H-Kenn­zei­chen fürs Wohn­mo­bil: Worauf muss man achten?

H-Kennzeichen Wohnmobil

Wer ein besonders altes Fahrzeug fährt, möchte irgendwann sicher von den Vorteilen eines Veteranen profitieren. Wir zeigen dir, was es beim H-Kennzeichen fürs Wohnmobil zu beachten gibt und welche Vor- und Nachteile du mit einem Oldtimer hast. Außerdem erfährst du am Ende, ob die Umschlüsselung von einem Lkw zu einem Wohnmobil mit H so ohne Weiteres möglich ist.

Was ist ein H-Kennzeichen?

Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren zugelassen wurden und in gutem Zustand sind, können es bekommen. Der Sinn dahinter ist es, alte Fahrzeuge in entsprechendem Zustand steuerlich zu begünstigen.

Seit 1997 gibt es das H-Kennzeichen in Deutschland.

Doch es gibt einige Hürden zu überwinden, bevor du das Wohnmobil mit H-Kennzeichen ausstatten lassen kannst.

H-Kennzeichen
Das H am Ende des Kennzeichens steht für „Historisch“

Bevor wir zeigen, wie man an ein H-Kennzeichen kommt, möchten wir noch einen kleinen Einblick geben, wie viele Oldtimer Fahrzeuge in Deutschland aktuell damit ausgestattet sind:

Fahrzeugalter (alle Kfz-Arten)Zugelassen in DE
30-34 Jahre94.377
35-39 Jahre93.178
40-44 Jahre76.862

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt: Stand 2018

Somit ergibt sich, dass 2018 jedes 70. zugelassene Fahrzeug ein Oldtimer aus der Kategorie Pkw war.

Anforderungskatalog für Erteilung eines H-Kennzeichen

Wer nun davon träumt sein Wohnmobil mit H-Kennzeichen auszustatten muss einiges beachten. Bevor man zu einem gem. § 23 StVZO zugelassenen Sachverständigen, Prüfingenieur oder Prüfer von TÜV, Dekra, KÜS oder GTÜ fährt und das Fahrzeug bewerten lässt, gibt es Anforderungen, ohne deren einhalten das Fahrzeug nicht bewertet wird:

  • Keine erkennbaren technischen Mängel.
    Das Fahrzeug, welches das H-Kennzeichen bekommen soll, darf keine für die StVZO relevante Mängel haben, wie kaputte Reifen oder kaputte Lichter.
  • Nur leichte Gebrauchsspuren.
    Wichtig ist es, dass das Fahrzeug keine groben Schäden und ein ordentliches Lackbild hat. So ist ein wenig Patina erlaubt, aber große Roststellen können dazu führen, dass kein H-Kennzeichen erteilt wird.
    Bei einem Lkw wird der Sachverständige bezüglich des Lackbildes sicher toleranter sein, als bei einem klassischen Kleinwagen, da es sich beim Lkw um ein Nutzfahrzeug handelt.
  • Es dürfen keine Teile fehlen.
    Der Originalzustand des Campers spielt eine wichtige Rolle, weswegen wichtige Originalteile, die das Fahrzeug ausmachen, nicht fehlen dürfen. Sollte mal ein solch relevantes Teil kaputt gehen, hat man vielleicht das Glück beim Hersteller oder aber auf verschiedenen Schrottplätzen oder Online-Marktplätzen noch ein Teil von einer Schlachtung o. Ä. zu ergattern.
  • Unfallschäden und nicht fachgerechte Instandsetzungen sind ein NoGo.
    Wer größere Schäden am Fahrzeug nur notdürftig repariert oder nicht fachgerecht instand setzen lässt, der kann davon ausgehen, dass dies ein Grund dafür ist, das H-Kennzeichen nicht zu bekommen. Hier muss vor der Bewertung auf jeden Fall Hand angelegt werden.
  • Nachweislich zeitgenössischer Zustand.
    Wichtig ist auf jeden Fall, dass Umbauten oder Ausbauten zeitgenössisch sind. Diese Regelung ist etwas schwammig formuliert und so liegt es am Prüfer, was er als zeitgenössisch anerkennt und was nicht.

Auf der Seite des TÜV Süd könnt ihr euch übrigens den genauen Anforderungskatalog online ansehen.

Was kostet ein H-Gutachten?

Jede amtlich anerkannte Sachverständigenstelle darf das Gutachten fürs H-Kennzeichen erstellen. Um das H-Kennzeichen bei der Zulassungsstelle beantragen zu können, muss das Oldtimergutachten vorgelegt werden.

Für das H-Gutachten muss man mit Kosten zwischen 100 und 200 Euro + Hauptuntersuchung rechnen. Dazu kommen dann noch die Gebühren der Zulassungsstelle und Kosten für die Nummernschilder.

Außerdem wird zusammen mit dem Gutachten noch eine Hauptuntersuchung gemacht, unabhängig davon, ob die letzte Untersuchung noch gültig ist.

Sobald das Gutachten erstellt wurde, wird das neue Nummernschild bei der Zulassungsstelle beantragt. Wer auf seinem Kennzeichen lediglich sieben Stellen hat, kann die alte Kombination behalten, da maximal acht Stellen zulässig sind und das H am Ende noch dazu kommt. Wer schon acht Stellen hat, darf sich eine neue Kombination einfallen lassen.

Tipp fürs Gutachten: Such dir einen guten Sachverständigen

Wie vieles ist es auch beim H-Kennzeichen und den entsprechenden Untersuchungen immer so, dass der Sachverständige und Prüfer einen gewissen Entscheidungsspielraum hat. Der eine legt den strenger aus und der andere etwas lockerer. Dementsprechend lohnt es sich, Augen und Ohren offen zu halten, welchen Prüfer andere vielleicht empfehlen können.

H-Kennzeichen beantragen: Welche Unterlagen brauche ich?

Wer das Oldtimergutachten erstellt bekommen hat, der kann nun das H-Kennzeichen bei der Zulassungsstelle beantragen. Dafür müssen folgende Unterlagen mitgenommen werden:

  • Personalausweis oder Reisepass (der aber mit aktueller Meldebestätigung),
  • H-Gutachten,
  • Nachweis der Hauptuntersuchung,
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugschein + Fahrzeugbrief),
  • evB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung),
  • amtliches Kennzeichen, wenn Fahrzeug vorher nicht stillgelegt war,
  • SEPA-Lastschriftmandat für Kfz-Steuer.

Versicherung für Oldtimer, worauf muss man achten?

Die Suche nach einer Versicherung für das Wohnmobil mit H-Kennzeichen kann sich als weitere Herausforderung entpuppen. Nicht jeder Versicherer bietet solch eine spezielle Kfz-Versicherung an und dann sind die Auflagen unterschiedlich.

So sind folgende Vertragsbedingungen nicht unüblich:

  • Kilometerbeschränkung
    Viele Versicherer schränken die jährliche Kilometerleistung auf zwischen 3000 und 9000 km ein.
  • Keine Auslandsfahrten
    Auch Fahrten ins Ausland können seitens der Versicherung vertraglich verboten werden.
  • Erstfahrzeug nötig
    Wer seinen Oldtimer versichern will, wird häufig hören, dass ein Erstfahrzeug gegeben sein muss, damit der Oldie versichert werden kann.
  • Altersbeschränkung
    Viele Versicherungsunternehmen verlangen, dass der Fahrer älter als 23 oder 25 sein muss.
  • Fahrer festgelegt
    Immer wieder ist in den Bedingungen festgehalten, dass das Fahrzeug nur vom Besitzer oder dessen Ehepartner gefahren werden darf.

Die Suche nach einer guten Versicherung, die die eigenen Bedürfnisse nicht allzu sehr einschränkt, ist dann meist gar nicht so leicht. Achtet vor dem Abschluss unbedingt auf das Kleingedruckte, damit ihr später keine Probleme mit der Abdeckung bekommt.

Vor- und Nachteile: Für wen lohnt sich die Oldtimerzulassung?

Wem der Aufwand für ein H-Kennzeichen nun relativ groß erscheint, fragt sich bestimmt, was er davon hat.

Anforderungen TÜV H-Kennzeichen

Lasst uns mal einen Blick auf die Vor- und Nachteile werfen, die sich aus einem Reisemobil mit Oldtimerstatus auf dem Nummernschild ergeben.

Welche Vorteile hat ein H-Kennzeichen?

Natürlich genießt man mit einem H-Kennzeichen ein paar Annehmlichkeiten, die wir hier mal genauer erläutern wollen:

VorteileErläuterung
SteuervergünstigungFür ein Fahrzeug mit H-Kennzeichen fällt immer die gleiche Steuer an, egal ob Lkw, Pkw, Wohnmobil, Bus oder sonstiges Kfz.
Fahrzeuge mit Oldtimerstatus kommen so auf 191,73 Euro Steuer im Jahr.
Günstige Oldtimer-VersicherungNicht nur bei den Steuern kann gespart werden, auch bei der Versicherung kommt man günstiger weg, als wenn man das Fahrzeug ohne H versichern würde.
Doch Vorsicht! Häufig ist dies auch mit Einschränkungen verbunden. Welche genau folgt weiter unten im Beitrag.
Umweltzonen befahrenGerade so alten Wohnmobilen fehlt logischerweise eine Feinstaubplakette, welche sie aufgrund ihrer Abgaswerte auch nicht bekommen würden. Somit dürften Innenstädte mit Umweltzone eigentlich nicht befahren werden.
Doch dank H-Kennzeichen darf man mit dem alten Camper auch in die Innenstadt fahren. Dies gilt allerdings nur für Deutschland.

Das waren auch schon weitestgehend die Vorteile, die ein Wohnmobil mit H-Kennzeichen mit sich bringt. Im Ausland bringt einem das H im Kennzeichen übrigens nichts, wenn es um Umweltzonen o. Ä. geht.


Eine Ausnahme bietet lediglich der Nachbar Schweiz.
Hier kann man mit einem Veteranenfahrzeug von der Schwerlastabgabe (über 3,5 t) und der Maut befreit werden. Diese Befreiung kann man beim Grenzübertritt bei der Schweizer Zollbehörde beantragen.


Welche Nachteile hat man mit H-Kennzeichen?

Überall wo Sonne ist, ist gleichzeitig auch Schatten. So ist es nicht verwunderlich, dass ein H-Kennzeichen auch Nachteile mit sich bringt.

NachteileErläuterung
Einschränkungen beim AusbauGerade wer einen alten Lkw oder ein Wohnmobil mit H-Kennzeichen selber aus- oder umbauen möchte, muss sich an gewisse Vorgaben halten. So darf das zeitgenössische Aussehen des Fahrzeugs durch nachträgliche Ein- und Anbauten nicht beeinträchtigt werden.
Sicherheitsrelevante Änderungen, wie das Anbringen von Anschnallgurten oder Verwendung besserer Leuchtmittel, sind erlaubt.
Das Lackieren mit 10 verschiedenen Farben oder der Einbau von hochmodernen Navigationsgeräten im Fahrerhaus sind hingegen nicht zulässig. Sonst kann das Verweigern einer neuen Plakette die Folge sein, bis das Fahrzeug wieder in historischem Zustand ist.
Vorgaben vom VersicherungsunternehmenHäufig gibt es bei der Versicherung als Oldtimer gewisse Vorgaben, die einzuhalten sind. Dazu gehört, dass meist ein Erstfahrzeug nötig ist, um einen Oldtimer versichern lassen zu können.
Außerdem schränken viele Versicherungen die Kilometerleistung ein oder untersagen Fahrten ins Ausland.
Hier heißt es Augen auf bei der Wahl der richtigen Versicherung.
RestaurierungsarbeitenSo schön die alten Fahrzeuge auch sind, man darf nicht vergessen, dass der Erhalt nicht nur ins Geld geht, sondern auch eine ordentliche Portion Arbeit bedeutet. Wer hier nicht selbst Hand anlegen kann, ist ganz schnell einige Hundert oder Tausend Euro ärmer.
Roststellen entfernen, lackieren, kaputte Bauteile austauschen – die Liste der jährlich anfallenden Arbeiten ist lang.
Aufwändiger Prozess zur Erteilung des HDer Aufwand, der betrieben werden muss, um ein H-Gutachten zu bekommen, ist nicht zu unterschätzen. Je nach Zustand des Fahrzeugs kann es nicht nur teuer, sondern auch sehr aufwendig werden.
Keine gewerbliche NutzungWer sein altes Fahrzeug zu gewerblichen Zwecken mit einem H-Kennzeichen ausstatten möchte, der hat Pech gehabt. Eine gewerbliche Nutzung von historischen Fahrzeugen ist nicht erlaubt.

Ob sich das H-Kennzeichen lohnt, hängt auch davon ab, wie man das Fahrzeug verwendet und ob man selbst Hand anlegen kann. Wer für jede kleine Reparatur in die Werkstatt muss, sollte sich lieber ausrechnen, ob die Einsparungen die Ausgaben nicht bei Weitem überschreiten. Und ob es am Ende ohne H-Kennzeichen nicht günstiger wäre.

Lkw mit H-Kennzeichen als Wohnmobil umschlüsseln

Ein immer wieder gehegter Wunsch ist das Umschlüsseln eines Lkw zum Wohnmobil. So sind die vielen alten Kurzhauber, Magirus, Ifas, Steyr, usw. häufig als Lkw geschlossener Kasten eingetragen. Da die meisten unter 7,5 Tonnen bleiben, hat man in Deutschland zwar keine Probleme mit Sonntagsfahrverbot, aber die Einstufung als Lkw kann im Ausland bei Maut, Versicherung, uvm. Nachteile bringen.


Tipp:
Frage vor Änderungen an deinem Fahrzeug immer deinen Prüfer, was er davon hält oder versuche einen zu finden, der ein Herz für die alten Schätzchen hat und das Regelwerk großzügiger auslegt.


Die Umschlüsselung zum Wohnmobil ist nur sehr schwer, wenn gar unmöglich. Denn häufig gab es die alten Lkws nicht als Wohnmobil, womit es sie auch nicht mit dem vom TÜV geforderten „zeitgenössischen Aufbau“ gegeben haben kann.

Eine Chance den Lkw geschlossener Kasten in ein Wohnmobil umschlüsseln zu lassen hat lediglich der, der nachweisen kann, dass der Umbau schon vor mehr als 20 Jahren bzw. max. 10 Jahren nach Zulassung erfolgt ist.

Genauere Informationen findet man hier auch in den Erläuterungen für den Anforderungskatalog des TÜV Süd. Besonders Kapitel VI ist in diesem Zusammenhang interessant. 

Manch einer hat vielleicht Glück mit seinem Prüfer und bekommt die Umschlüsselung vom Lkw zum Wohnmobil mit H-Kennzeichen, aber ich denke die meisten müssen sich einfach damit abfinden oder aufs H verzichten.


Auch beim H-Kennzeichen ist nicht alles Gold, was glänzt. Natürlich hat man die Vorteile der Steuerersparnis und der günstigeren Versicherung, andererseits sind die Nachteile auch nicht zu verachten. Deswegen solltest du gut abwägen, inwieweit sich der Aufwand im Verhältnis lohnt. Unabhängig davon, dass ein altes Fahrzeug ja oft auch einfach eine Herzensangelegenheit ist, der man dann auch das passende Kennzeichen mit H spendieren will.

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