Wildcampen in Portugal: Camping am Strand

Wildcampen in Portugal

Portugal entwi­ckelt sich zu einem immer beliebter werdenden Reiseziel unter Campern. Aller­dings sind dabei viele auf der Suche nach Plätzen direkt am Strand und nicht auf offizi­ellen Camping- oder Stell­plätzen. Doch wie ist das mit dem Wildcampen in Portugal? Ist es erlaubt? Und kann ich mich mit meinem Camper einfach überall hinstellen? Welche Strafen drohen, wenn ich erwischt werde? Das und vieles mehr erfährst du nun.

Camping am Strand

Nachts mit dem Rauschen des Meeres einschlafen und am nächsten Morgen von den ersten Sonnen­strahlen geweckt werden, einen Blick aus dem Camper werfen und einen meter­langen menschen­leeren Sandstrand vor der Tür haben, ist wohl der Traum von vielen. Und die vielen Bilder vom Wildcampen in Portugal, die man in den sozialen Medien sieht, vermitteln, dass das anscheinend ohne Probleme möglich ist und auch seitens des Landes toleriert wird. Doch dem ist nicht so.

Wildcampen ist in Portugal verboten!

Die Geset­zeslage zum Thema Wildcampen ist in Portugal relativ eindeutig. Es ist schlicht und ergreifend verboten. Doch wie kann es dann sein, dass so viele mit ihrem Camper anscheinend ohne Strafen freistehen?

Auch wenn die Geset­zeslage eindeutig ist, so wurden die Camper an den Küsten der Algarve meist toleriert. Ab und an gab es Räumungs­ak­tionen, wo der ein oder andere auch eine Rechnung über 250,00 Euro nach Hause gesendet bekommen hat. Diese Räumungen waren bisher aller­dings eher selten, weshalb sich anstatt weniger auch immer mehr Wohnmobile an den Küsten tummeln. Doch was sind die Folgen dieser doch relativ laschen Politik?

Wenn die Freisteher zum Problem werden

Egal ob Sommer oder Winter, das Bild an den Küsten des Landes ist nahezu immer dasselbe. Dicht an dicht stehen Wohnmobile und Busse auf den Strand­park­plätzen, sodass Einhei­mische mit ihren Pkws kaum noch Platz finden. Vor dem Camper stehende Liegen, Tische und Stühle gehören genauso zu diesem Bild, wie ausge­fahrene Markisen und aufge­spannte Sonnen­segel. Ein Teil der Freicamper fährt am frühen Morgen, doch schon kurze Zeit später kommen die Nächsten an und geben sich so die Klinke in die Hand.

Der Campingboom hält weiter an und so werden es auch immer mehr Fahrzeuge, die sich an den portu­gie­si­schen Küsten tummeln. Das die vielen Wohnmobile die schönsten Plätze an den Küsten besetzen ist jedoch nur ein Teil des Problems. Die viel größere Sauerei, anders lässt sich das ehrlich gesagt nicht bezeichnen, hinter­lassen dieje­nigen, die kein Klo an Bord haben oder es nicht benutzen wollen.

Da wird mit der Klorolle bewaffnet in die Büsche gegangen, sein Geschäft verrichtet und alles liegen gelassen oder gleich der Inhalt der Chemietoi­lette in die Büsche geleert. Wenn man sich vorstellt, dass immer 20 – 30 Camper an einem Strand­ab­schnitt stehen kann man sich vorstellen, wie diese Kloaken dann aussehen. Herum­flie­gendes Toilet­ten­papier und Natur, in die keiner mehr einen Fuß setzen will, sind die Folge.

Das die Portu­giesen genau davon die Schnauze gestrichen voll haben, kann ich sehr gut nachvoll­ziehen.

Wildcamping in Portugal

Die Situation aus Sicht der Einhei­mi­schen

Jeder von uns sollte sich mal vorstellen, dass er an einem wunder­schönen Strand lebt. Man hat lange gespart, um sich dort ein Häuschen mit unbebauter Sicht auf Strand und Meer zu kaufen. Doch irgendwann entwi­ckelt sich die schöne Aussicht zu einer eher Grauen­haften. Wenn man aus dem Fenster sieht, dann ist es immer dasselbe Bild. Ein Camper neben dem anderen, sowie Müll und Toilet­ten­papier, welches sich durch den Wind in alle Richtungen verteilt. Wie würdest du darüber denken und wie würdest du das finden? Vermutlich genau wie ich, ziemlich bescheiden. Doch der Portu­giese, der dort lebt, hat keine Wahl, sondern muss damit leben oder hoffen, dass die GNR diesem Treiben endlich ein Ende bereitet.

So ist es auch nur nachvoll­ziehbar, dass die Haltung der Einhei­mi­schen den Touristen gegenüber immer schlechter wird. Deswegen liegt es an uns das zu ändern, bevor die Situation weiter eskaliert.

Höhere Strafen, vermehrte Kontrollen

Nachdem die GNR die letzten Jahre ziemlich tolerant war, so ändert sich die Situation ab diesem Winter. Es wurden extra Mitar­beiter der Gemeinden beauf­tragt, verschärfte Kontrollen an den Hotspots durch­zu­führen und auch empfind­liche Strafen bis zu 2000 Euro durch­zu­setzen. Diese sind dann vor Ort zu entrichten, ansonsten werden Fahrzeug­pa­piere beschlag­nahmt.

Die Reaktion der Portu­giesen auf diese Nachricht ist ziemlich eindeutig. Sie freuen sich und sind verständ­li­cher­weise erleichtert, dass sich endlich etwas tut.

Aber ihr steht doch auch immer frei …

Manch einer mag auch Leute wie uns dafür verant­wortlich machen, dass die Situation so eskaliert ist. Schließlich stehen wir auch ständig frei und posten noch dazu ständig schöne Bilder auf unserem Facebook- und Instagram-Account, was manch einen sicher dazu veran­lasst sich auf den Weg nach Portugal zu machen und es uns gleich zu tun.

Doch wie kann es dann sein, dass wir noch kein einziges Mal schlechte Erfahrung mit der GNR oder verär­gerten Portu­giesen machen mussten? Das liegt daran, dass wir zwar wild campen, aber das nicht dort tun müssen, wo es zwangs­läufig am Schönsten ist. Natürlich lieben auch wir das Meeres­rau­schen beim Einschlafen und den Blick auf einen menschen­leeren Strand am Morgen. Doch wir „gönnen“ uns dieses Spektakel eher selten. Denn wir stehen am liebsten einsam und alleine, was an der Küste nahezu unmöglich ist.

Deswegen meiden wir diese Regionen und stehen lieber dort, wo uns erstens kaum einer erwartet und wo wir auf der anderen Seite auch niemanden stören. Aller­dings möchten auch wir nicht mit erhobenem Zeige­finger sagen, was jemand zu tun oder zu lassen hat.

Doch jeder sollte sich mal in die Situation der Einhei­mi­schen versetzen und sich Gedanken machen, wie die eigenen Empfin­dungen wären, wenn das bei einem selbst vor der Haustür passieren würde.

Ein einzelner Camper an einem See, der den Platz verlässt, wie er ihn vorge­funden hat, wird einem da wohl eher weniger sauer aufstoßen, als eine Horde von Campern, die einen regel­rechten Saustall hinter­lassen.

Ob man in einem Land wild campen sollte in dem es verboten ist, wollen wir in diesem Beitrag nicht disku­tieren. Denn natürlich lieben auch wir die freien Plätze in der Natur und ziehen sie jedem Camping­platz vor. Das ist im Normalfall auch kein Problem, denn wo einen niemand erwartet, stört man auch keinen, was sich mit unseren persön­lichen Erfah­rungen deckt.

Das geht uns alle an

Damit die Situation nicht weiter eskaliert möchten wir hier alle Wildcamper in Portugal bitten, nehmt doch ein wenig mehr Rücksicht. Meidet die Küsten­re­gionen, wo sich alle tummeln, nehmt euren Müll mit und entsorgt ihn in der Mülltonne, entleert eure Toiletten nicht in der Natur, sondern an den entspre­chenden Entsor­gungs­sta­tionen und wenn ihr keine Toilette habt, dann stellt euch bitte irgendwo hin, wo öffent­liche WCs sind. Und wenn ihr unbedingt direkt am Strand stehen wollt, dann sucht euch doch einfach einen Camping­platz, der genau das bietet, denn auch davon gibt es mehr als genug.

Außerdem könnte man so einiges tun, um das Bild der Camper in der portu­gie­si­schen Öffent­lichkeit zum Positiven zu wandeln. Warum nicht einfach an jedem Platz, welchen man nutzt, den Müll einsammeln, der dort rumliegt? So könnte jeder etwas dazu beitragen, dass wir eben nicht nur die sind, die sich frei irgendwo hinstellen, sondern dafür eben auch etwas Positives tun.


Letzt­endlich liegt es an uns die Situation zu verbessern und die Portu­giesen nicht zu zwingen mit höheren Strafen und stren­geren Kontrollen gegen das Problem vorzu­gehen. Wenn Portu­giesen ihren Müll in die Natur schmeißen oder sich irgendwo frei an den Strand stellen, dann ist es die eine Sache.

Aber wir als Gast in diesem Land sollten uns respektvoll und vernünftig benehmen, dann steht einem guten Mitein­ander nichts im Wege und das sollte doch in unser aller Interesse sein oder?

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11 Kommentare

  • Halte euren Vorschlag den Müll einzu­sammeln auch für eine sehr gute Idee. Hoffentlich findet er viele Nachahmer!
    Dass man seinen eigenen Dreck wegräumt sollte eigentlich extra erwähnt werden müssen. Man sollte auch den Mut haben Leute darauf­hin­zu­weisen, auch wenn es manchmal einen dummen Kommentar gibt.

    • Hallo Roland,

      eigentlich sollte das wirklich selbst­ver­ständlich sein. Mit dem Hinweisen ist so eine Sache. Die Meisten machen es in unbeob­ach­teten Momenten :-).

      Viele Grüße

      Stefan

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