Erg Chebbi 2018

Erg Chebbi Tour: Mit und ohne 4×4 um die Sanddünen

Heute ist es soweit, wir werden nach zwei Jahren Absti­nenz wieder in Merz­ou­ga auf­schla­gen. Alle wollen end­lich in den großen Sand­kas­ten ein­tau­chen. Manch einer taucht viel­leicht auch zu tief ein, aber wir wollen ja nichts vor­weg­neh­men. Zuvor müssen wir noch gut 100 Kilo­me­ter auf Asphalt zurück­le­gen. Los geht’s mit unse­rer Erg Chebbi Tour, ein Mal mit und ein Mal ohne 4×4.

Auf gehts zum rich­ti­gen Sand

Nach einem aus­gie­bi­gen Früh­stück star­ten wir die Moto­ren. Unser letz­ter Schlaf­platz bot bereits einen klei­nen san­di­gen Vor­ge­schmack. Aber weder für uns, noch für die Vario­mann­schaft, war diese über­zu­cker­te Piste eine Herausforderung.

überzuckerte Piste

So erreich­ten wir nach kurzem Gehol­per wieder die Straße. Wie in den Tagen davor gab es kaum Ver­kehr und so ver­ging die Fahrt wie im Fluge. Das Ein­zi­ge was uns etwas aus­brems­te, waren die teils aben­teu­er­li­chen Schlag­lö­cher, Abbruch­kan­ten und Straßenverläufe.

Ich hätte da ein biss­chen Müll

Ent­we­der haben wir eine fal­sche Erin­ne­rung, oder es gibt wirk­lich weni­ger Müll­ei­mer am Stra­ßen­rand. Egal wie man es wendet, wir müssen lang­sam einen Müll­ei­mer finden. Nach­dem Ziva, die süße Hun­de­da­me aus dem Vario, zur Staub­sauge­rei ten­diert, landet auch der Gute Bio­müll im sonst nur für Rest­ab­fäl­le bereit­ste­hen­dem Behält­nis. Wir haben in der Dusch­wan­ne bereits zwei gefüll­te Müll­sä­cke liegen und auch der Dritte kün­digt bereits eine leich­te Über­fül­lung an. Von der Toi­let­te will ich gar nicht erst reden. Aber selbst schuld, in Mar­ra­kesch hätten wir ja die Gele­gen­heit gehabt. Aber in Ris­sa­ni finden wir dann auch die ersehn­te Rund­ab­la­ge. Ging ja gerade noch­mal gut, so kurz vor dem Sandkasten.

Fazit: Müll leeren, wenn ein Abfall­ei­mer ver­füg­bar ist.

Da vorne sind die Sand­hü­gel und Hunger haben wir auch

Nach Ris­sa­ni geht es auf der RN17A weiter in Rich­tung Merz­ou­ga. Ab hier brau­chen wir eigent­lich kein Navi mehr. Zum einen erin­nern wir uns noch leb­haft an unse­ren letz­ten Besuch, zum ande­ren kann man dank der Dünen am Hori­zont den Sand­kas­ten gar nicht mehr verfehlen.

Merzouga Erg Chebbi, Dünen

Und doch hat sich in den letz­ten zwei Jahren eini­ges ver­än­dert. Neue Gebäu­de  säumen bereits vor dem Orts­schild den Weg und so manche Bau­stel­le lässt das ein oder andere neue Hotel bzw. Auber­ge ver­mu­ten. Unser Ziel steht jetzt schon fest. Wir möch­ten mit­tags gemüt­lich Essen und anschlie­ßend ein biss­chen am Sand fühlen. Nach­dem wir keine Food­blog­ger sind, erspa­ren wir euch hier das gefühlt drei­hun­dert­sie­ben­und­fünf­zigs­te Taji­ne­bild. Bei mir gab es eh nur Hühn­chen am Spieß. :-D.

“Das Taji­ne­bild erspa­re ich euch nicht. Um ein Bild von meinem lecke­ren Berber-Ome­lette kommt ihr nicht drum­rum. Denn was wäre ein Land ohne seine kuli­na­ri­schen Köst­lich­kei­ten?”, sagt Robby.

Berber Omelette

Gewür­ze, Cam­ping­platz, 4×4-Touren, …

Nach einem aus­gie­bi­gen Mahl ist der Gewürz­la­den das nächs­te Ziel. Robby will unbe­dingt Ras el-Hanout kaufen, was sie auch bekommt.

Tipp: Diese lecke­re Gewürz­mi­schung soll­tet ihr auf jeden Fall mal pro­bie­ren. Sie bringt nord­afri­ka­ni­schen Flair auf den Teller.

Gewürzmischung Ras el-Hanout

Auf dem Weg zurück erge­ben sich wei­te­re Gesprä­che mit dem ein oder ande­ren Händ­ler, Laden­be­sit­zer, Kamel­tour­ver­mie­ter, 4X4 Off­road-Tour-Anbie­ter, Fos­si­li­en­ver­käu­fer und Cam­ping­platz­be­sit­zer. Hier ist es sehr tou­ris­tisch, was wir sofort merken.

Merzouga

Aber das gehört zu einem Besuch in Marok­ko ein­fach mit dazu.

Und trotz­dem wurden wir gefühlt deut­lich sel­te­ner ange­spro­chen, als noch vor zwei Jahren. Viel­leicht sieht man uns bereits an, dass wir schon die ein oder andere Erfah­rung sam­meln konn­ten. Es könnte aber auch daran liegen, dass der Vario von Tanja und Andre “hilfs­be­dürf­ti­ger” aus­sieht als unsere alte, gelbe Kiste. 🙂

Sand­förm­chen gefällig?

“Na dann wollen wir mal”, so klang es über Funk von der Vario­crew, bevor sie über­ra­schend links abbog.

Vario Sand

Ein klei­nes Stück außer­halb von Merz­ou­ga bietet sich die Gele­gen­heit, um die ersten Schrit­te im Sand zu wagen.

Die Erkennt­nis, dass ein Vario mit vollem Rei­fen­druck nicht zur Fahrt im Weich­sand taugt, wird schnell für alle ersicht­lich. Noch ehe wir uns ver­se­hen, steht das weiße Wohn­mo­bil und die Crew steigt aus.

Wohnmobil Erg Chebbi

Ich lasse Andre erst mal in Ruhe seine Schau­fel aus­pa­cken, schnap­pe mir Emily und suche die Dünen nach einem Stell­platz ab, was sich aller­dings nicht als wirk­lich erfolg­reich rausstellte.

Als ich zurück­keh­re, kommt bereits der erste Ein­hei­mi­sche mit seinem Moped ange­fah­ren und bietet seine Hilfe an. Ich erklä­re, dass wir hier alles im Griff haben und es sich um ein Bud­del­trai­ning im Sand handelt.

Irgend­wie schon gemein, Robby und Tanja sichern sich die besten Plätze, filmen und machen Fotos. Ich unter­hal­te mich mit dem Local über die beste Mög­lich­keit unse­ren “Dicken” zu positionieren.

Fanti positionieren

Andre schau­felt und legt die Sand­boards unter die Reifen. Zumin­dest ein Mal wollen wir ver­su­chen, ob er sich ohne zusätz­lich Hilfe aus der san­di­gen Lage befrei­en kann.

Vario ausgraben

Doch schnell wird klar, das klappt leider nicht.

Die Luft ist nur aus den Reifen raus

Andre bud­delt erneut seine Reifen frei. Meine Wenig­keit besorgt das Ber­ge­seil und lässt schon mal ordent­lich Luft aus den Reifen. Es soll ja gleich mit Bra­vour und beim ersten Mal klap­pen. Wäre ja schon pein­lich, wenn wir uns jetzt selbst ein­gra­ben würden.

Erst einen auf “Yellow Truck Tours” Rei­se­lei­tung machen, die Backen ganz dick auf­bla­sen und dann fest­fah­ren. Ne, das möchte ich uns ersparen. 😀

Ich würde jetzt gerne was total Spek­ta­ku­lä­res erzäh­len, von großen Pro­ble­men und Momen­ten der Ver­zweif­lung, aber daraus wird nix.

Vario rausziehen

Wir haben das Ber­ge­seil am Vario befes­tigt und ihn ein­fach ohne Mühe raus­ge­zo­gen. Fühlte sich an, als würde wieder der Corsa vom letz­ten Stau­see dran­hän­gen. Ich bin selbst total über­rascht, wie ein­fach das ging. Immer­hin bringt das Wohn­mo­bil von Tanja und Andre auch 7,5 Tonnen auf die Waage. Aber gut, dass wir es getes­tet haben. Damit steht dem nächs­ten Aben­teu­er nichts mehr im Weg.

Nur kurz hinter die Dünen

Zwi­schen den Dünen ist leider kein pas­sen­des Plätz­chen zu finden. Aber unsere Mit­fah­rer haben bereits ein neues Ziel auf der Liste, wel­ches ihnen zuge­spielt wurde. Offen­sicht­lich sollen diesen Weg bereits andere 2×4 Fahr­zeu­ge bewäl­tigt haben. Also ver­las­sen wir Merz­ou­ga und steu­ern den besag­ten Platz an.

mit 2x4 um Erg Chebbi

Natür­lich ist dieser nur über Pisten zu errei­chen. Wir lassen die beiden machen und klem­men uns ein­fach gemüt­lich hinten dran.

Hinter den Dünen meinte aller­dings 20 Kilo­me­ter hinter den Dünen auf der Rück­sei­te von Erg Chebbi. Die Zeit gibt es aber her, wir haben schließ­lich noch gut eine Stunde bis Sonnenuntergang.

Erg Chebbi Tour ohne 4x4

Es geht über stau­bi­ge Pisten, vorbei an ver­las­se­nen Häu­sern, die sich als doch nicht ver­las­sen her­aus­stell­ten. Und das war es wieder, ein Weich­s­and­feld. Um uns nicht sinn­los zu ver­har­zen, stieg Andre bei mir ein und wir erkun­de­ten die nähere Umgebung.

Erg Chebbi Rundtour

Es fand sich eine pas­sen­de Piste, die trotz Sand mach­bar schien.

Die erste Nacht im Sand

Pas­send zum Son­nen­un­ter­gang errei­chen wir die Ost­sei­te von Erg Chebbi. Wir nisten uns in gutem Abstand zu einem der Dünen­camps ein. Soll ja auch nur für eine Nacht sein. Gestört haben wir offen­sicht­lich nie­man­den, nach­dem sie uns mit einem freund­li­chen “Salam” begrüß­ten und nicht weiter beach­te­ten. Es waren noch einige Leute hier unter­wegs und alle schie­nen auf den Son­nen­un­ter­gang zu warten.

Sonnenuntergang Ostseite Erg Chebbi

Wir spa­zier­ten noch kurz über die Dünen, fühl­ten den mitt­ler­wei­le kalten Sand zwi­schen den Füßen und setz­ten uns noch gemüt­lich mit einer Dose Bier in den Sand. Tja, und dann kam Luna über den Hori­zont gekro­chen. Ich kann mich nicht erin­nern, den Mond jemals so groß gese­hen zu haben.

Vollmond Erg Chebbi

Ich trom­mel dir mal eine

Die Dünen­camps schie­nen gut besucht. Kurz nach Son­nen­un­ter­gang ging die Party los. Die Zelte waren beleuch­tet und in ihrem inne­ren gab es Musik, Trom­meln und Gesang. Offen­sicht­lich kann man sich dort nach einer Kamel­tour ein­mie­ten und eine Nacht in der Wüste ver­brin­gen. Unse­ren Schlaf haben wir den­noch bekom­men. Gegen 23 Uhr war alles still und nur noch der Voll­mond erhell­te die Wüste.

Unge­plan­te Erg Chebbi Tour

Das man so ein­fach und spon­tan zu einer Erg-Chebbi-Umrun­dung kommt, hätte von uns nie­mand gedacht. Die Lebens­mit­tel­kis­te ist zwar nicht bis zum Rand gefüllt, aber es wird über Weih­nach­ten nie­mand ver­hun­gern oder ver­durs­ten. Das Weih­nachts­es­sen in Form von Pizza stand vorher schon fest und die benö­tig­ten Zuta­ten wurde bereits recht­zei­tig in den Lade­räu­men der Rei­se­lei­tung ver­staut. Jetzt fehlt nur noch der pas­sen­de Platz zwi­schen den Dünen.

Platz in den Dünen

So machen wir uns nach einer erhol­sa­men Nacht auf zur spon­ta­nen Erg Chebbi Umrun­dung. Die Piste wech­selt zwi­schen klei­nen Weich­s­and­pas­sa­gen, Welch­blech- und Stein­pis­ten. Der Vario macht dank abge­senk­tem Luft­druck eine sehr gute Figur. Nur das Wasch­brett scheint nicht beson­ders viel Spaß zu machen, aber das macht in keinem Fahr­zeug Laune.

Ein klei­ner Dünenhopser

Nach knapp zwei Stun­den und ein paar Umwe­gen finden wir wieder eine Piste, die zu den Dünen führt.

Rundtour Erg Chebbi

Auch hier gibt es Luxus­camps, die sich rund um die Dünen ver­tei­len. Wir schlän­geln uns gezielt zwi­schen Weich­s­and­fel­dern durch und erkun­den die Umge­bung. Jetzt will es die Vario-Crew noch einmal wissen und steu­ert auf eine kleine Mini-Düne zu. Ohne große Schwie­rig­kei­ten zieht das weiße Wohn­mo­bil durch den wei­chen Sand und kommt auf der ande­ren Seite zum Stehen.

Düne mit 2x4

Ich glaube, ab diesem Moment war das Eis gebro­chen. Der Respekt vor zu wei­chem Sand weicht und Andre hopst noch in der ande­ren Rich­tung durch das Sand­feld. Respekt, das Ding kann wirk­lich was.

Auch Fanti ist unheim­lich stolz auf seinen klei­nen Bruder und so gon­deln sie hin­ter­ein­an­der weg noch ein paar Dünen weiter.

Vario Kurzhauber

Zwi­schen den etwas höhe­ren Kan­di­da­ten werden wir fündig.

Weih­nach­ten in der Wüste

Genau hier werden wir unser Quar­tier für die nächs­ten Tage einrichten.

Dünencamp Erg Chebbi

An den Aben­den kommen meist Kamel­tou­ren an uns vorbei, welche wie schon beim Schlaf­platz vorher, Über­nach­tungs­gäs­te in die Camps brin­gen. Wir stehen aller­dings so weit weg, dass sich auch hier nie­mand für uns interessiert.

Erg Chebbi, Marokko

Wir erle­ben irre Son­nen­auf­gän­ge und tolle Son­nen­un­ter­gän­ge. Es gibt Pizza in der Wüste und Dünenspaziergänge.

Sonnenuntergang Erg Chebbi

Ende Gelän­de

Auch die schöns­te Zeit geht zu Ende und so been­den wir unsere kleine Rund­fahrt um Erg Chebbi. Wir machen uns auf die Socken und fahren die letz­ten 20 Kilo­me­ter Piste, bis wir wieder auf Asphalt stoßen. Damit es aber nicht zu lang­wei­lig wird, nehmen wir eine Abkür­zung und landen in einem offen­sicht­lich von Poli­zei und Mili­tär gesperr­tem Gelän­de. Mit freund­li­cher Miene und Eskor­te werden wir wieder auf die regu­lä­re Piste begleitet.

Wie­der­se­hen in der Auber­ge Liberte

Jetzt sind es noch 25 Kilo­me­ter bis nach Merz­ou­ga. Bevor unsere nächs­te Tour star­tet, müssen wir drin­gend Lebens­mit­tel besor­gen und unse­ren Camper ver­sor­gen. Wo es hin­ge­hen soll, wissen wir schon. Wir fahren zur Auber­ge Liber­te. Diese liegt am Rand von Merz­ou­ga. Die Begrü­ßung ist herz­lich. Er kann sich wirk­lich noch an uns und unse­ren gelben Fanti erinnern.

Camping Auberge Liberte

Zur Begrü­ßung gibt es Tee und gesal­ze­ne Nüsse. Ich für meinen Teil gönne mir jetzt erst­mal eine Dusche. So stau­big möchte ich nicht zum gemein­sa­men Abend­essen gehen. Für euch haben wir noch ein paar Impres­sio­nen von unse­rem aktu­el­len Stand­ort, bevor es dann weiter geht.

Was wie wo, das erfahrt ihr im nächs­ten Reisebericht.

4 Kommentare

  1. Hallo Stefan, Ich bin gerade dabei meine Kabine zu bauen, das bekomme ich auch alles hin aber das mit dem Solar....da habe ich echt keinen Plan von und das ist in meinen Augen auch echt kompliziert, ich habe eine Dachfläche von ca. 2300 mm x 4000 mm da müssen noch Fenster rein und Satanlage und man hat mir gesagt ich brauche um auf Strom kochen zu können und Kaffeeautomat und TV betreiben zu können Minimum 1000 Watt besser 1400Watt auf dem Dach gibt es so was und was braucht man alles dazu? Kosten alles zusammen ca? Lohnt sich das?Kannst du mir vielleicht weiter helfen? Ich finde nix im Netz. Danke im voraus Toto
  2. Hallo ihr Zwei, unserer Hündin erging es gut. Auch sie liebt es in den Dünen zu laufen. Auf unserer letzten Tour haben wir nachts ein Mal einen Skorpion am Lagerfeuer gehabt. Sonst hatten wir mit diesen kleinen Tierchen keine Berührungspunkte. Dementsprechend gibt es natürlich ein minimales Risiko, welches man leider nicht eliminieren kann, außer der Wüste fernzubleiben und das ist für uns keine Option. Weitere Vorsichtsmaßnahmen o. Ä. ergreifen wir nicht. Viele liebe Grüße und danke für euren Kommentar. :)
  3. Nachdem wir vor wenigen Wochen auch dort waren, gefällt uns der Bericht ganz besonders. Schön wären auch ein paar Zeilen, wie es dem Hund gegangen ist. Unserer Hündin gefielen die Sanddünen besonders, obwohl wir bezüglich Skorpione etc. immer wieder ein wenig Sorge hatten. Einheimische meinten, dies wäre unbegründet, da noch niemals damit ein Hund Probleme hatte.

Kommentarfunktion geschlossen

Main Menu