Dieselskandal Fiat Iveco Wohnmobile

Fiat Abgas­skan­dal: Ist mein Wohn­mo­bil betroffen?

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Ein Groß­teil der Camper heut­zu­ta­ge ist auf Fiat- bzw. Iveco-Basis, des­we­gen trifft der aktu­el­le Diesel-Skan­dal beson­ders viele Cam­ping­fahr­zeu­ge. Jetzt stel­len sich natür­lich viele Wohn­mo­bil­be­sit­zer die Frage: “Woher weiß ich, dass mein Wohn­mo­bil vom Fiat Abgas­skan­dal betrof­fen ist und was mache ich dann?” Wir haben für euch mit Rech­techeck gespro­chen und eure drän­gends­ten Fragen gestellt. 

Inter­view mit Rech­techeck zum Diesel-Skan­dal bei Fiat: Was Wohn­mo­bil­be­sit­zer jetzt wissen müssen

Bei einer Umfra­ge auf unse­rem Insta­gram- und Face­book-Account kam heraus, dass ein Groß­teil unse­rer Leser noch gar nichts vom Abgas­skan­dal bei Fiat gehört hat. Das war für uns Grund genug, das Thema mal etwas näher zu beleuch­ten, denn dieses Mal sind im Ver­gleich zu vor­aus­ge­gan­ge­nen Skan­da­len bei VW usw. beson­ders viele Wohn­mo­bi­le betroffen. 

Da wir selbst nicht vom Fach sind, haben wir uns Unter­stüt­zung von den Exper­ten von Rech­techeck geholt, dem Portal zu Rechts­the­men. Mit einem Rechts­an­walt haben wir eure drän­gends­ten Fragen geklärt.

Welche Wohn­mo­bil-Model­le und Moto­ren sind vom Fiat Abgas­skan­dal genau betroffen?

Vom aktu­el­len Abgas­skan­dal bei Fiat und Iveco sind wohl prak­tisch alle Model­le betrof­fen, die einen Fiat-Die­sel­mo­tor mit Abgas­norm Euro 5 oder Euro 6 haben. Basis-Fahr­zeu­ge mit neue­ren Abgas­nor­men (Euro 6 d temp und höher) schei­nen dage­gen der­zeit unpro­ble­ma­tisch zu sein. Damit lässt sich das Bau­jahr unge­fähr auf 2014 bis 2019 ein­gren­zen. Die Moto­ren haben einen Hub­raum zwi­schen 1,3 und 3,0 Liter.

Dazu kommen aller­dings auch noch Model­le ande­rer Her­stel­ler wie VW (T5, T6, Craf­ter) oder Mer­ce­des (Sprin­ter, Viano, Vito), die schon länger im Fokus der Ver­brau­cher­schutz-Anwäl­te stehen. Außer­dem rech­nen wir damit, dass zukünf­tig auch bei ande­ren Kon­zer­nen oder ande­ren Model­len von Fiat ille­ga­le Abschalt­ein­rich­tun­gen ent­deckt werden.

Rech­techeck listet auf seiner Seite betrof­fe­ne Wohn­mo­bi­le auf und aktua­li­siert die Liste auch lau­fend. Aller­dings kommt es dabei oft auch auf Details an. Einen kos­ten­lo­sen Check können Wohn­mo­bil­be­sit­zer auf unse­rer Seite zum Diesel-Skan­dal machen.

Trifft es alle Gewichts­klas­sen, also auch die über 7,5 t oder nur bis zu 3,5 t?

Vom Abgas­skan­dal bei Fiat und Iveco sind aktu­ell alle Model­le betrof­fen, die die oben genann­ten Moto­ren ein­set­zen. Das fängt beim Fiat 500 an, geht über den Fiat Ducato bis hin zum Iveco Euro­car­go. Die Palet­te reicht also vom (für Wohn­mo­bil­be­sit­zer weni­ger rele­van­ten) Klein­wa­gen bis in die Klasse über 7,5 Tonnen. Wei­te­re könn­ten zukünf­tig dazukommen.

Gilt das nur für Fahr­zeu­ge neue­ren Bau­jah­res oder auch ältere Wohnmobil-Modelle?

Bei Fiat und Iveco stehen aktu­ell ins­be­son­de­re Fahr­zeu­ge aus den Modell­jah­ren 2014 bis 2019 im Fokus. (Das heißt nicht, dass ältere Fahr­zeu­ge wirk­lich sauber sind, aber bei diesen Model­len ermit­telt schon die Staats­an­walt­schaft.) Bei VW und Mer­ce­des sind es prak­tisch alle, die vor weni­ger als 10 Jahren gekauft wurden. Genau gesagt sind da teil­wei­se auch ältere Model­le betrof­fen, aber nach 10 Jahren sind eben die Ansprü­che verjährt.

Für wen lohnt sich eine Klage?

Auch das kommt immer auf den Ein­zel­fall an. Bei Rech­techeck können Wohn­mo­bil-Besit­zer eine kos­ten­lo­se Erst­ein­schät­zung von einem Anwalt bekom­men. Der darf dann auch kon­kre­te Aus­sa­gen machen. Hier aber schon mal eine grobe Orientierung:

Eine Klage lohnt sich ganz beson­ders, wenn die Gewähr­leis­tung noch nicht abge­lau­fen ist. Dann kann man in vielen Fällen ein Nach­fol­ge-Modell aus der aktu­el­len Pro­duk­ti­on vom Händ­ler for­dern. Ohne Auf­preis oder Zuzah­lung. Das gilt zumin­dest, wenn die aktu­el­le Genera­ti­on „sauber“ ist.

Ist die Gewähr­leis­tung abge­lau­fen, lohnt sich oft eine Klage auf Rück­ab­wick­lung gegen den Her­stel­ler. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn man bei einer Rück­ab­wick­lung wenig „Nut­zungs­ent­schä­di­gung“ vom Kauf­preis abzie­hen muss. Beim Pkw hängt die Nut­zungs­ent­schä­di­gung davon ab, wie viel von den erwar­te­ten 300.000 km „Lebens­dau­er“ man schon ver­fah­ren hat. Bei Wohn­mo­bi­len könnte statt­des­sen auch auf das Alter abge­stellt werden, mit einer Lebens­er­war­tung von z. B. 25 Jahren.

Gibt es Fris­ten zu beachten?

Wenn Sie bei Ihrem Händ­ler Gewähr­leis­tung gel­tend machen wollen, blei­ben Ihnen dafür 2 Jahre ab Über­ga­be. (Bei Gebraucht­wa­gen ein Jahr.)

In allen ande­ren Fällen gilt: 

Die Ver­jäh­rung beginnt, sobald Sie wissen, dass Ihr Wohn­mo­bil vom Abgas­skan­dal betrof­fen ist. 

Wann Sie das bei Fiat wuss­ten (oder hätten wissen müssen), werden die Gerich­te klären. Je früher man klagt, desto siche­rer ist man. Danach haben Sie drei volle Kalen­der­jah­re Zeit, eine Klage ein­zu­rei­chen. 10 Jahre nach dem Kauf ist aber spä­tes­tens „Schicht im Schacht“.

Gibt es Risi­ken, wenn ich klage und kommen Kosten auf mich zu?

Das kommt darauf an: Wenn Sie eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung haben, ris­kie­ren Sie nur die Selbst­be­tei­li­gung. Dabei reicht nor­ma­ler­wei­se schon Verkehrsrechtsschutz.

Für „Selbst­zah­ler“ gilt: Gerade bei Wohn­mo­bi­len können die hohen Streit­wer­te schnell zu Anwalts- und Gerichts­kos­ten sowie Gut­ach­ter-Kosten von eini­gen Tau­send Euro führen. Und noch gibt es zu Fiat keine abschlie­ßen­den Urtei­le, z.B. vom BGH. Aller­dings kann Rech­techeck in vielen Fällen auch eine Pro­zess­kos­ten­fi­nan­zie­rung ver­mit­teln. Die über­nimmt dann alle Kosten und Risiken.

Wie hoch sind die Chan­cen, wenn ich dage­gen vorgehe?

Noch gibt es bei Fiat und Iveco keine Urtei­le von Ober­lan­des­ge­rich­ten oder BGH. Aller­dings haben BGH und EuGH schon weit­ge­hend für Klar­heit gesorgt, was eine unzu­läs­si­ge Abschalt­ein­rich­tung ist und welche Ansprü­che sich daraus für die Kunden erge­ben. Daher gehen wir davon aus, dass die Chan­cen gut stehen.

Wie lange wird ein Pro­zess vor­aus­sicht­lich dauern?

Die Erfah­rung aus dem VW-Abgas­skan­dal zeigt, dass es bis zum Land­ge­richts-Urteil nor­ma­ler­wei­se 8 bis 10 Monate dauert. Letzt­lich hängt es aber davon ab, wie stark das jewei­li­ge Gericht aus­ge­las­tet ist. Wir emp­feh­len daher, sich mög­lichst früh an Rech­techeck zu wenden und eine kos­ten­lo­se Erst­ein­schät­zung ein­zu­ho­len. Schließ­lich erhöht sich auch mit jedem Tag, der ver­streicht, die Nut­zungs­ent­schä­di­gung, wodurch man weni­ger Geld erhält.

Kann die Still­le­gung meines Wohn­mo­bils drohen?

Das kann durch­aus pas­sie­ren, bei­spiels­wei­se wenn

  • die ita­lie­ni­sche Zulas­sungs­be­hör­de einen Rück­ruf für die Basis-Fahr­zeu­ge anord­net, Fiat aber kein aus­rei­chen­des Update anbie­ten kann.
  • das KBA für die Wohn­mo­bi­le einen Rück­ruf anord­net und Fiat die deut­schen Her­stel­ler im Stich lässt.
  • es ein Update gibt, der Wohn­mo­bil-Besit­zer aber die Nach­rüs­tung ver­wei­gert, weil er z.B. Schä­den fürchtet.

Gerade im letz­te­ren Fall gab es beim VW-Abgas­skan­dal bereits Zwangs­still­le­gun­gen. Die ersten beiden Fälle sind beson­ders bei Fiat und Iveco denk­bar. Die betrof­fe­nen Fahr­zeu­ge sind in der Regel nicht mit einem SCR-Kat aus­ge­rüs­tet, daher bleibt für die Abgas­rei­ni­gung v.a. die Abgas­rück­füh­rung. Wird die dau­er­haft akti­viert, drohen aber Motor­schä­den, z.B. durch Ver­sot­tung des AGR-Ventils.

Ist die Situa­ti­on ver­gleich­bar mit vor­aus­ge­gan­ge­nen Diesel-Skan­da­len, wie z. B. bei VW?

Letzt­lich geht es in beiden Fällen darum, dass die Fahr­zeu­ge so kon­stru­iert wurden, dass sie die gefor­der­ten Abgas­tests bestehen, auf der Straße aber zu Dreck­schleu­dern werden. 

Abgasskandal Fiat Wohnmobile betroffen

Wäh­rend VW die Prüf­stands­si­tua­ti­on daran erkannt hat, dass das Lenk­rad nicht bewegt wird, hat es sich Fiat noch ein­fa­cher gemacht: 

Auch auf der Straße wird ca. 22 Minu­ten lang die Abgas­rück­füh­rung ein­ge­setzt und danach weit­ge­hend aus­ge­schal­tet. Die dama­li­gen Abgas-Tests für die Zulas­sung dau­er­ten 20 Minuten. 

Diese Art der Abschalt­ein­rich­tung ist ähn­lich dreist wie bei VW. Damit ist aus unse­rer Sicht klar, dass Fiat genau­so bewusst ille­gal gehan­delt hat wie Volks­wa­gen und die Kunden daher Anspruch auf Scha­dens­er­satz haben.

Wie du siehst, konn­ten wir die wich­tigs­ten Fragen die euch zum Thema unter den Nägeln bren­nen klären. Wenn du noch wei­te­re Fragen hast, dann wende dich doch direkt an die Exper­ten von Rechtecheck.

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