Solaranlage Wohnmobil, Solar Rechner und Einbautipps

Solaranlage Wohnmobil, Solarladeregler

Bei unserer Restauration und dem Ausbau unseres Kurzhaubers blieb es natürlich nicht aus, sich in puncto Wohnmobil Solaranlage ein paar Gedanken zu machen. Ich möchte aufzeigen, welche Solaranlage wir auf dem Wohnmobil verbaut haben. Außerdem gibt es einen Solar Rechner, mit dem Du spielend deine eigene autarke Stromversorgung berechnen kannst. Warum kann ein B2B Laderegler sinnvoll sein und welche Vorteile bietet eine Batterieüberwachung? Ferner geben wir noch Tipps zum Einbau und der Montage.

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Dimensionierung der Wohnmobil Solaranlage

Unser Ziel besteht darin möglichst lange ohne externe Stromversorgung wie z.B. auf einem Campingplatz, stehen zu können und unseren Strombedarf überwiegend durch die Solaranlage auf dem Wohnmobil zu decken. Dabei ist es wichtig, seinen Verbrauch realistisch zu berechnen und seine Elektrik entsprechend zu planen. Beschönigungen bei der Berechnung helfen hierbei nicht wirklich und am Schluss bricht die Stromversorgung früher zusammen als geplant. Gerade in den Wintermonaten der nördlichen Hemisphäre ist es nicht ganz so leicht, seine Solaranlage zu 100% autark umzusetzen. Im Winter ist der Strombedarf meist höher als im Sommer, da man das Licht früher einschaltet oder den Lüfter für die Heizung betreibt. Der Platz auf dem Dach, auf dem die Solarpanele montiert werden können, ist begrenzt und vielleicht auch das Budget. Wenn der tägliche Strombedarf sehr hoch ist, sollte man sich überlegen, welche Verbraucher man eventuell aussortieren kann. Auch durch die Anschaffung von sparsameren Geräten kann ordentlich Strom eingespart werden.

 

Wie groß muss meine Solaranlage für die Stromversorgung theoretisch sein?

Nachdem wir jetzt wissen, wie viel Strom pro Tag verbraucht wird, kannst Du berechnen, wie viel WP die Solaranlage haben muss, um den täglichen Bedarf zu decken. In den Berechnungen sind bereits Verluste durch Erwärmung der Solarpanele eingerechnet. Ebenso Leistungsminderungen, welche die Verkabelung und die Umwandlung durch den  Solarladeregler entstehen. Wir gehen davon aus, dass die Solaranlage flach auf dem Dach montieren wird. Das ist zwar nicht der Idealzustand, lässt sich aber auf einem Reisemobil meist nicht anders lösen.

Alle Ergebnisse sind Durchschnittswerte. So hat man z. B. im Norden Deutschlands etwas weniger Ertrag, im Süden dafür etwas mehr. Für die anderen Regionen gilt das Selbe.

 

AGM Batterie, Gel oder LiFePo4?

Solaranlage Wohnmobil, Solarladeregler

Was beim Thema Stromversorgung nicht fehlen darf, ist die Aufbaubatterie. Sie gehört ebenfalls zur Solaranlage und speichert Sonnenenergie, welche abends oder nachts benötigt wird. Natürlich möchten wir auch bei schlechtem Wetter Strom zur Verfügung haben. Blei-Säure-Batterie, Gel, AGM oder vielleicht sogar eine LiFePo4? Jeder Typ hat seine Vor- und Nachteile. Wir haben unseren Verbrauch und unsere Gewohnheiten bei der Stromnutzung mit dem Solarrechner ermittelt. Dann stellt sich die Frage, welche Versorgungsbatterie für uns geeignet ist. Natürlich spielt auch das Budget eine Rolle.

Für mehr Infos zum Thema findest Du in unserem Beitrag „Aufbau Batterie

Wieviel Batteriekapazität und Solarleistung ist in der Praxis nötig?

Bis jetzt war alles sehr theoretisch, aber jetzt wollen wir uns genauer mit der Dimensionierung unserer Solaranlage und der Stromversorgung im Wohnmobil auseinandersetzen. Mit den berechneten Werten sollten wir einschätzen können, wie groß unsere Solarpanele sein sollte. Wie Du wahrscheinlich bemerkt hast, ist gerade in den Wintermonaten die Solarleistung zumindest in den nördlichen Breitengraden sehr eingeschränkt. Es gilt jetzt einen sinnvollen Kompromiss zischen Platz, Kosten, Standort und Jahreszeit zu finden. Außerdem sollten wir uns ansehen, wie groß unsere Batteriekapazität sein muss, um auch ein paar Tage ohne Sonnenschein „überleben“ zu können.

Solar Rechner


 

Unsere eigene Wohnmobil Solaranlage

Wohnmobil Solaranlage Schaltplan

Wir sichern unsere Stromversorgung durch drei 100 WP Solarpanele, welche die hauptsächliche Batterieladung durch einen MPPT-Solarladeregler von Votronic übernehmen. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 20 – 45 Ah pro Tag, sind wir von Frühling bis Herbst in Deutschland komplett autark (Sonnenschein vorausgesetzt) und unsere Batterie wird täglich vollgeladen. In den Wintermonaten halten wir uns vornehmlich in südlichen Gefilden auf. So sind wir in Spanien, Portugal und Marokko ebenfalls autark. Auch wenn die Tage kürzer werden, wird genügend Energie durch unsere Solaranlage in die AGM-Batterie geleitet.

MPPT- oder PWM-Solarladeregler?

MPPT-Regler holen mehr aus den Solarmodulen als PWM-Solarladeregler. Für die MPPT-Technologie mussten wir 1/3 mehr ausgeben, als für die PWM-Variante. Natürlich funktionieren beide Möglichkeiten, aber wenn man eh eine neue Solaranlage aufs Wohnmobil baut, lohnt sich der geringe Mehrpreis auf jeden Fall. Dafür wird man mit bis zu 20 % mehr Solarertrag belohnt, was wieder ein Schritt zu mehr Autarkie bedeutet.

Batteriemonitor, Stromversorgung überwachen

Strom im Wohnmobil

Um über den aktuellen Verbrauch auf dem Laufenden zu bleiben und die Stromversorgung dauerhaft sicherzustellen, verwenden wir den Batteriemonitor BMV-700 von Victron Energy. Er zeigt den aktuellen Ladezustand an und misst alle Ströme, die der Batterie entnommen werden. Auch Ladeströme, welche von der Solaranlage oder einem Ladegerät in die AGM-Batterie fließen, werden berücksichtigt. Ein Batteriemonitor gibt dir einen Überblick über deine verfügbaren Ressourcen und den damit verbundenen Ladezustand deiner Aufbaubatterie. Dazu wird ein sogenannter Shunt in die Minusleitung vor der Batterie geklemmt. Alle Verbraucher müssen über diesen Shunt laufen, damit entnommener oder zugeführter Strom erfasst werden kann. So kann man seine Aufbaubatterie vor Tiefenentladung schützen und rechtzeitig den „Stecker ziehen“.

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Eine schöne Spielerei ist auch der als Zubehör erhältliche Bluetooth Dongle**. Er kann entweder am BMV-700 Batteriemonitor oder am MPPT-Solarladeregler angeschlossen werden. Mithilfe einer Handyapp können die aktuellen Daten der Solaranlage direkt auf dem Smartphone oder Tablet überwacht werden.

Benötigtes Material

Nachdem wir jetzt wissen, wie groß unsere Solaranlage sein soll, können wir uns das passende Material besorgen. Ich habe hier eine Liste mit den von uns verwendeten Bauteilen erstellt, um unsere 300 WP Solaranlage nachzubauen. Die Kabellängen und die Anzahl der MC4-Solarstecker können je nach Montageort variieren.

MengeMaterialPreis(je Stück)
3x

Solarpanel 100WP Mono**

119,90 Euro
1x

Votronic MPPT 350 Solar Laderegler 350W 21A**

165,42 Euro
1x

Dachdurchführung, Kabeldurchführung**

11,29 Euro
3x

Halteecken für Solarmodule**

 39,50 Euro
2x

Sika-Klebeset**

39,90 Euro
10 m

H07RN 6,0qmm Solarkabel**

3,99 Euro
2x

MC4 Y-Solarstecker**

7,99 Euro
1-5x

MC4 Solarstecker**

4,45 Euro
1x

10 Kabelschuhe Elektroflachhülsen**

4,99 Euro
1x

Victron Energy Batterie Monitor BMV-700**

135,86 Euro
 1x

VOTRONIC Temperatur-Sensor**

13,10 Euro
 1x

Batterie Polklemmen**

14,99 Euro
**Affiliate Link/Anzeige

 

Natürlich ist auch möglich, sich ein Komplettpaket zu bestellen. Die hier gezeigten Wohnmobil Solaranlagen enthalten ebenfalls vernünftige Bauteile, um eine gute Solarleistung zu erzielen.


Tipps zum Einbau der Solaranlage

Wenn wir unsere Bauteile besorgt haben, geht es an den Einbau unsrer Solaranlage. Wer ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringt, kann seine Solaranlage selbst montieren. Wir möchten Dir noch ein paar Tipps an die Hand geben, damit die Montage gelingt.

Benötigtes Werkzeug

  • Akkuschrauber
  • Bohrer
  • Schraubendreher
  • Seitenschneider
  • Crimpzange
  • Hammer
  • Körner

Kleben oder schrauben?

Kleben ist ganz klar einer Verschraubung vorzuziehen. Zum einen birgt jedes Loch in der Außenhaut eine Gefahr für Undichtigkeiten, zum anderen ist eine Verklebung deutlich stabiler. Man sollte sich für eine Befestigungsvariante entscheiden. Gleichzeitiges Kleben und Schrauben ist nicht sinnvoll, da durch das Festziehen der Schrauben der Kleber unter den Halteecken verdrängt wird. Damit wird die Verklebung quasi nutzlos.

Dach reinigen

Um eine vernünftige Verklebung zu gewährleisten, muss das Dach an den Montagepositionen gründlich gereinigt werden. Dazu wird mit Schwamm, Wasser und Spülmittel der grobe Schmutz entfernt. Danach  mit Alkohol die Klebestellen gereinigt. Die Haltbarkeit der Klebeverbindung ist von einer sauberen Vorbereitung abhängig. Wenn die Verschmutzungen sehr hartnäckig sind, kann auch mit feinem Schleifpapier gearbeitet werden. Die Klebestellen müssen anschließend komplett schmutz-, staub- und fettfrei sein.

Klebstoff auftragen und Solarmodule montieren

Bevor der Kleber aufgetragen wird, müssen die Klebestellen noch mit dem beiliegenden Aktivator behandelt werden. Nun kann die Dichtmasse raupenförmig auf die Klebestellen aufgetragen werden. Am besten ist man beraten, wenn man sich genau an die beiliegende Anleitung hält. Gerade die Verarbeitungstemperatur sollte nicht über- oder unterschritten werden. Auch die Trocknungszeiten sind unbedingt einzuhalten.

Abschatten bei Montage

Wenn wir unsere Solaranlage im freien montieren, sollte die Module z.B. mit einem Karton abgeschattet werden. So beugt man Kurzschlüssen vor, da die Module in der Sonne ja Strom liefern.

Weitere Details zu unserer Stromversorgung

Neben der eigentlichen Solaranlage, welche die Hauptaufgabe unserer autarken Stromversorgung übernimmt, haben wir noch ein paar weitere Geräte verbaut, welche uns das Leben durchaus erleichtern.

Batterie zu Batterie Ladegerät

Falls die Leistung der Solaranlage bei schlechtem Wetter nicht ausreicht, verwenden wir  einen B2B-Ladebooster. Damit können wir unsere Aufbaubatterie auch während der Fahrt vollladen. Nachdem unser LKW über ein 24V Netz verfügt und der Aufbau mit einer 12V Solaranlage realisiert wurde, muss die Ladespannung von 24v auf 12V transformiert werden. Auch das übernimmt der Ladebooster. Außerdem schafft unsere Lichtmaschine, Bauart bedingt, keine Vollladung der Batterie. Dafür ist eine entsprechende IUoU Ladekennlinie nötig, welche ebenfalls von dem Gerät bereitgestellt wird. Unter anderem trennt der Booster auch Startbatterien von den Aufbaubatterien, wenn die Lichtmaschine keinen Strom mehr liefert. Eine Trennung ist nötig, um eine Entladung der Starterbatterie durch die Aufbaubatterie zu verhindern.

Wenn es nur um eine Trennung der beiden Batterien geht, genügt auch ein sogenannter Batterietrennschalter**. In unserem Oldtimerl ist aber noch eine Gleichstromlichtmaschine mit wenig Leistung verbaut. So durfte unser Fahrzeug seine alte Lichtmaschine behalten und wir bekommen auch während der Fahrt genügend Strom in unsere Aufbaubatterie.

Landstrom, Ladegerät und Vorrangschaltung

Wenn wir doch ein mal Landstrom benötigen, weil lang anhaltendes Regenwetter unsere Solaranlage außer Betrieb setzt, wurde noch ein Batterieladegerät verbaut, welches unsere Stromversorgung sicherstellt. Die Elektrik wurde so angepasst, das bei Einspeisung von Landstrom der Kühlschrank mit 230V betrieben wird, ein Ladegerät anspringt und die AGM Batterien lädt. Zeitgleich wird der Spannungswandler durch eine Vorrangschaltung** von den 230V Steckdosen getrennt und der Landstrom in das Bordnetz eingespeist.

Spannungswandler

Natürlich haben wir auch eine 230V Stromversorgung integriert. Realisiert wird das Ganze durch einen Spannungswandler, der aus 12V 230V reinen Sinus macht und dauerhaft 1000W liefern kann. Das reicht auf  jeden Fall, um unsere Flex zu betreiben, den Akkuschrauber zu laden und unsere Notebooks oder die elektrische Zahnbürste nutzen zu können. Dazu wurden dem Aufbau mehrere 230V Steckdosen spendiert. Für weitere Infos empfehlen wir unseren Beitrag über Wechselrichter.

LED Deckenleuchten

Der ganze Aufbau ist mit LED Deckenleuchten ausgestattet, um den Stromverbrauch niedrig zu halten und die autarke Stromversorgung zu ergänzen. Es sind insgesamt 12 Lampen verbaut, die bei 12V  je 1 Watt Leistung aufnehmen. Die Steuerung des Lichts erfolgt über eine Kreuzschaltung mit 3 Schaltern. Einer am Einstieg, einer am Durchgang und einer am Bett.

Wechselschalter, Kreuzschalter, Wechselschaltung, Kreuzschaltung, Schaltplan

USB Steckdosen

Wir haben vor Kurzem noch USB Steckdosen im Aufbau montiert. Die meisten Geräte, wie Handy, GoPro und Router lassen sich bequem per USB Kabel laden. Eine absolute Bereicherung in unserem Aufbau.

Linchview Einbau-USB-Steckdose 5V 4,2A (12V/24V)

Preis ab: 17,95 Euro

Sie sparen: EUR 6,50 (36 %)

(6 Kundenrezensionen)

 

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Strom sparen

Trotz unserer weitestgehend autarken Stromversorgung, versuchen wir Strom zu sparen. Akkus für Handy, Laptop und Rasierer am besten tagsüber laden, wenn genügend Solarleistung zur Verfügung steht. Ladegeräte sollten vom Netz genommen werden, wenn sie nicht benötigt werden. Gegebenenfalls kann man auch den Spannungswandler ausschalten, wenn gerade keine 230V Stromversorgung im Wohnmobil nötig ist. Noch besser ist es, 12V Ladegeräte zu benutzen, da der Sinuskonverter selbst auch Leistung schluckt und man so noch ein paar Ampere einsparen kann. 

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10 Kommentare

  • Hallo Stefan,

    mit Interesse habe ich deinen Schaltplan gelesen. Was mir auffällt, zwischen zwischen dem B2B-lader und den Batterien hast du keine Minusleitungen verlegt, sondern nur die Masse am Chassis.
    Ich habe bei meinem B2B-Lader (Votronic 1225) jeweils eine Minusleitung (16mm²) von den Batterien zum Lader verlegt.
    Das soll die bessere Lösung sein, was meinst du dazu?

    Gruß
    Uli

    • Hallo Uli,

      die einfachere Lösung war für uns die Karosseriemasse, da wir uns damit ein Kabel gespart haben. Da der Minuspol der Starterbatterie auf Karosserie liegt und auch der Minuspol der Versorgungsbatterie, ist es egal ob Minus direkt an der Batterie oder irgendwo an der Karosserie angeschlossen wird. Vorausgesetzt natürlich, der gewählte Karosseriepunkt hat eine ordentliche Verbindung zum Minus der Batterien.

      Vor- oder Nachteile gibt es keine.

      Liebe Grüße

      stefan

  • Hallo,
    Sehr informativer Bericht!!!!
    Plane selbst Ausbau meines Minicarvans. Ich benötige noch Hilfe/Schaltplan zum Anschluss von Ladebooster und 220v Ladegerät. Kommen diese direkt an meine Versorgungsbatterie und was muss man dann in Bezug auf den mpp Laderegler beachten….?
    Mit besten Grüßen, Winkel

    • Hallo Winkel,

      vielen Dank für dein positives Feedback. ?

      Ladebooster, 220V Ladegerät und auch der Solarladeregler wird direkt an die Batterie angeschlossen. (Falls ein Batteriemonitor verbaut wird, muss die Minusleitung am Shunt angeschlossen werden.) Aber bei den Geräten sind meist Anschlusspläne dabei.

      Liebe Grüße

      Stefan

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