei­tung, um nähere Infos zu bekom­men. 

Neues Zug­fahr­zeug bzw. neue Anhän­ger­kupp­lung

Neue Anhän­ger­kupp­lun­gen sind meist mit einem Schutz­lack über­zo­gen. Dieser Schutz­lack muss vor dem ersten Benut­zen vom Kugel­kopf ent­fernt werden. Sollte man das ver­pas­sen, wird sich der Lack nach der ersten Fahrt lösen und die Reib­be­lä­ge ver­schmut­zen. Das kann zu einer ver­min­der­ten Wir­kung der Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe führen und unter ande­rem Quietsch­ge­räu­sche ver­ur­sa­chen.

Den Lack ent­fernt man am besten mit einem Schleif­pa­pier.

Quietsch­ge­räu­sche behe­ben

Quietsch­ge­räu­sche an der Antisch­lin­ger­kupp­lung können ganz schön ner­vend sein. In den meis­ten Fällen hilft es, die Reib­be­lä­ge mit einem 400er Schleif­pa­pier von Ver­schmut­zun­gen zu befrei­en und anschlie­ßend mit einem Brem­sen­rei­ni­ger zu ent­fet­ten. Außer­dem sollte der Kugel­kopf der Anhän­ger­kupp­lung mit Schleif­pa­pier behan­delt werden und danach eben­falls mit Brem­sen­rei­ni­ger ent­fet­tet werden. In den meis­ten Fällen sind danach die Geräu­sche weg. Sollte das Pro­blem wei­ter­hin bestehen, hilft nur der Aus­tausch der Reib­be­lä­ge oder laute Musik.

Nie­mals Fett oder Öl auf den Kugel­kopf auf­brin­gen, wenn man eine Antisch­lin­ger­kupp­lung benutzt, da sonst die Sta­bi­li­sie­rungs­wir­kung auf­ge­ho­ben wird.

Soll man beim ran­gie­ren die Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe aus­schal­ten?

Wenn man mit dem Anhän­ger ran­giert, kann man den Hebel der Sta­bi­li­sie­rungs­hil­fe öffnen. Der Vor­teil ist, dass die Reib­be­lä­ge nicht gegen das Fahr­zeug arbei­ten und der Ver­schleiß ver­rin­gert wird. Wobei ich per­sön­lich diese Ein­spa­rung für mar­gi­nal halte. Ran­gie­ren geht auch mit akti­ver Antisch­lin­ger­kupp­lung.

Wohn­wa­gen von Hand ran­gie­ren

Beim Ran­gie­ren von Hand sollte der Hebel­me­cha­nis­mus der Antisch­lin­ger­kupp­lung nie­mals als Griff miss­braucht werden. Auf Dauer hält er dieser Bean­spru­chung nicht stand. Abge­bro­che­ne Hebel kommen durch­aus öfter vor, gerade wenn man seit­lich zieht.

Antisch­lin­ger­kupp­lung nach­rüs­ten

Das Nach­rüs­ten ist bei fast allen Wohn­wä­gen und Anhän­gern mög­lich. Im Lie­fer­um­fang sind auch Mon­ta­ge­an­lei­tun­gen und Befes­ti­gungs­ma­te­ri­al dabei. Wer es sich zutraut, hand­werk­li­ches Geschick und das pas­sen­de Werk­zeug besitzt, kann es auch selbst machen, aber nur wenn man sich wirk­lich sicher ist. Wenn nicht sollte man die Kupp­lung besser in einer Fach­werk­statt ein­bau­en lassen.

Die gän­gigs­ten Model­le sind die „Win­ter­hoff WS 3000″ und die AL-KO AKS 3004. Beide haben in Tests sehr gut abge­schnit­ten. Wir per­sön­lich hatten an unse­rem Wohn­wa­gen eine AL-KO AKS 2000 mon­tiert, mit der wir auch sehr zufrie­den waren. Aller­dings war sie im Ver­gleich zu den neue­ren Model­len nicht mehr auf dem neu­es­ten Stand. Aber beim Nach­rüs­ten der Antisch­lin­ger­kupp­lung sollte man gleich eines der neue­ren Model­le ein­bau­en.

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Anzei­ge

Bei einer 100 km/h Zulas­sung ist eine Antisch­lin­ger­kupp­lung eben­falls emp­foh­len und unter bestimm­ten Mas­se­ver­hält­nis­sen zwi­schen Anhän­ger und Zug­fahr­zeug Pflicht. Genaue­re Infos zu diesem Thema findet man z. B. beim TüV Nord.

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14 Kommentare

  • Hallo Karl,

    WD-40 kann auch zur Rei­ni­gung ver­wen­det werden, dass ist mir bekannt. Aber bitte nicht auf Reib- oder Brems­be­lä­ge. 🙂 Das Zeug schmiert ziem­lich gut. Hatte gerade die Tage ein klei­nes Mal­heur beim ölen meiner Bow­den­zü­ge am Fahr­rad. Dabei ist mir ein biss­chen WD-40 auf die Bremse gekom­men. Gebremst hat anschlie­ßend nicht mehr viel. 😀

    Viele Grüße

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    mir erzähl­te ein Camper, daß für die Pflege der AS-Kup­pung und des Kupp­lungs­kop­fes die Pflege mit WD 40 Öl neu­er­dings emp­foh­len werde, da diese Öl auch den Abriebs­taub auf­lö­sen würde. Ist mir etwas suspekt. Angeb­lich solle man das Öl wieder abwi­schen, die Reste würden aber schnell ver­flie­gen. Ist Dir dar­über etwas bekannt?
    Danke.

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